Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.10.2018


Test

Jede Menge Fiesta mit den drei Zylindern

Mit dem neuen Fiesta peppte Ford auch seine sportliche ST-Version auf – mit 200 PS und einem Fahrmodus für die Rennstrecke.

© Hochschwarzer



Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Er kommt aus Köln und hört sich stark an, ist ebenfalls sportlich wie der dortige FC, aber weniger rot-weiß: Mit blau-schimmernder Metallic/Mica-Lackierung steht er da, der Ford Fiesta ST 1,5 EcoBoost als Testfahrzeug. Das „ST“-Emblem auf dem Kühlergrill verspricht Unterschiede, der erste Blick beweist’s: Er ist kein herkömmlicher Kleinwagen, sondern eine „Fahrspaßmaschine“ (ab 23.350 Euro) – verspricht zumindest das Prospekt.

200 PS stecken unter der Haube, die von drei Zylindern mit insgesamt 1,5 Litern Hubraum kommen. Aber nicht immer. Wird die volle Leistung nicht benötigt, unterbricht die Motorsteuerung die Kraftstoffzufuhr zu einem Zylinder und schaltet ihn ab. Und umgekehrt, wenn nötig. Wer das Gaspedal drückt, merkt dennoch nichts davon. Außer womöglich an der Zapfsäule. Bis zu 11 Prozent weniger Verbrauch als der Vorgänger, sagt Ford. Im Spaßmodus schaut man über die Anzeige des aktuellen Verbrauchs aber schon mal hinweg. An die Zahlen als Schaltempfehlung lässt es sich eher halten.

Weghören fällt hingegen schwer. Der Motorklang wird elektronisch verstärkt. Wer an der Ampel ein nervöses Füßchen hat, zieht durchaus Blicke auf sich. Lossprinten kann er dann auch – in 6,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Recaro-Sportsitze vorne machen also Sinn, für Kinder weniger (Sitzerhöhungen wackeln). Für die ist in der hinteren Reihe Platz, im dreitürigen Coupé allerdings kaum. Schönheit muss eben manchmal leiden oder man entscheidet sich doch für den Fünftürer-ST (für 500 Euro mehr).

Gespielt werden darf vorne aber schon. Per Tastendruck lassen sich in der Mittelkonsole drei Fahrdynamik-Programme auswählen: „Normal“, „Sport“ oder „Rennstrecke“ – von der „zivilen“ Einstellung mit aktiviertem ESP (das auch gesondert geschaltet werden kann) und Traktionskontrolle über die „spitzere“ Variante mit direkteren Reaktionen auf Gaspedalbefehle und Lenkung bis hin zum Rennmodus, bei dem alles auf schnelle Rundenzeiten ausgelegt ist – selbst die Auspuffanlage röhrt mehr.

Jetzt bräuchte es nur noch eine Rennstrecke, nicht bloß Curbs wie auf der Möserer Straße. Zumindest ansatzweise lässt es sich im Bereich des Erlaubten spüren, was noch im Fiesta ST steckt – etwa auch die von Ford patentierte Vectoring-Technologie an der Hinterachse für besseres Einlenkverhalten und agilere Richtungswechsel.

In Sachen Serienausstattung sticht er Rennautos jedenfalls aus. Fazit oder wie Ford-Performance-Direktor Leo Roeks sagt: „Der Fiesta ST spricht die Sprache echter ,Petrol Heads‘.“




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