Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.07.2018


Test

Einmal Rallyestar spielen

Renault lud zur sportlichen Ausfahrt mit dem neuen Sportcoupe Alpine A110 und der fast schon rennsporttauglichen Limousine Mégane R.S.

© WerkAb 58.700 Euro ist die Alpine A110 bestellbar.



Von Peter Urbanek

Mariazell – Die neue Alpine A110 bedeutet eine Bereicherung der Sportwagenszene, wo leistbare Modelle mit hohen Fahrwerten eine Rarität darstellen. Der Zweisitzer in klassischer GT-Karosse, legendä­res Hellblau selbstverständlich, 4,18 m lang, 1,25 cm hoch, also keine flache Duckmaus, die zu Kriechaktionen beim Einstieg zwingt. Eine klare Sache, misst doch Jean-Pascal Dauce, der Spiritus Rector hinter der Wiedergeburt der Marke Alpine, stattliche 2 Meter. Auf diesen Franzosen, seit Kindesbeinen Alpine-Fan, kommen wir noch einmal zurück. Zwei bequeme Sitze mit festen Konturen, auf Wunsch Sabelt-Rennmodelle, laden im Innenraum zur sportlichen Reise ein, hochwertige Materialien wurden zur Ausgestaltung verwendet. Drei Digitalanzeigen fesseln das Auge des Fahrers. Links wird die augenblickliche Drehzahl groß aufgezeigt, in der Mitte berichtet das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe über die momentane Gangwahl, rechts zeigt der Tachometer die Geschwindigkeit an, im Praxistest meist Exekutive-feindlich. Trotz relativ niederen Daches ist die Sicht nach vorne völlig ausreichend, das Heckfenster in Schlitzform zu vernachlässigen, denn es geht mit Alpine immer nur vorwärts. Ein Druck auf den roten Knopf auf der Mittelkonsole, sofort springt 252 PS starke 4-Zylindermotor mit 1,8 Litern Kubikinhalt wild röhrend an, als Mittelmotor für Heckantrieb vorgesehen. „Allez les bleus“, wie der Kampfruf in Frankreich heißt, los ging es Richtung der klassischen Rallyestrecken im erweiterten Wienerwald. Kalte Kuchl, Klamm-Gutenstein, Rohr im Gebirge, Rohrer Sattel, alles Namen, die bei eingefleischten Fans die Erinnerung an die großen Rallyezeiten wach rufen. Die damaligen Stars wie J.F. Piot, J.P. Nicolas oder Jean Todt, heute Präsident der Weltorganisation FIA, trieben ihre 750 kg leichten Renault-Alpine-Werkswagen, 3,85 cm lang, mit heulenden 1,8-Liter-Motoren, 175 PS stark, durch die Kurvenfolgen, oft noch mit Schotter-Naturbelag. „Heckschleudern“ war der Spitzname, doch die Asse stellten ihre Fahrzeuge meisterhaft quer. Es war die große Zeit der Marke Renault Alpine in den Jahren 1961 bis 1977, der Sieg in der gefürchteten, eisigen Monte Carlo Rallye stellte einen Höhepunkt dar. Einmal konnte der Schreiber dieser Zeilen in einer Semi-Werks-Alpine des österreichischen Renault-Spezialisten Walter Roser mitfahren, der Innenraum wirkte wie aus einer Bastlerbude, doch die Performance war atemberaubend. Zurück in die Gegenwart, die Alpine der Gegenwart glänzt mit ihrem hohen Qualitätsanspruch, natürlich inklusive aller wichtigen Assistenzsysteme. Sie fährt sich nicht so beinhart wie das historische Vorbild, sondern das Fahrwerk passt sich geschmeidig den Fahrbahn-Unebenheiten an. Der widerstandsfreie flache Fahrzeugboden, das Leergewicht von knapp 1100 kg, ein ausgezeichneter cW-Wert, all das sind Komponenten für 250 km/h Spitze und einen Kombiverbrauch von 6,4 l/100 km, da spielt der Kofferraum in Kreditkartengröße keine große Rolle.

Der Einstieg in die neue Alpine-Welt beginnt bei 58.700 Euro. Jean-Pascal Dauce überzeugte 2012 mit seinem Prototypen die Bosse von Renault, den Neuanfang zu riskieren. Aktuelle Lieferzeit: zwölf Monate. Wer heute bestellt, hat 70 Konkurrenten vor sich. Der Vertrieb erfolgt über drei Stützpunkte in Österreich.

Anderes Modell, anderes Konzept. Der 1,8-Liter-250-PS-Motor rumort auch unter der Motorhaube der Limousine Renault Mégane R.S., aber der Fünftürer spricht eine andere Klientel an. Frontantrieb, 6-Gang-Schalter oder 6-Gang-Doppelkupplung, dynamische Allradlenkung, breitere Kotflügel, Launch Control, breitere Spur im Vergleich zum Mégane GT, ein Sportler mit Familiensinn, aber 300 kg schwerer als die Alpine. Zwei Fahrwerke stehen zur Wahl, wobei die harte Cup-Version eher für Puristen gedacht ist. Der Mégane R.S. kann sich ganz zivil bewegen, bei Bedarf wird aber in 5,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Hochwertig ausgestattet starten die Preise für den Familien-Rennwagen ab 37.980 Euro.

Der Mégane R.S. lässt sich wie die Alpine A110 vom 250 PS starken 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner antreiben.
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