Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.12.2018


Bentley Continental GT

Nobel für den Winter gerüstet

Am Arlberg erprobte die Tiroler Tageszeitung erstmals die neue Generation des Bentley Continental GT auf Schnee und Eis.

Ein Coupe für alle Jahreszeiten: Allradantrieb, ein W12-Turbobenziner und eine Achtstufen-Doppelkupplung garantieren beim Continental GT Fahrerlebnisse auf höchstem Niveau.

© HöschelerEin Coupe für alle Jahreszeiten: Allradantrieb, ein W12-Turbobenziner und eine Achtstufen-Doppelkupplung garantieren beim Continental GT Fahrerlebnisse auf höchstem Niveau.



Von Markus Höscheler

Lech – In Tirol hat sich der Continental GT der neuesten Generation schon ausgetobt, und zwar im Spätfrühling dieses Jahres im Rahmen einer internationalen Fahrpräsentation und rund um die Kitzbüheler Alpenrallye. Nun ist die Bentley-Truppe zurückgekehrt ins Alpengebiet, nahm aber Quartier im benachbarten Vorarlberg, genauer in Lech. Der noble Wintersportort fungiert als Auftakt einer mehrere Monate währenden „Bentley Winter Tour“, die auch in die Schweiz und nach Frankreich führt, um die Vorzüge des neuen Luxuscoupés auch auf Schnee und Eis zu demonstrieren. Die TT hatte zu Beginn dieser Woche Gelegenheit, den Neuling bei Schneefall auszuprobieren. Erwartungsgemäß machte das 4,85 Meter lange Modell schon im Stand eine bezaubernde Figur. Das liegt am formschönen Karosserieverlauf, am ausladenden Maschendraht-Kühlergrill, an den wohlproportionierten Rundleuchten, an den ausgestellten Radhäusern und am interessanten Heckabschluss. 21-Zöller füllen die Radkästen auf, die gewählte orangefarbene Lackierung hebt sich wohltuend von der Schneelandschaft einerseits und vom Einheitsgrau vieler Pkw andererseits ab.

Das Hauptunterscheidungsmerkmal gegenüber den gängigen Volumenmodellen auf unseren Straßen befindet sich jedoch unter der lang gezogenen Motorhaube. Dort ist Platz genug für einen W12-Benziner mit sechs Litern Hubraum und doppelter Aufladung. Das Aggregat, ein gerne benütztes im Bentley-Sortiment, kann sich mit 635 PS behaupten und ein maximales Drehmoment von 900 Newtonmetern entwickeln. Dank der Architektur (zwei Turbolader) ist das Nm-Plateau bereits ab 1350 Umdrehungen/Minute erreicht, also quasi knapp über dem Drehzahlkeller. Insofern hat der Ottomotor ein leichtes Spiel, um die eigentlich recht schwere Fuhre – 2,25 Tonnen Eigengewicht – mit Schub zu versorgen. 3,7 Sekunden vergehen bei durchgedrücktem Gaspedal und idealen Fahrbedingungen, bis der Continental GT von null auf 100 km/h beschleunigt hat. Bis zu 333 km/h schnell kann der 2+2-Sitzer werden, beim Vortrieb behilflich sind eine Achtstufen-Doppelkupplung und ein leicht heckbetont ausgelegter, permanenter Allradantrieb. Zankapfel unter Bentley-Kennern ist dabei nicht die traktionssichernde Kraftableitung auf beide Achsen, sondern die gewählte Automatik: Traditionalisten hätten lieber einen Wandler bevorzugt – unser Eindruck ist jedoch, dass die Doppelkupplung recht stimmig zum Naturell des dynamisch ausgelegten Continental GT passt. Die Stufenwahl stimmt zumeist, die Wechsel erfolgen rasch und mit einem hohen Maß an Komfort.

Dem Komfort hat sich Bent­ley ohnehin von Haus aus verschrieben, auch beim neuen Continental GT kommt dieser Anspruch nicht zu kurz. Allerdings darf hier wieder eine neue Technologie zum Einsatz kommen, nämlich ein 48-Volt-Bordnetz, dass die Wankstabilisierung unterstützt. Unser Eindruck auf Schneefahrbahnen in Arlberg­nähe: sehr souverän.

Während der Continental GT antriebstechnisch in Summe eher auf eine Evolution als auf eine Revolution setzt, ist im Innenraum etwas anderes geschehen. Hier hat sich ein völliger Umbruch vollzogen – und der war auch notwendig. Am meisten ins Auge fällt das neue Infotainmentsystem mit einem rotierenden Touchscreen auf der Mittelkonsole. Die Menüführung, die Smartphone-Anbindung und die Navigation sind hochwertiger und nutzerfreundlicher ausgelegt als früher. Das Luxus-Feeling ist jedoch dasselbe geblieben – war die Verarbeitung im Vorgänger schon erste Klasse, ist sie es im Nachfolger erneut. Eine Rarität wird er bleiben, vor allem wegen des hohen Einstiegspreises: ab 263.500 Euro.