Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Test

Lexus ES 300h: Ein Wechsel auf hohem Spielniveau

In der Oberklasse nimmt Lexus einen ungewöhnlichen Austausch vor: Anstelle des bisher eingesetzten GS mit Heckantrieb übernimmt der ES 300h mit Vorderradantrieb die Aufgabe, Kaufanreize zu setzen.

Ende März will Lexus bei uns mit den ersten Auslieferungen des ES 300h beginnen, angeboten wird das Oberklassemodell ab 52.900 Euro.

© HerstellerEnde März will Lexus bei uns mit den ersten Auslieferungen des ES 300h beginnen, angeboten wird das Oberklassemodell ab 52.900 Euro.



Von Markus Höscheler

Málaga – Er ist erfolgreich und dennoch nicht zu haben. Seit drei Jahrzehnten bietet Lexus den ES an, einen offiziellen Marktauftritt in West- und Mitteleuropa verwehrten die Japaner aber der Baureihe. Dem Absatz schadete dies bisher nicht, die ersten sechs Generationen verkauften sich weltweit 2,3 Millionen Mal. Damit lässt sich werben, zumal Lexus im Prinzip ein hochpreisiger Premium-Nischenanbieter aus dem Hause Toyota ist und nicht so sehr aufs Volumen schielt. Ein bisschen möchten die Asiaten aber ihre Präsenz auf dem Alten Kontinent ausdehnen – nur so ist der ungewöhnliche Schritt zu sehen, dass 30 Jahre nach der ersten Markteinführung der ES endlich mit dem Segen des Unternehmens diesseits des Atlantiks und westlich des Schwarzen Meers verkauft werden darf.

Die siebte Generation ist sozusagen auf dem Sprung, doch sie fordert ein Opfer: Der GS, für gewöhnlich ein heckgetriebenes Modell, fällt der ES-Offensive zum Opfer. Die Hybridtechnologie bleibt (wenngleich erneuert) im Grunde erhalten, nicht jedoch das Antriebskonzept im Großen: Denn beim ES müssen die Vorderräder die Kraft in Beschleunigung übersetzen. Zur Verfügung steht eine Systemleistung von 218 PS, die ein 2,5-Liter-Vierzylinder-Benziner und ein Elektromotor gemeinsam generieren. Damit beschleunigt das Modell in 8,9 Sekunden von null auf 100 km/h, als Höchsttempo sind 180 km/h ausgewiesen. In die Kraftübermittlung eingebunden ist eine stufenlos agierende CVT-Automatik mit all ihren Vor- und Nachteilen. Der Fahrer wird, so er will, von jeglichen Schaltaufgaben befreit; bei starken Beschleunigungsaufgaben (etwa in der Steigung) steigt allerdings der Schallpegel merklich an. Zwar haben sich die Techniker alle Mühe gegeben, den Innenraum weitgehend vor akustischen Belästigungen zu beschützen, manches aber dringt doch ans Ohr, wie erste Testfahrten im leicht gebirgigen Hinterland von Málaga in dieser Woche offenbarten.

Allerdings nahezu brillant fallen die Fahrwerksabstimmung (aufgrund ihres Komforts) und die Lenkung (wegen ihrer Präzision) aus. Ein langer Radstand und spezielle Dämpferlösungen tragen das Ihre dazu bei, dass die Fahrt in einem ES 300h eine gemütliche ist und bleibt.

Nicht gerade hinderlich sind in diesem Zusammenhang die Dimensionen: Der ES 300h knabbert mit einer Länge von 4975 Millimetern an der Fünf-Meter-Marke, außerdem ist er 1,87 Meter breit und 1,45 Meter hoch. Der Radstand beträgt 2,87 Meter, die Überhänge sind verhältnismäßig kurz – somit ergeben sich vorne wie hinten erstklassige Raumverhältnisse. Lediglich das Ladeabteil ist mit 454 Litern nicht allzu üppig ausgefallen, auch ein Umklappen der Rücksitzlehnen ist wegen des Einbaus von stabilisierenden Querstreben ein Ding der Unmöglichkeit. Immerhin: Eine Skidurchreiche soll es geben.

Der Normverbrauch von 4,4 bis 4,6 Litern je 100 Kilometer (CO2-Ausstoß: 100 bis 106 g/km) klingt ebenso herausfordernd wie die Preisliste. Diese beginnt bei 52.900 Euro. Dafür kann sich der Käufer die Ausstattung Business erwarten, die unter anderem ein Pano- ramaglasdach, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, ein Audiosystem mit zehn Lautsprechern, LED-Scheinwerfer, Rückfahrkamera, Parksensoren, einen adaptiven Tempomaten und ein acht Zoll großes Display umfasst. Executive, ab 58.200 Euro, hält mit Navigation, 18-Zöllern, „Smooth“-Ledersitzbezug, Windschutzscheibenheizung, Sitzheizung und -belüftung dagegen. F Sport, ab 62.500 Euro erhältlich, ist mit einem 12,3 Zoll großen Bildschirm samt Navigation gesegnet, außerdem mit einer Mark-Levinson-Soundanlage mit 17 Lautsprechern, Aluminium-Applikationen, einem Head-up-Display und F-Sport-Designelementen sowie 19-Zöllern. President, ab 67.200 Euro verfügbar, kann mit einem 360-Grad-Monitor, einer Sitzheizung hinten und einer Drei-Zonen-Klimautomatik auftrumpfen.




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