Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.10.2018


Test

Versteckt hat sich hier nur das SUV

Mit der AMG-63-S-Version des GLC rückt das Hochbautypische in den Hintergrund, stattdessen regieren supersportliche Fahrdynamik und Tuning-Expertise.

© HöschelerAuffallen um fast jeden Preis: Ausladende Trittbretter, matte Lackierung, rote Bremssättel und 21 Zoll große Alufelgen sowie ein mächtiger Kühlergrill sind einprägsame GLC-Komponenten.



Von Markus Höscheler

Rinn – Den betroffenen Aktienbesitzern dürfte es nicht so recht gepasst haben, als Daimler vor wenigen Tagen erneut eine Gewinnwarnung ausgeben musste – einige Analysten gingen via Handelsblatt scharf ins Gericht mit dem erfolgsverwöhnten Konzern, auch mit dessen Produktpolitik. Das erstaunt umso mehr, als zuvor genau diese als Hauptgrund dafür galt, dass die Schwaben im Premium-Segment die Führungsrolle wieder übernommen haben. Mehr als fünf Jahre lang erzielten die Stuttgarter einen Monatsabsatzrekord nach dem anderen. Und eigentlich hätte es so weitergehen sollen, denn die Pipeline mit neuen Massen- und Nischenmodellen ist proppenvoll, auch die Elektromobilität will im Hause, trotz einiger Verzögerung, vorangetrieben werden.

Davon ist beim AMG GLC 63 S jedoch noch nichts zu sehen. Auch wenn das Midsize-SUV in Bälde auch als Brennstoffzellenfahrzeug lieferbar sein soll, sind es vor allem konventionelle Verbrenner, die auf Kundenresonanz stoßen. Besonders begehrenswert, dennoch eine Rarität, ist der V8-Biturbobenziner mit vier Litern Hubraum, der in der S-Variante des 4,68 Meter langen Fahrzeugs 510 Pferde aufscheucht und zum vernehmbaren Wiehern bringt. Satte 700 Newtonmeter maximales Drehmoment stehen ab 1750 Touren zur Verfügung – so wird schon am Papier offensichtlich, dass mit dem GLC 63 S die Post abgeht. Diese Erwartungshaltung findet ihre Entsprechung im tatsächlichen Verhalten auf der Straße – wenngleich Mercedes-typischer Komfort hier auf der Strecke bleibt zugunsten eines supersportlichen Fahrerlebnisses, das eher – wohl nicht zufällig – an Formel 1 und DTM erinnert.

Keine vier Sekunden benötigt der Zweitonner für den Sprint von null auf 100 km/h, Schluss ist erst bei elektronisch abgeregelten 280 km/h. Das Aggregat reagiert via Gaspedal besonders empfindlich, auch die Neunstufenautomatik ist eher auf der nervösen Seite angesiedelt und wechselt selbst im Comfort-Modus die Gänge mit wahrnehmbaren Stößen. Sanftheit ist ihm nicht gegeben, aber sie kann ja nicht beabsichtigt gewesen sein angesichts seines optischen Auftritts: 21-Zoll-Alufelgen füllen die Radhäuser mitsamt Niederquerschnittsreifen aus, üppige Trittbretter heben sich von der ohnehin schon auffälligen grauen Matt-Lackierung ab. Rote Bremssättel machen ebenso auf sich aufmerksam wie der wuchtige Kühlergrill mit den vertikalen Streben und dem mittig platzierten Logo. Des Weiteren fügen sich große untere Lufteinlässe mit Reliefschnitt hinzu.

Seiner groben Natur zum Trotz lässt der Mercedes-AMG GLC 63 S innen den Feinspitz heraushängen, verwöhnt mit elegantem Leder, mit extrem passgenauen Sportsitzen (AMG Performance), mit hohem Sicherheitsniveau und mit erstklassigem Komfort. Hier müssen wir das Burmester-Sound-System anführen, das Panorama-Schiebedach, das hochauflösende Head-up-Display, das adaptive LED Intelligent Light und die Sitzheizung im Fond. Die Extras sind wie die hohe NoVA (31 Prozent) verantwortlich dafür, dass der Testwagen einen Wert von 158.570,75 Euro hat. Sicher, man könnte sich manch Unnützes sparen, etwa die Trittbretter (490 Euro) – sie sind beim Ein- und Aussteigen bei aller optischen Finesse eher hinderlich. Doch solche Streichmaßnahmen würden nichts daran ändern, dass ein hoher sechsstelliger Betrag bei der Anschaffung fällig wird. Dafür gibt es einen hochgezüchteten (für ein SUV niedrig gebauten) Supersportwagen aus dem Hause Mercedes.

Die Technik

Motor: Achtzylinder-Turbobenziner

Hubraum: 3982 ccm

Drehmoment: 700 Nm bei 1750 U/min

Leistung: 375 kW/510 PS

L/B/H: 4679/1931/1625mm

Gewicht: 2010/2580 kg

Kofferraumvolumen: 550 – 1600 l

Tankinhalt: 66 l

Höchstgeschwindigkeit: 280 km/h

0–100 km/h: 3,8 Sekunden

Verbrauch: 14,1 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 158.570,75 Euro

CO2-Emission: 244 g/km




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