Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.07.2018


Test

Renaults kompakte Rakete

Renault hat die dritte Generation des Mégane R.S. auf die Straßen losgelassen. Dabei spendierten ihm die Ingenieure ein Leistungs-Plus und Allrad-Lenkung.

© LetznerEr fährt nicht nur schnell, sondern sieht auch verdammt gut aus: der Renault Mégane R.S.



Von Lukas Letzner

Inzing – Das Kürzel R.S. ist nicht nur unter den Renault-Fans bekannt, denn Autos, die diese Lettern tragen dürfen, bereiten in der Regel sehr viel Spaß. Das hat sich auch bei der dritten Generation des Re­nault Mégane R.S. nicht geändert und so freuten wir uns wie die kleinen Jungs unter dem Weihnachtsbaum, als wir den Namen in der Liste der anstehenden Tests entdeckten.

Wenn man – egal ob am Stammtisch oder hier im Blatt – über so eine kompakte Sportskanone redet, dann steht eines im Vordergrund: die Leistung. Kommen wir also gleich zum Wichtigsten. Unter der Haube unseres R.S. war ein 1,8-Liter-Turbo-Benziner für die entsprechende Längsbeschleunigung verantwortlich. Wer das rechte Pedal pfleglich behandelt, kann sich von maximal 280 Pferdchen nach vorne reißen lassen. Sie schaffen es – nicht zuletzt dank des ordentlichen Drehmoments von 390 Nm – den sportlichen Megane in 5,8 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen. Dass die maximale Höchstgeschwindigkeit bei 255 km/h liegt, wollen wir zwar nicht unterschlagen, ein Ausflug zu unseren deutschen Nachbarn blieb dieses Mal allerdings aus und so konnten wir das nicht auskosten. Doch geradeaus kann ohnehin jeder. Wie schlägt sich der Fronttriebler aber auf der Landstraße? Kurzum: sehr gut. Der Motor lässt den Wagen äußerst leichtfüßig wirken und reagiert sehr direkt auf die Befehle des rechten Fußes. Mühelos wühlt er sich durchs Drehzahldickicht, während die neue Doppelkupplung (sie wird übrigens EDC genannt und ist erstmalig im Mégane R.S. verbaut) äußerst sanft und exakt die Gänge serviert. Geschaltet wird wahlweise per Wählhebel in der Mittelkonsole oder über feststehende Paddles am Lenkrad. Neben kürzeren Schaltzeiten bietet EDC noch die Funktion einer Launch Control und vier vorkonfigurierte Modi (Comfort, Neutral, Sport, Race), die auf Getriebesteuerung, ESP, ABS, Ansprechverhalten, Sound und Lenkung wirken. In Kombination mit der direkten Lenkung ist es ein echtes Fest, den Landstraßensportler ums Eck fliegen zu lassen.

Doch nicht nur die Leistung des Mégane beeindruckt. Auch das Fahrwerk ist ein echtes Sahnestück. Während viele Konkurrenten mit der Leistung am Vorderrad überfordert sind, ist das beim Franzosen kein Problem. Dank Allrad-Lenkung lässt er sich äußerst präzise fahren und schiebt erst spät über die Vorderräder. Das verdankt man auch den schicken 19-Zöllern, auf denen unser Testwagen anrollte. Apropos schick! Natürlich muss auch der Auftritt eines solchen Sportlers entsprechend scharf sein. Der Kühlergrill in Wabenoptik, die vergrößerten Kühlluftöffnungen, Tagfahrleuchten im Zielflaggen-Design und der auffällige Diffusor mit den zwei mittig positionierten Auspuffendrohren erfüllen diesen Auftrag mit Bravour. Wer sich den schnellen Franzosen anlachen möchte, der sollte mindestens 36.190 Euro an Mitgift zur Verfügung haben. Dann rollt allerdings ein sehr ehrlicher Sportler in die heimische Garage.