Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.02.2019


Test

In der Mitte entspringt das Plus

Die hochgerüstete C-Klasse fährt sich handlich und leichtfüßig.

Dank 4Matic-Allradantrieb ist der C 220 bestens gewappnet für winterliche Fahrbedingungen.

© HöschelerDank 4Matic-Allradantrieb ist der C 220 bestens gewappnet für winterliche Fahrbedingungen.



Thaur – Heutzutage ist es schon ein wenig extravagant, sich einen Neuwagen in klassischer Limousinenform zuzulegen, erst recht in der arg bedrängten Mittelklasse. Rundherum sprießt das Angebot an Sport Utility Vehicles samt Crossover-Spielarten, das Kombi-Sortiment ist nicht zu schmal, das Großraumlimousinenoffert nimmt eher zu (von Kompaktvans einmal abgesehen) – und doch hält das Gros der Hersteller am Stufenheck fest, erst recht Mercedes-Benz. Die Schwaben haben die aktuelle C-Klasse-Generation optisch und technisch den größeren E- und S-Klassen angenähert, in überarbeiteter Form gilt das seit wenigen Monaten erst recht.

Beim Kennenlernen des C 220 d 4-Matic vor wenigen Wochen dachten wir sofort ans Oberklassesegment, so hochgerüstet war der Innenraum: Ein volldigitales Instrumentarium leuchtete den Insassen entgegen, die Darstellung war hochauflösend und farbenprächtig, zudem auch großzügig arrangiert – dank einer Bilddiagonale von 12,3 Zoll. Die Inhalte lassen sich individuell einstellen, sind jedoch, was die Tempoanzeige anbelangt, ganz klar vom Motor und dessen Handhabung abhängig. Hier hat Mercedes mit dem Zweiliter-Vierzylinder eine bedeutsame Entwicklung vollzogen, wenngleich wir dem 2,1-Liter-Vierzylinder-Vorgänger (OM 651) viele positive Seiten abgewinnen konnten. Seine Laufkultur war jedoch nicht immer überzeugend, beim Nachfolger-Selbstzünder hatten wir im Testwagen keine Mängel feststellen können. Im Gegenteil: Er hing gut am Gas, hat einen erstklassigen Durchzug, vergreift sich nicht im Ton und arbeitet harmonisch mit seinen zwei wichtigsten Partnern, der Neunstufenautomatik und der 4-Matic-Allradtechnik, zusammen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass das Equipment Spuren auf der Waage hinterlässt – der C 220 d 4-Matic kommt fast auf 1,7 Tonnen Eigengewicht. Dank 194 PS und 400 Newtonmetern maximalem Drehmoment geht gleichwohl die Post ab: In 6,9 Sekunden stürmt die 4,79 Meter lange Limousine von null auf 100 km/h, bis zu 233 km/h schnell kann sie sein. Beim Verbrauch hingegen zeigt sich schwäbische Genügsamkeit, mehr als 7,2 Liter je 100 Kilometer kam nicht heraus, trotz eher forcierter Fahrweise.

Der Sturm-und-Drang-Phase weniger dienlich ist jedoch die Einpreisung – und hier erinnert uns die Preisliste wiederum an die größeren Brüder. Für den Testwagen verlangt Mercedes nicht weniger als 65.520,44 Euro. Die Ausstattung, zugegeben, ist nobel – aber es fällt schwer, hier noch von einer Mittelklasse zu sprechen. (hösch)

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 1950 ccm

Drehmoment: 400 Nm bei 1600 U/min

Leistung: 143 kW

194 PS194 PS/L

B/H: 4793/1810/1442 mm

B/H: 4793/1810/1442 mm

Gewicht: 1665
2245 kg

Kofferraumvolumen: 455 l

Tankinhalt: 66 l

Höchstgeschwindigkeit: 233 km/h

0 — 100 km

h: 6,9 Sekunden

Verbrauch: 7,2 l

100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 65.520,44 Euro

CO2-Emission: 144 g/km