Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.08.2018


Test

Wenn sogar die Löwen schnurren

Die Mittelklasse ist eine feine, aber ihre Bedeutung ist im Schwinden begriffen. Peugeot legt mit der neuen 508-Generation dennoch einen glanzvollen Auftritt im absteigenden Segment hin.

© HöschelerStattlich und modern: der Peugeot 508, versehen mit einer Länge von 4,75 Metern.



Von Markus Höscheler

Ellbögen – Sparen wir uns an dieser Stelle die ausführliche Beschreibung des schon mehrfach erwähnten Flexibilitätsvorteils der Groupe-PSA-Plattform EMP2. Sie dient neuerdings auch dem Mittelklasse-Ableger 508 – insofern ist der Design- und Technologiesprung gegenüber dem Vorgänger-Modell ein außerordentlich großer. Dabei war dieses schon ein ordentliches Auto – gegen die Frische und die Technologie des Neuen kann aber der Alte nichts mehr ausrichten. Wer Platz nimmt auf der Fahrerseite, dem leuchtet des volldigitale Instrumentarium entgegen, das über dem absichtlich klein gebauten Lenkrad positioniert ist. Das mag nicht jedem 508-Interessenten passen, wir allerdings fühlten uns auf Anhieb wohl. Das liegt nicht nur, aber auch am hochwertig gestalteten, fahrerorientiert ausgerichteten Cockpit – großzügig fällt zum Beispiel auch der Touchscreen des Infotainmentsystems aus, es besticht mit seiner gestochen scharfen Darstellung. Die Bedienung ist okay, entweder über den berührungsempfindlichen Bildschirm oder über einige Direktwahltasten darunter oder über Bedieneinheiten am Volant. Nicht mehr zeitgemäß ist allerdings eine kleine Unsitte, nämlich das Ausbleiben der Memory-Funktion im Bereich des Audiostreamings. Das System kann sich nicht merken, an welcher Stelle beispielsweise ein Podcast oder ein Musikstück beim Fahrzeugstopp geendet hat – bei jedem Neustart des Fahrzeugs werden wir mit Radiomusik konfrontiert. Mit ein wenig Tastendrücken lässt sich diese Systemschwäche allerdings immerhin überbrücken.

Das ist nicht der Fall bei einem anderen schönen Einfall der zuständigen Designer. Optische Brillanz dürfen wir der geschwungenen Coupé-Dachlinie und den rahmenlosen Fensterscheiben attestieren. Die lassen sich jedoch nicht komplett im Türinnenraum versenken. Dafür lässt der 508 in der GT-Ausführung jede Menge mit sich machen. Bestückt mit einem 225 PS starken 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner und einer Achtgangautomatik verwöhnt die 4,75 Meter lange Coupé-Limousine mit zügigem Antritt, kraftvoller Beschleunigung und dem Verzicht auf manuelle Schaltvorgänge. Wer glaubt, es besser zu wissen und zu können, hat die Möglichkeit, mit feststehenden Schaltpaddles hinter dem Lenkrad die Übersetzung selbst zu wählen. Einigermaßen zurückhaltend verhält sich das Triebwerk beim Verbrauch – im Test benötigte es 6,9 Liter je 100 Kilometer, Benzin wohlgemerkt. Dem Fahrzeug kommt dabei nicht nur die aerodynamische Form zugute, sondern auch sein Leichtgewicht: 1420 kg.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbobenziner

Hubraum: 1598 ccm

Drehmoment: 300 Nm bei 1900 U/min

Leistung: 165 kW/225 PS

L/B/H: 4750/1859/1403 mm

Gewicht: 1420/2000 kg

Kofferraumvolumen: 487 – 1537 l

Tankinhalt: 62 l

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

0 – 100 km/h: 7,3 Sekunden

Verbrauch: 6,9 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Vorderradantrieb

Preis (GT): ab 48.500 Euro

CO2-Emission: 131 g/km

Dabei hat der 508 das Sparen nicht als oberste Maxime ausgegeben: Die Raumverhältnisse innen sind ganz passabel, auch der Kofferraum kann sich von der Größe her sehen lassen: Das Volumen reicht von 487 bis 1537 Liter, damit lassen sich die wichtigsten Reise-Utensilien bestens verstauen.

Bekömmlich für lange Fahrten ist außerdem das adaptive Fahrwerk, das ab Werk beim GT-Höchstausstattungsniveau mitgeliefert wird. Hier zeigt sich die Wandlungsfähigkeit von EMP2 erstaunlicherweise noch einmal, denn einige andere Plattform-Derivate der Groupe PSA blieben uns mit einer eher strafferen Abstimmung in Erinnerung. Nicht so der 508, der vieles wegzubügeln vermag.

Niederschlag finden diese und andere technische Errungenschaften des neuen 508, wenig überraschend, im Preisgefüge. Für den 225 PS starken GT sind wenigstens 48.500 Euro einzukalkulieren. Schwächere Aggregate und eine reduzierte Ausstattung ermöglichen den Einstieg in die neue Löwen-Mittelklasse allerdings schon ab 34.150 Euro.




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