Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.11.2018


Test

Französische DS-Evolution

DS heißt die neue Premium-Zauberformel des französischen PSA-Konzerns. Mit der legendären Citroën-Göttin als Markenpatin steht der DS7 Crossback für anspruchsvolle Technologie und Qualität in Material und Design.

© Reinhard FellnerEin stolzer Kühlergrill mit dem Markensymbol trifft beim DS7 auf extravagantes SUV-Design.



Von Reinhard Fellner

Patsch – An der Aufgabe, eine Premiummarke neu zu positionieren, sind schon viele Konzerne gescheitert. Dem PSA-Konzern ist dies nun gelungen. Geholfen hat dabei der chinesische Markt, auf dem vor Jahren fast alle Konkurrenten bei null anfangen mussten. Und da konnte sich DS inmitten anderer Premium-Marken positionieren.

DS? Mittlerweile streng getrennt von Peugeot und Citroën, wurde DS zur Premium-Marke des Konzerns erhoben. Opel kreist dabei als deutscher Satellit um PSA. Der technische Fortschritt und die Avantgarde des legendären Citroën DS (La Déesse = die Göttin) dienen als Namensgeber der erklärten französischen Top-Marke. Nach ersten Modellen gilt nun der neue DS7 Crossback konzernintern als zweite Entwicklungsgeneration der jungen Marke. Vorab: DS hat sich mit diesem Modell gefunden. Erstaunlich, welche Präsenz dieses 4,5-Meter-SUV schon von außen hat. Das extravagante Design des SUV präsentiert sich als gestalterisches Kunstwerk. Detailverliebt und auffallend und dennoch von ästhetischer Klarheit. Dafür breite Spur und perfekte Proportionen – der DS füllt Straßen nicht, er schmückt sie.

Die Philosophie der Marke wird trotzdem erst so richtig im Innenraum und beim Fahren deutlich. Und da heißt es aufgepasst – auch für die deutsche Konkurrenz. So tut sich innen eine Welt des Komforts, der Modernität und Qualität auf. In der getesteten Opera-Version verwöhnt der DS7 mit feinsten Ledersitzen, feiner Sitzposition und durchwegs ausgesuchten Materialien. Das Design ist futuristisch, jedoch ohne gröbere funktionale Mängel. Jeweils 12 Zoll große Bildschirme informieren hinter dem Lenkrad und am Armaturenbrett in glasklarer Qualität. Startet man, fährt eine analoge Uhr hoch, will man den Bildschirm bedienen, kann man die Hand lässig am formschönen Wahlhebel des Achtgang-Automatikgetriebes abstützen. Selten im Premium-Segment: Ablagen gibt es sonder Zahl, dazu induktives Handy-Laden.

Das hat schon alles was – das ist erlebbarer Luxus, zumal auch die Platzverhältnisse des SUV eine gewisse Großzügigkeit entfalten. Viel Platz auch hinten, wo die ebene Ladefläche bei Bedarf 1750 Liter Ladevolumen freigibt, die Neigung der Rücklehne ist elektrisch zu verstellen.

Dann die Starttaste. Der bekannt gute 180-PS-Diesel des PSA-Konzerns springt an und klingt gleich viel leiser als bei Schwestermodellen. Schon auf den ersten Metern fühlt man sich wie in Watte gehüllt – und das hat beim DS7 gleich mehrere Gründe.

Im Innenraum zeigt der DS überhaupt große Klasse an Gestaltung und Material.
- Reinhard Fellner

So haben die Franzosen – erfolgreich – größten Wert auf Geräuschdämmung gelegt. Dazu kommt das Fahrwerk des Crossback in Richtung Komfort schon an das göttliche Vorbild heran. So war im getesteten 180-PS-Diesel in der „so chic“-Version der so genannte DS Sesoral-Drive serienmäßig an Bord. Dabei scannt ein Kamerasystem die vorausliegende Fahrbahn und stellt darauf die adaptiven Dämpfer blitzschnell ein.

Dies funktioniert im Alltag bestens. Erst recht, wenn man die Fahrmodi Comfort oder Eco wählt. In diesen wogt der DS wie in alten Tagen und vermittelt zusammen mit spätem Hochschalten absolutes Entspannungspotenzial im Alltag. Irgendwann fängt man, an das Auto dafür zu lieben, und lächelt nur noch über den Sportmodus, der zwar Ansprechverhalten und Geräusch schärft, jedoch im DS7 fast deplatziert wirkt.

Ein Sportler will der DS ohnehin nicht sein und zeigt sich lieber als Oase des Komforts. Schnell will er einzig auf der Autobahn sein und kommt dort auch schnell zum Stillstand. Kurvenrasen und allzu abruptes Beschleunigen werden jedoch mit Untersteuern und Unruhe an der Vorderachse bestraft. Der an sich traktionsstarke Frontantrieb erhält nämlich erst über die kommende Hybridversion eine Allrad-Ergänzung.

Herausragend und auf Oberklasseniveau: die Assistenzsysteme mitsamt Nachtsichtradar. Dabei zeigt der DS nächtens Fußgänger am Straßenrand und warnt. Die Kür im Testwagen war zum Schluss die hervorragende Motor/Getriebekombination. So verteilt das Achtgang-Getriebe die 400 Newtonmeter nahezu perfekt. Spaß machen dabei die Schaltwippen am Lenkrad. Der Verbrauch des sauberen Euro 6d-Temp-Diesels blieb im Test dennoch bei gerade einmal 7,3 Litern.

Mit 33.190 Euro startet der 130-PS-Benziner, unser 180-PS-Diesel kostet 9900 Euro mehr. In Tirol steht der DS-Service in Innsbruck bereit. Acht Jahre begleiten den Käufer DS-Rundum-Assistenzen.




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