Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.02.2019


Test

Tarraco bezwang den Ritten

Seat ist im Höhenflug. Mit dem in Wolfsburg gebauten Fullsize-SUV Tarraco soll es so weitergehen. Vor Verkaufsstart ging es für den Geländegänger zur Bewährungsprobe.

Über Schneewege und Pistenabschnitte Richtung Rittner Horn. Das VW-Allradsystem letzter Generation macht das neue Seat-Flaggschiff zum Pistengerät mit scharfer SUV-Optik.

© Reinhard FellnerÜber Schneewege und Pistenabschnitte Richtung Rittner Horn. Das VW-Allradsystem letzter Generation macht das neue Seat-Flaggschiff zum Pistengerät mit scharfer SUV-Optik.



Von Reinhard Fellner

Barbian, St. Andrä – Seat hat unter der Ägide des Volkswagenkonzerns eine erstaunliche Karriere hingelegt. So hat sich der einst kleine spanische Hersteller zur Vollsortimentmarke mit drei SUV im Modellangebot gemausert. Das „auto emocion“ gilt weiter als Sinnspruch der bei Barcelona ansässigen Spanier. Zu sportlich abgestimmter Fahrwerkstechnik aus den VW-Regalen kommt eine frische Designbrise und Stilsicherheit, für die auch weltweit bekannte Modefirmen rund um die Stadt am Mittelmeer bekannt sind.

Nach fast schon unerwartet großen Verkaufserfolgen der SUV Arona und Ateca schiebt Seat mit dem Tarraco nicht nur sein neues Marken-Flaggschiff, sondern auch ein echtes Fullsize-SUV nach. Beim ersten Kennenlernen am Bozner Flughafen verwunderte es nicht, dass der 4,73 Meter lange Bruder des VW Tiguan Allspace und Skoda Kodiaq mit opulentem Raumangebot und gigantischen 760 Litern Laderaum empfing.

Dazu strich das Auge über die elegant-hochwertige Innenausstattung mit hochgesetztem Monitor. Eine schöne Umgebung, in der die TT Stunden verbringen sollte. Hatte sich Seat kurz vor Verkaufsstart doch noch einen letzten Härtetest für Motor-Journalisten ausgedacht.

Von Bozen auf den Ritten sollte es gehen, von der Talstation des Rittner Horns weiter auf tief verschneiten Waldwegen immer weiter Richtung Gipfel. Angepeilter Zielort: das im Winter von Skipisten umgebene Unterhornhaus auf 2044 Metern.

Falls der Tarraco dies schaffen würde, sollten noch Pistenparcours und eine kurvenreiche Sonderprüfung auf kurvenreichen Bergstraßen am Plan stehen. Also Automatik auf Position D und erst per Schaltwippen vergnüglich Richtung Ritten. Dabei fiel sofort die Kurvengier des äußerst sauber abgestimmten Fahrwerks auf. So sportlich, präzise und freudvoll fährt sich kaum ein SUV in dieser Größe. Felicitaciones, Seat! Dazu verleiht der lange Radstand von fast 2,8 Metern dem im VW-Stammwerk Wolfsburg montierten Spanier auf flott gefahrenen Geraden stoische Ruhe und ein gutes Stück Komfort.

Bald ab der Talstation des Rittner Horns hatten die Fahrmodi Straße und Sport aber erst einmal für länger Pause. Die Einstellung Eis und Schnee war angesagt und führte fortan neben dem Fahrer bei der Steuerung des Allradantriebs und des Motormanagements Regie. Steigung um Steigung, engste Biegungen im Schnee und Skipisten wurden so erklommen.

Zum Erstaunen mancher Kollegen, Skifahrern und Pistenbully-Lenkern trafen sich am Ende der Schnee-Erfahrung (Seat Snow Experience) dann tatsächlich 30 Spanier am Unterhornhaus.

Nur ein Kollege hatte dem Tarraco zu viel zugetraut. Ausweichen vom Forstweg in den weichen Tiefschneehang ist eben auch mit gefinkeltstem Allradantrieb nicht möglich. Ein Fall für Othmar – den Traktorfahrer. Dabei kann der Tarraco sogar selbst in vereisten Steigungen selbst kontrolliert zurückrollen.

Völlig zu Recht setzt Seat in den Tarraco große Hoffnungen. So zählt das SUV nicht nur im Auftritt zur Premium-Liga. Technik, Assistenzsysteme, Ausstattung – alles vom Feinsten. Dazu trumpft Seat weiter bei den Preisen auf. So will Seat Österreich im Feber ab 31.990 Euro (Allrad ab 41.590 Euro) starten. Der hat dann nicht nur einen E-Scooter, sondern auch Dinge wie Voll-LED-Scheinwerfer, 17-Zoll-LM-Felgen, komplettes Multimediapaket mit 8-Zoll-Schirm und 10,25-Zoll-Digitalinstrumenten und Assistenzen serienmäßig.

Zudem kommt der Tarraco mit fünf Jahren Garantie. Da darf die nächste Winter gern kommen. Tarraco-Eigner fahren direkt zum Lift.