Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Test

Insignia GSi: Ein Alleskönner unter US-Obhut

Der Insignia GSi hat seinen Werdegang noch dem früheren amerikanischen Eigentümer General Motors zu verdanken. Der Ex-Eigner verdient grundsätzlich weniger Lob, die Sportlimousine aber sehr wohl.

Kaum aus der Ruhe zu bringen und doch sehr dynamisch: der Opel Insignia GSi Grand Sport.

© HöschelerKaum aus der Ruhe zu bringen und doch sehr dynamisch: der Opel Insignia GSi Grand Sport.



Von Markus Höscheler

Zürs — Lichte und finstere Zeiten brechen gleichzeitig für Opel an. Einerseits wird unter dem neuen Eigner Groupe PSA vieles verändert, nicht alles zum Guten, andererseits geht es endlich in Richtung nachhaltige Profitabilität. Deren anhaltendes Ausbleiben machte das frühere Mutterunternehmen General Motors immer verzagter, bis es die ungeliebte Tochter im Jahr 2017 endlich abstoßen konnte. Die Mutter, das muss man sagen, hat wirklich vieles falsch gemacht bei den Rüsselsheimern, aber nicht alles. Sie ließ die Opelaner etwa bei der Entwicklung der Mittelklasselimousine (und des zugehörigen Kombis) Insignia gewähren. Schon die erste Generation, gedacht als Nachfolger des Vectra, war ein Lichtblick. Noch viel mehr gilt dies für die zweite Generation, die seit dem Vorjahr um eine Spezialität reicher ist: den GSi. Der ist zwar nicht ganz so extrem dynamisch ausgelegt wie die OPC-Varianten, aber immer noch athletisch genug, um Dynamik und Restkomfort unter einen Hut zu bringen.

Nun mag sich das Segment der Mittelklasselimousinen hierzulande immer mehr zu einer Nische entwickeln, dennoch zeigt sich hier unverdrossen wahre Klasse. Dem Insignia ist schon bei den Basismodellen eine eindrucksvolle Formgebung zuzugestehen, die ihn unseres Erachtens attraktiver macht als etwa die erfolgreiche, aber langweilig anmutende Konkurrenz aus Wolfsburg. In besonderem Maße trifft dies auf die GSi-Variante des Insignia Grand Sport zu, die mit kecker Front und spannungsvollem Dachlinienschwung einen Hauch von Coupé ausstrahlt. Der Innenraum wartet mit hochwertigen Materialien auf, die tadellos verarbeitet sind. Das Instrumentarium verspricht Übersichtlichkeit, auch in Verbindung mit dem acht Zoll großen Fahrerinstrumentendisplay. Der mittig platzierte Touchscreen kann mit hoher Auflösung und leichter Bedienbarkeit aufwarten, das zugehörige Infotainmentsystem entpuppt sich als reichhaltig und problemfrei nutzbar.

Fürs Auge gedacht sind die GSi-adäquaten Heckspoiler, Seitenschweller und Stoßfänger außen sowie das OPC-Line-Sport-Paket-Interieur und die Aluminium-Sportpedale innen. Dem unwirtlichen Winter trotzen eine emsig arbeitende Zweizonen-Klimaautomatik, eine Sitzheizung und vor allem das IntelliLux-LED-Matrixlicht, das die Umgebung ausleuchtet. Dem Vorankommen dienen zudem ein hochauflösendes Head-up-Display, eine Frontkamera samt adaptivem Tempomaten und das Park&Go-Premiumpaket, das eine 360-Grad-Kamera, Parksensoren vorne wie hinten, einen Rückfahrassistenten und einen Totwinkelwarner enthält.

Die Sicherheitseinrichtung sind eine ideale Basis dafür, um die kurvendynamischen Talente des GSi auszuloten. Und die sind nicht knapp ausgefallen, nahezu perfekt scheint die Ausrichtung der Limousine zu sein — wobei ein Allradantrieb bei der Traktion behilflich ist. Der zeigt auf Schneefahrbahnen seine Wirkung, gleichermaßen auf trockener Straße — wenn der 260 PS starke Zweiliter-Turbobenzinmotor via wachsamer Achtgangautomatik gefordert wird. Eine direkt-präzise Lenkung und ein ausreichend straff abgestimmtes Fahrwerk ergänzen das Antriebsgespann auf stimmige Weise. Beim Testverbrauch von 9,9 l/100 km gibt es keine Überraschungen, ebenso wenig beim Preis: Inklusive Extras möchten Opel-Händler für den Testwagen 55.941 Euro haben. Das ist nicht wenig, wenngleich nicht unfair angesichts der Tatsache, es hier mit einem Alleskönner zu tun zu haben: Das Raumangebot ist großzügig, die Optik ansprechend, das Fahrverhalten großartig. Gut, dass GM den Werdegang des GSi nicht unterbunden hat. Schlecht, dass die Groupe PSA vorhat, zunehmend französische Plattformen für neue Opel-Produkte zu verwenden — das könnte einen Insignia der dritten Generation samt Spaßabteilung verunmöglichen. Bitter ist schon jetzt: Der GSi-Benziner flog aus dem Programm, es gibt nur noch einen GSi-Diesel mit 210 PS.




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