Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 18.08.2018


Test

Einfach für jede Eselei zu haben

Seit knapp drei Jahrzehnten kämpft der Mazda MX-5 gegen jegliche Form der Spaßbremserei – mit betörendem und berechtigtem Erfolg.

© HöschelerVerzichtet auf jegliches Übergewicht: der Mazda MX-5 als Sondermodell Takumi.



Von Markus Höscheler

Silz – 1989 war das Jahr der Revolutionen: Der Fall der Berliner Mauer ermöglichte den – inzwischen recht holprigen – Siegeszug der Demokratie in vormals kommunistisch geführten Ländern; Tim Burtons düstere Batman-Adaption ebnete in Hollywood den Weg für die bis heute anhaltende, nicht immer inspirierende Superhelden-Filmwelle; und Mazdas MX-5 demokratisierte das mobile Frischluftvergnügen in knappen Dimensionen. Konkurrenten versuchten sich auch an kleinen Cabrio-Modellen, viele wurden mittlerweile nachfolgerlos eingestellt.

Nicht so der MX-5: Der ist in vierter Generation auf unseren Straßen unterwegs, insgesamt konnte er mehr als eine Million Mal verkauft werden. Für ein Nischenprodukt ist dies erstaunlich – zumal der zweisitzige Roadster in vielen Belangen den Erfordernissen des Zeitgeists trotzt: hohe Sitzposition? Sicher nicht! Aufgeladene Motoren? Keinesfalls! Überbordende Fahrerassistenzsysteme als Vorstufe zum vollautonomen Fahren? Pustekuchen!

Der MX-5 erwartet viel Entgegenkommen von seinem Fahrer: Das Ein- und Aussteigen erfordert Gelenkigkeit aufgrund der tiefen Sitzposition, die beengten Verhältnisse regen die Kontaktaufnahme mit dem Diätassistenten an und der Kofferraum im Tupperware-Format verlangt nach gehobenen Packkünsten. Weitere Bequemlichkeitsdefizite begegnen uns mit der schwergängigen Lenkung und dem Fehlen einer elektrischen Bedienung für das kleine Stoffverdeck.

Ein Esel und 130 Pferde: Der Mazda MX-5 lockt Neugierige an, in diesem Fall auch zahme, vierbeinige.
- Höscheler

Mazdas Roadster fährt sich zwar leichtfüßig, aber er verlangt nach aktivem Fahren: Das Lenkrad arbeitet höchst präzise und arbeitet mit großzügiger Rückmeldung; der Sechsganghandschalter lockt mit kurzen Schaltwegen; das Dach benötigt zwei, drei beherzte Handgriffe bis zur vollständigen Versenkung hinter dem Windschott. Im Gegenzug belohnt der MX-5 mit außergewöhnlichen Fahreindrücken, erfreut mit Open-Air-Feeling und empfiehlt sich für freudvolle Kurvenfahrten. Die ausgewogene Gewichtverteilung (im Verhältnis 50:50 Vorderachse zu Hinterachse), die sportliche Fahrwerksabstimmung lädt zu asphaltierten Alpin-Touren ein.

Allzu forsch kann es der MX-5 dabei allerdings nicht angehen, denn dem 130 PS starken 1,5-Liter-Vierzylinder-Benzin fehlt dabei ein hohes Drehmoment begünstigender Turbolader. Insofern sind bei zügigen Überholmanövern sehr hohe Drehzahlen nahegelegt – dabei legt der Ottomotor sein gemütliches Temperament beiseite. Das belegt der Sprintwert von 8,3 Sekunden, den der MX-5 beim Beschleunigen von null auf 100 km/h erzielt. Und dabei verhält sich das Aggregat maßvoll revolutionär: 6,3 l Durchschnittsverbrauch je 100 km.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Benziner

Hubraum: 1496 ccm

Drehmoment: 150 Nm bei 4800 U/min

Leistung: 96 kW/130 PS

L/B/H: 3915/1735/1225 mm

Gewicht: 1090 kg

Kofferraumvolumen: 130 l

Tankinhalt: 45 l

Höchstgeschwindigkeit: 204 km/h

0–100 km/h: 8,3 Sekunden

Verbrauch: 6,3 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Hinterradantrieb

Preis: 32.590 Euro

CO2-Emission: 139 g/km




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