Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.08.2018


Test

Ein X-Trail für alle Pfade

15.000 Kilometer ohne Defekte und Allüren: Im TT-Dauertest wühlte sich der Nissan X-Trail durch drei Jahreszeiten. Das Großraum-SUV präsentierte sich als kraftvoller Alleskönner.

© Reinhard FellnerDas schicke Design des X-Trail gefiel bis zum Schluss und kaschiert gekonnt die Größe des SUV. In Monarch Orange glänzte er mit der Sonne um die Wette.Foto: Fellner



Von Reinhard Fellner

Jenesien – 15.000 Kilometer – aus und vorbei. Der neue Nissan X-Trail empfahl sich bis zum Ende des TT-Dauer­tests geradezu als Kilometerfresser. Im Spätherbst angetreten, wühlte sich das schicke Großraum-SUV gleich durch drei Jahreszeiten. Und wurde dabei artgerecht eingesetzt.

Bilanz: ein unverschuldeter Schaden an der Heckstoßstange und eine lockere Mutter am Fahrersitz. Sonst: nichts! Auch sonst fiel bei Schlüsselrückgabe an Nissan nichts auf, was nicht funktionierte wie am ersten Tag. Glücklicher Nachbesitzer!

Zum Wesen dieses SUV: Nach einem Dreivierteljahr X-Trail kann abschließend festgehalten werden, dass dieses Modell kein größer geratener Qashqai, sondern – speziell in seiner Allradversion – ein ernst zu nehmendes SUV für alle Herausforderungen ist.

Den Charakter des X-Trail machen dabei gleich mehrere Dinge aus. So glänzt der 4,7-Meter-Geländegänger mit beeindruckender Raumfülle. Auch in der zweiten Reihe sitzt und reist es sich großartig. Die vorderen Sitze überzeugen Tag für Tag als bequeme Fauteuils. So wächst der X-Trail nicht nur Familien ans Herz. Dessen Raumgefühl lädt einfach zum Verweilen ein. Nichts zwickt, nichts wirkt improvisiert, nichts nervt durch unnötig komplizierte Bedienung. 210 Millimeter Bodenfreiheit ergeben zudem eine souverän hohe Sitzposition mit bester Übersicht.

Wenige SUV bieten dazu bis zu 1982 Liter Ladevolumen (Siebensitzer 1877) und eine derartige Variabilität. Ob Laderaumboden oder Heckbank, alles ist verschieb- oder klappbar. Schon seine Karosserie macht den X-Trail zum Alleskönner. Einzig die Kunststoffe dürften an einigen Stellen noch ruhig etwas kratzfester sein.

Wahre Stärke zeigte der X-Trail in der getesteten 177-PS-Dieselversion. Das Aggregat ist eine Wucht. 380 Newtonmeter liegen ab 2000 Touren an und reißen das SUV regelrecht mit, ganz gleich ob auf der Bergstraße oder auf einer Autobahnsteigung, die der Zweiliter einfach nicht zu bemerken scheint. Dies prädestiniert ihn nicht nur zum Zug-, sondern auch zum ungemein souveränen Reisewagen mit akzeptablem Praxisverbrauch von 8,7 Litern. Dabei überzeugt er auch mit einem feinen Federungskomfort, während der X-Trail bei niederem Tempo durch straffes Abrollen deutlich macht, dass seine Federung bei Bedarf noch ganz andere Unebenheiten wegstecken könnte.

Im Winter konnt­e das ausgeklügelte „All-Mode“-Allradsystem zudem zeigen, was in ihm steckt. Es verteilt die Kraft in Sekundenbruchteilen an das jeweils gripstärkste Antriebsrad an Vorder- oder Hinterachse. Die Einstellung „Lock“ steht für permanenten Allradantrieb. Speziell auf Schnee zeigt sich der permanente Antrieb als auffallend spurstabil und souverän beim Anfahren. So lassen wir den X-Trail ungern ziehen. Einer Beziehung über Jahre stünde jedenfalls nichts im Wege – zumal Nissan-Händler derzeit mit einem Sensationseinstiegspreis ab 21.790 Euro locken.




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