Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.08.2018


Test

Aushängeschild im Van-Revier

Hoch sitzen, bequem ein- und aussteigen, ausreichend Platz für Familie und Gepäck – das muss kein großes SUV sein, sondern ein Seat Alhambra.

© HöschelerTrotz sportlicher Ausstrahlung überwiegt beim Seat Alhambra die familienfreundliche Komponente.



Von Markus Höscheler

Leisach – Sport Utility Vehicles mögen weiterhin en vogue sein, die eierlegende Wollmilchsau, die alle Bedürfnisse befriedigt, sind sie nicht. Da kommt schon eher ein größerer Van in Betracht, etwa der betagte Seat Alhambra. Dessen aktuelle Generation befindet sich seit 2010 auf unseren Straßen, 2015 moderat überarbeitet. Mannigfaltig sind die Vorteile, die der 4,85 Meter lange Spanier für sich sprechen lässt. Beginnen wir mit dem Raumangebot: Dank seiner Länge lässt sich eine dritte Sitzreihe mit zwei Einzelsitzen unterbringen – somit können bis zu sieben Personen im Alhambr­a eine Reise antreten. Wenn das nicht sein muss, ergibt sich ein Lastauto-­ähnlicher Frachtraum – bis zu 2,3 Kubikmeter Volumen offeriert das Modell für Transportgut.

Die Mühsal des Beladens oder Besteigens kann der Alhambra in vielerlei Hinsicht mildern. Die beiden Schiebetüren sind im Testwagen elektrisch bedienbar – und das glücklicherweise an mehreren Stellen. Die Tasten befinden sich erstens am Schlüssel mit Funkfernbedienung, zweitens auf der Mittelkonsole, drittens auf der B-Säul­e. Zudem erlauben Türgriffe das Öffnen und Schließen der Portale. Mittels Kindersicherung können die meisten der erwähnten Mechanismen blockiert werden. Elektrisch bedienbar ist im Übrigen auch die Heckklappe – kein Alleinstellungsmerkmal in der Automobilbranche, aber eine taugliche Lösung allemal.

Von herausragender Bedeutung sind unseres Erachtens die hohe Sitzposition und der Sitzkomfort, der sich durch die großzügigen Innenraumabmessungen und die verwendeten Materialien (Alcantara) ergibt. Betagt dagegen wirkt die Optik des etwas zu klein geratenen Touchscreens des Infotainmentsystems. Die wichtigsten Funktionen – die Navigation und die Koppelung mit Smartphones – beherrscht die Technik gleichwohl in einem mehr als zufriedenstellenden Ausmaß.

Annähernd stressfrei arbeitet die uns zugetragene Antriebs-Konfiguration, bestehend aus einem 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner und einem Doppelkupplungsgetriebe. Das Ensemble harmoniert zumeist mit dem Vorderradantrieb, nur in starken Steigungen oder bei größeren Asphaltlücken machen sich Traktionsschwächen und Zerrbewegungen am Lenkrad bemerkbar. Beim Testverbrauch kann der Ottomotor nicht mit der Bescheidenheit eines Diesels mithalten, die erzielten 9,6 Liter je 100 Kilometer stellen allerdings keine negative Überraschung dar.

Überraschen sollte auch nicht das ambitionierte Preisgefüge in Anbetracht der FR-Ausstattungslinie. Die inkludiert unter anderem die zuvor schon erwähnte Navigation, auch eine Dreizonen-Klimaautomatik, ein Panorama-Ausstell-Schiebedach, 18-Zoll-Felgen und abgedunkelte Seitenscheiben hinten sowie eine Sitzheizung vorn­e und ein stimmiges Ablagenpaket. Mindestens 45.890 Euro sind für das FR-Ausstattungsniveau zu kalkulieren, zumindest unverhandelt.




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