Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 18.08.2018


Test

Kleiner Swift als großer Spaßmacher

Was passiert, wenn 140 Turbogäule auf 970 Kilo treffen, zeigt der neue Suzuki Swift Sport. Zusammen mit einem fein abgestimmten Fahrwerk zeigt er, wie viel Fahrspaß und Technik für wenig Geld zu haben sind.

© Reinhard FellnerSportstreifen über Motorhaube und Heck lassen zusammen mit der Lackierung „Champion Yellow“ keine Zweifel am Charakter des Swift Sport.Foto: Fellner



Von Reinhard Fellner

Lans – Suzuki hat in den letzten Jahren technisch ein­e grundlegende Wandlung vollzogen. Stand einst Allradkompetenz vor technischer Finess­e, überraschen die Japaner spätestens seit der zweiten Generation des SX4 S-Cross mit spritzigen Motoren, knackig abgestimmten Fahrwerken und umfassender Sicherheitsausstattung. Auch innen herrscht modellübergreifend ein neuer, frischer Stil, der bei aller Preiswürdigkeit von ansprechender Qualität unterstrichen wird.

Der brandneue Suzuki Swift Sport verkörpert dies­e „Suzuk­i neu“ perfekt. Die Kombination klingt schon auf dem Papier verheißungsvoll. Wurde doch in die gelungene Neuauflage des Kleinwagenklassikers Swift der bekannt spritzige Turbo-Vierzylinder des S-Cross installiert und mit einem kurzwegigen Sechsganggetriebe gekoppelt. Da Suzuki die Karosserie des Sport zudem durch eine steifere Karosseriestruktur mit hochfesten Stählen um 80 Kilogramm abgespeckt hat, treffen bei diesem Modell ausgeschlafene 140 PS mit 230 Turbo-Newtonmetern auf gerade 973 Kilogramm. Ein Leistungsgewicht, das Erwartungen weckt.

Ein Druck auf den Startknopf, einige Meter und eine erste Kurve genügen, um festzustellen: Dies ist ein Spaßmacher ersten Ranges! Spontaner Antritt ohne Turboloch, sauberes Hinaufdrehen mit Punch ab 3000 Umdrehungen und freudiges Einlenken in jedes Eck.

Das Fahrwerk des Swift Sport führt uns wieder zurück zum Anfang des Artikels. Es ist ein Muster an Feinabstimmung. Straff, sportlich, direkt vermittelt es viel Gefühl ganz nah am Asphalt und bietet gleichzeitig in beispielhafter Weise noch relativ viel Restkomfort. Ingenieurskunst, Monroe-Stoßdämpfer, verstärkte Stabilisatoren und eigens für den Sport konstruierte Längslenker an der Hinterachse zeigen ihre Wirkung. Schön abgestimmt auch die direkte Lenkung, die viel Gefühl für die Straße vermittelt, jedoch auch eine Knallerbse wie den Swift nicht nervös wirken lässt.

Erhöht man das Tempo, so lernt man die seitenhaltstarken Integralsitze schnell zu schätzen. Sie bieten zudem für einen sehr guten Langstrecken­komfort. Erst bei richtig scharfer Fahrweise merkt man, dass die Gäule des Sport zwar sehr gut im Futter stehen, aber dass es eben 140 und nicht 200 sind. Verglichen mit den allerschärfsten Vertretern dieser Liga, die aber schnell doppelt so teue­r sind, fällt speziell in längeren Kurven auch eine gewisse Leichtigkeit im Vorderbau auf – ohne dass die Traktion tatsächlich nachlässt.

Insgesamt sucht der Swift Sport nicht nach dem Extre­m, sondern nach alltagstauglicher Sportlichkeit. Eine Wohltat. Denn nichts nervt an so einem Racer-Dienstagmorgen auf dem Weg zur Arbeit mehr als knüppelharter Federungskomfort, zu enge Sitzschalen und fehlende Geräuschdämmung.

Da ist der Swift Sport weit weg davon und bietet anstattdessen eine Vollausstattung im Bereich Multimedia und Assistenzsystemen. Bedient wird alles über einen Sieben-Zoll-Schirm, leider fehlt ihm ein Drehknopf zur Laut­stärkenregelung – ein Unding, das leider derzeit bei einigen Marken um sich greift.

An Assistenzsystemen bietet der Swift praktisch alles auf, was derzeit erhältlich ist. Im Praxistest funktionierten der adaptive Tempomat und der Spurhalteassistenz auf der Autobahn vorzüglich.

Auch sonst geizt der Swift nicht mit Mitgift: Berganfahrhilfe, Rückfahrkamera, Klima­automatik, Sitzheizung, Keyless-Schlüsselsystem, Alu-Pedale – alles serien­mäßig! Dieses Paket macht den Swift Sport für 21.990 Euro zum Schnäppchen seines Segments. Mehr Vergnügen, Technik und Ausstattung gibt’s fürs Geld nicht.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbobenziner

Hubraum: 1373 ccm

Drehmoment: 230 Nm bei 2500 U/min

Leistung: 130 kW/140 PS

L/B/H: 3890/1735/1480 mm

Gewicht: 973/1445 kg

Kofferraumvolumen: 265–947 l

Tankinhalt: 37 l

Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h

0–100 km/h: 8,1 Sekunden

Verbrauch: 6,8 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Frontantrieb

Preis: (Sport) 21.990 Euro

CO2-Emission: 135 g/km




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