Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.07.2018


Test

Volvos XC-Idee kompakt verpackt

„Auto des Jahres 2018“: Mit dem XC40 stößt Volvo ernsthaft in das Segment der Kompakt-SUV vor. Die Stoßrichtung der extravaganten Neuschöpfung ist klar: Premium bei Design, Technik und Preis.

© Reinhard FellnerÜber den Dächern der Stadt: Trotz urban-kühlen Schwedendesigns zieht es den XC40 dank seiner Bodenfreiheit auch gerne auf Feldwege.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Es klingt wie ein Paradoxon: Seit Volvo sich 2010 aus der Umarmung von Ford in die Hände des chinesischen Geely-Konzerns retten konnte, geht es mit den Schweden steil aufwärts. Anders als die Firma Saab, die vom US-Konzern General Motors in den Ruin gespart wurde, profitierte Volvo von Milliardeninvestitionen – und der Weitsicht von Geely, die Wikinger bei Design und Sicherheitsausstattung völlig befreit arbeiten zu lassen. Ein Befreiungsschlag.

Ist Volvo bei Gestaltung und Innovation nun doch zurück in den besten Zeiten der Firmenhistorie. Das Design wirkt innen und außen stilbildend – Klasse und kühle Eleganz ohne Protz. Klare Linien treffen auf feine Details und Marken­identität von seltener Intensität.

Nach dem großen Erfolg der SUV-Baureihen XC90 und 60 reichte Volvo nun den XC40 als erstes Kompakt-SUV-Modell nach. Mit gut 4,4 Metern Länge hat der hochgestellte Kompakte ein Idealformat für urbane Besserverdiener. Noch bevor Interessenten das Modell jedoch überhaupt sehen konnten, wurde es am Genfer Autosalon mit dem Titel „Auto des Jahres“ ausgezeichnet. Im TT-Test klärte der T5 AWD, warum. Schon die Karosserie vermittelt Klasse. Verarbeitung auf hohem Niveau mit netten Details in Chrom verbinden sich mit trendigen Designelementen wie orangem Filz im Testwagen im R-Design-Trim. Welche Ausstattungsvariante auch immer: Volvo steht stets für beste Sitze, leichtgängigste Gurtsysteme und leichtgängige und präzise Bedienelemente. Die Bedienung fast aller Fahrzeugfunktionen läuft über den zentralen 9-Zoll-Berührungsbildschirm. Wer Nutzer eines Tablets ist, wird das stylische Hochformat mögen, ansonsten benötigt es damit anfangs aber etwas Übung.

Wer einmal etwas zu lange auf den Bildschirm geschaut hat, der wird vom XC40 – serienmäßig – von einem Sicherheitssystem geschützt, das der Kompakte direkt von seinen hochklassigen Brüdern übernehmen durfte. Bis 2020 soll in einem Volvo ja kein Lenker mehr getötet oder schwer verletzt werden. Das System „City Safety“ vermeidet bei Tag und Nacht Unfälle mit vorausliegenden Objekten und bietet einen Kreuzungsbrems­assistenten, ein Warnsystem und Lenk­unterstützung bei Ausweichmanövern.

Dazu werden die Insassen durch ein Spurhalte-Präventivsystem, einen Aufmerksamkeitswarner und Systeme für Notfälle geschützt. Zusammen mit höchster Crashtest-Bewertung und einem Fahrwerk, das in Richtung Narrensicherheit ausgelegt ist, ergibt das allerhöchste aktive und passive Sicherheit.

Überhaupt schafften die Schweden beim Fahrwerk einen gelungenen Kompromiss aus dynamischer Straffheit und ansprechendem Komfort. Zusammen mit dem ausgezeichneten Sitzkomfort vorne und hinten ergibt dies ein Fahrgefühl, das der Kompaktklasse schon entwachsen scheint. Dazu kommt, dass der 1,65 Meter hohe Wagen eigentlich schon SUV-Gefühl pur bietet. Angenehm hoch sind Sitzposition und Bodenfreiheit. Für Schotterwegeinsätze stehen Bergabfahr- und -anfahrhilfe zur Verfügung. Ob es für ein so rundes Paket den T5 mit 247 PS benötigt, erschien im Test bis zum Schluss fraglich. Zwar beschleunigt der Allradler so in 6,5 Sekunden auf 100 km/h, aber irgendwie passt aufgeregte „Heizerei“ nicht zum Schweden-SUV. Zumal sich zum getesteten T5 ein Einstiegspreis von 50.113 Euro plus ein Benzinverbrauch von 9,8 Litern Super gesellte. Da bieten die Wikinger für 10.000 Euro weniger auch schon schöne Allrad-Varianten in Benzin und Diesel (alle schon Euro 6d-TEMP) – oder für 31.600 Euro den quirligen 156-PS-Dreizylinder in Frontantriebsversion.

Für welche Variante man sich beim neuen XC40 auch entscheidet: Man erhält eines der extravagantesten und qualitätsvollsten Fahrzeuge seiner Klasse – und wer mit gut geschnittenen 460 Litern Kofferraum zurechtkommt, sogar einen tadellosen Familienwagen. Und für all jene könnte das fast konkurrenzlose Sicherheitsniveau entscheidend sein.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbobenziner

Hubraum: 1969 ccm

Drehmoment: 350 Nm bei 1800 U/min

Leistung: 181 kW/247 PS

L/B/H: 4425/1863/1652 mm

Gewicht: 1772/2220 kg

Kofferraumvolumen: 460 – 1336 l

Tankinhalt: 54 l

Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h

0 – 100 km/h: 6,5 Sekunden

Verbrauch: 9,8 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: (T5 R Design AWD) 50.113 Euro

CO2-Emission: 168 g/km




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