Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.11.2018


Test

Im BMW X5 steckt ein Stück Tirol

Bei BMWs heurigem Winter Technic Drive im Sölder Gletschergebiet gab es vier Hauptdarsteller: Kälte, Allrad, den neuen X5 und das schneetaugliche 8er-Coupé.

© BMWZweimal BMW X5 am Gletscher in Sölden: Dank Differenzialsperre an der Hinterachse einmal dynamisch im Drift ...



Von Reinhard Fellner

Sölden – Der Rettenbachferner gibt dem Winter-Technic-Drive-Programm von BMW alljährlich die perfekte Kulisse, um auf abgesperrten Strecken die Fähigkeiten des ausgefuchsten xDrive-Allradantriebs zu demonstrieren. Der Weltpresse, Händlern und Kunden stehen dafür Driftplätze, abgesperrte Bergstrecken und verschneite Parcours mit extremen Steigungen zur Verfügung. Hier demonstrieren die Bayern Fähigkeiten ihrer Allradmodelle, die der Kunde in der Praxis wohl nur ganz selten abrufen muss. Mit offenem Mund staunen darf man ja trotzdem – und vor allem selbst ausprobieren.

Das reine Allradthema trat diese Woche aber in den Hintergrund. Zu groß war das heurige Staraufgebot. So scharrten der brandneue BMW X5 und das 8er Coupé im Schnee. Ein Sportwagen im Schnee? Warum nicht. Auch das bildschöne Coupé verteilt seine Kräfte nämlich über xDrive – und wie. Mittels ausgeklügeltster Fahrwerkstechnik, optimaler Gewichtsverteilung und hellwacher Elektronik haben die BMW-Ingenieure dem 8er unglaublich viel Dynamik in die Federbeine gezaubert. Der 8er durchzirkelt Kurven wie ein S-Works-Mini – freilich in der Art und beim Leistungspotential eines echten Sportwagens. Das macht richtig Spaß – ein M8 steht übrigens bereits 2019 an. Mit 600 PS aus einem V8-Biturbo wird er das Potential des 8er-Fahrwerks endgültig ausloten können.

Wie man selbst ein Traumauto noch in den Schatten stellen kann, bewies jedoch der neue X5. Das Fullsize-SUV hat nicht nur optisch Präsenz und Eleganz, sondern unter anderem auch am Radstand. Generöse Platzverhältnisse sind die Folge. Dazu sah sich BMW dem Premiumanspruch verpflichtet und hob das Qualitätsniveau des Interieurs nahe an den 7er. Schöne Detaillösungen wie ein optionaler Ganghebel, Controller und Start&Stopp-Knopf aus Kristallglas versprühen gediegene Exklusivität. Die Glaskomponenten kommen übrigens von Swarovski aus Tirol.

... oder per Bergabfahrassistent durch steilste Schneewege.
- Reinhard Fellner

BMW hat jedoch nicht vergessen, dass ein SUV auch praktische Bedürfnisse umfassend befriedigen sollte. Hier öffnet eine zweigeteilt öffnende Heckklappe 650 bis 1870 Liter Stauraum. Optional öffnet auch der untere Teil elektrisch – immerhin trägt er beim Picknik die Last von 250 Kilogramm. Durchdacht auch das optionale Gepäcksystem, das bei Fahrtantritt oder bei Parken in einer Steigung aus Alu-Schienen am Gepäckraumboden Kunststoffelemente hochfährt, die das Verrutschen der Ladung verhindern. Für den neuen X5 sicher eine gute Investition. Bei der Fahrdynamik stellt er seine ohnehin schon dynamischen Vorgänger nun klar in den Schatten und rittert nun unverhohlen mit dem Porsche Cayenne um die Krone des sportlichsten Fullsize-SUV. So wird die Verteilung des Antriebsmoments zwischen Vorder- und Hinterachse nun noch präziser in Richtung hinterradbetonter Abstimmung gesteuert. Wählt man die MSport-Ausstattung oder das Offroad-Paket, wird die geradezu sportliche Charakteristik noch von einer Differenzialsperre im Hinterachsgetriebe unterstützt.

Das Ergebnis ist in der Tat beeindruckend. Sowohl die kurvige Anfahrt auf den Rettenbachferner als auch auf Schnee gesteckte Slaloms bewältigt der X5 in sportwagengemäßer Manier. Der Fahrer kann dabei wählen, ob er dies bei voller, eingeschränkter oder ausgeschalteter Traktionskontrolle (Allrad-Drifts) erledigt. An Traktion fehlt es dem Bayern jedenfalls nie. Spezielle Winter-Stollenreifen oder Alufelgen bis 22 Zoll werden im Angebot sein. Letzteres vielleicht nicht die optimale Wahl, sollte man sich für das nun erstmals angebotene Offroad-Paket interessieren. Vier Fahrmodi unterscheiden mitsamt Luftfederung zwischen Schnee, Schotter, Fels und Sand. Das System war noch nicht verfügbar, aber BMW-Productmanager Marco Möller beschrieb es nach den absolvierten Tests so: „Der X5 ist damit richtig gut im Gelände und verfügt über unsagbare Offroad-Fähigkeiten – er kann nun wesentlich mehr, als die meisten Menschen jemals abrufen würden.“

Nun gut. Schön, wenn man’s hat – und in Tirol kann so etwas ja ohnehin niemals eine Fehlinvestition sein. Wen(n)’s noch interessiert: Der X5 ist das erste BMW-Modell mit dem Multimedia-Betriebssystem 7.0. Dazu sind alle Assistenzsysteme am letzten Stand.




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