Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.03.2019


Test

Range Rover auf leisen Sohlen

Range Rover bietet für das Urmodell und den Sport nun Hybridantrieb an. Dieser erlaubt rein elektrisches Fahren und könnte für Pendler die stimmigste Variante sein.

Berge und Schnee: Hier ist der bis heute schicke Range Rover Sport als echter Geländewagen zu Hause. Die Luftfederung schafft Bodenfreiheit.

© Reinhard FellnerBerge und Schnee: Hier ist der bis heute schicke Range Rover Sport als echter Geländewagen zu Hause. Die Luftfederung schafft Bodenfreiheit.



Von Reinhard Fellner

Saalfelden – Ein Range Rover bewegt sich entweder in rauer Natur oder in den Nobelgegenden des urbanen Bereichs. So ist ein Range Rover im Innsbrucker Saggen nichts Besonderes – und trotzdem blieben Passanten vor dem TT-Testwagen teils verdutzt stehen. Rollte der mächtige P400e doch völlig lautlos an ihnen vorbei. Bei so einem Trumm von Geländewagen etwas Unerwartetes.

Ansonsten erlebt der Range-Rover-Lenker beim ersten Plug-in-Hybriden der Marke nichts Ungewöhnliches. Nach 732.000 verkauften Exemplaren in 14 Jahren blieb der Rangie seiner Bestimmung treu. So ist Land Rover einer der letzten Hersteller echter Geländewagen mit ernst zu nehmender Technik und dazugehörigen Kraxel-Talenten. Im Fall von Range Rover kommt noch eine luxuriöse Komponente dazu, deren Basis in Leder-, Material- und mittlerweile auch in Verarbeitungsqualität liegt. Range Rover vermittelt zudem durch eine fast einzigartige Sitzposition ein ganz eigenes Fahrgefühl. Es hat nie mit Dynamik, aber umso mehr mit großer Gelassenheit und Souveränität zu tun. Hoch und aufrecht gleitet man durch den Verkehr – „der Lord fährt fort“ trifft es wohl für Innensitzende und Außenstehende am besten.

Jetzt aber zum Hybridantrieb. Angeboten wird der Sport mit dem fulminanten und mächtigen Sechszylinder-Diesel (249/306 PS), als reiner 300-PS-Vierzylinder-Benziner und als Hybrid mit diesem Benziner plus einem 85-kW-Elektromotor (116 PS) – was insgesamt laut Land Rover eine Systemleistung von 404 PS ergibt. Die besteht, solange die 13-kWh-Hochspannungsbatterie über Ladungskapazität verfügt.

Und genau dahingehend sollte sich die Kaufentscheidung richten. Kann man den P400e nämlich zu Hause an der Wallbox und tagsüber in der Firma aufladen, geht das Konzept voll auf. Versprochene 51 Kilometer schmolzen im TT-Test zwar auf gut 35 Kilometer zusammen, dies reicht aber für die meisten Pendler locker. Diese können den 2,5-Tonnen-Geländewagen dann laut- und emissionslos bis in die Arbeit bewegen. Bis zu 137 km/h sind elektrisch möglich. Oder man nutzt den Strompunch zusätzlich zum 300-PS-Benziner, was trotz Vierzylinder ein leichtfüßiges Fahrgefühl ergibt. Auch der Verbrauch sinkt durch den zusätzlichen E-Schub auf Kompaktwagenniveau.

Schöne, neue E-Welt, zumal für den Plug-in-Hybriden genau null Prozent NoVA anfallen, was ihn kaum teurer macht als den reinen Benziner oder Basis-Diesel (249 PS). Wer jedoch nicht laden kann oder häufig lange Strecken fährt, für den ist der Diesel – vornehmlich das Traumaggregat mit 306 PS – weiter die erste Wahl. Nur er verbindet als Verbrenner sparsamen Verbrauch mit enorm mächtigem Antritt und Drehmoment satt in jeder Situation. Nicht, dass der Benziner für sich alleine schlecht wäre. Ein 300-PS-Vierzylinder tut sich mit so einem Geländewagen aber doch etwas schwer und klingt auch nicht ganz nach dieser Preisklasse.

Schön, wer da ab 88.700 Euro (SE) die Wahl hat.




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