Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.04.2019


Test

Jeep Wrangler: Jeder Schlammschlacht zugeneigt

Mit modernen Fahrerassistenzsystemen, überzeugendem Infotainment und einigen Komfort-Extras ist der Jeep Wrangler zwar bestückt – aber er bleibt gemacht für herausfordernde Aufgaben im Gelände.

Vertrauenswürdig: Mit der robusten Offroad-Technik lässt sich der Jeep Wrangler mühelos abseits befestigter Straßen bewegen, nötigenfalls auch mit Untersetzungsgetriebe.

© HöschelerVertrauenswürdig: Mit der robusten Offroad-Technik lässt sich der Jeep Wrangler mühelos abseits befestigter Straßen bewegen, nötigenfalls auch mit Untersetzungsgetriebe.



Von Markus Höscheler

Kartitsch – Was Mercedes bei der G-Klasse schon getan hat und Land Rover bei der nächsten Defender-Generation wohl tun wird, hat auch der Jeep Wrangler mit dem Modellwechsel hinter sich bringen müssen: ein technisches Update hinsichtlich Komfort und Sicherheit. Hier ist insbesondere die mittlere Ausstattungslinie Sahara vorbildlich unterwegs, verwöhnt uns mit einem 8,4 Zoll großen Touchscreen auf der Mittelkonsole, um beispielsweise die Navigation zu bedienen. Die Darstellung wirkt zwar leicht veraltet, die Zielführung jedoch funktioniert tadellos. Weitere Annehmlichkeiten sind das sieben Zoll große TFT-Display, das sich zwischen die beiden analogen Instrumente quetscht, LED-Scheinwerfer, Parksensoren rundum und eine Klimaautomatik. Hinzu gesellen sich Overland-Ledersitze und abgedunkelte Seitenscheiben hinten.

Die bekömmlichen Details täuschen allerdings nicht darüber hinweg, dass der Wrangler vor allem ein Arbeitstier ist oder zumindest sein kann. Seitlich angeschlagene Trittbretter, massive, recht kantig gehaltene Radhäuser, sichtbare Türscharniere, ein individuell gehaltener Verschlussmechanismus der Motorhaube und die zweigeteilte Hecktür geben direkte Hinweise auf die Bereitschaft, extreme Abenteuer zu bewältigen. Dass es sich hier um keine Show, sondern um ein Talent handelt, wird spätestens dann klar, wenn wir bereit sind, denn 200 PS starken Turbodiesel zu kitzeln – und mit ihm die Achtgangautomatik sowie die Allradkonfiguration samt aktivierbarer Untersetzung. Ausprobiert haben wir den Wrangler im Gebirge, funktionstüchtig erwies sich der Amerikaner auf alle Fälle. Ein heckseitig außen angeschlagenes Reserverad, eine erhöhte Bodenfreiheit, eine Wattiefe von 760 Millimetern sowie großzügige Böschungs- und Rampenwinkel machen den Geländewagen zu einem saisonübergreifenden Universalvehikel auf allen Belägen. Nebenbei: Auch auf Landstraßen und Autobahnen reicht der für Langstrecken gebotene Komfort aus. Sogar das Ladeabteil ist bei der fünftürigen Unlimited-Variante (immerhin 4,88 Meter lang) ausreichend groß für Gepäck, das über mehrere Wochen brauchbare Textilien bereitstellen soll.

Ein Mix aus analogen und digitalen Anzeigen schmückt das Armaturenbrett der neuen Wrangler-Generation.
Ein Mix aus analogen und digitalen Anzeigen schmückt das Armaturenbrett der neuen Wrangler-Generation.
- Höscheler

Was wir in den kalten Testwochen nicht ausprobieren wollten, dient sich jetzt im Frühling, spätestens im Sommer an: Das Hardtop kann mit einigen Handgriffen abgenommen werden, um ein Open-air-Erlebnis zu ermöglichen. Die Windschutzscheibe ist umklappbar, die Aluminiumtüren lassen sich ebenfalls entfernen.

Teile der hier angegebenen Ausstattungs-Elemente sind Serie, Teile – wie beheizbare Frontsitze oder das Overland-Paket mit 18-Zoll-Leichtmetallfelgen und Toter-Winkel-Objekterkennung – sind Extras, die zum Testwagenpreis von 77.715 Euro führen. Der Basis-Wrangler (als Dreitürer) ist dagegen in der Sport-Ausstattung ab 59.090 Euro lieferbar. Hier sind es dann allerdings Halogen-Scheinwerfer, die die Umgebung ausleuchten; ein kleinerer Touchscreen im Sieben-Zoll-Format; und Stoffsitze, die dem Fahrer und den Passagieren Platz bieten. Der Unlimited (also der Fünftürer) kostet wenigstens 63.790 Euro. Zusätzlich zum 200-PS-Turbodiesel bietet Jeep außerdem einen 272 PS starken Zweiliter-Turbobenziner an.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 2143 ccm

Drehmoment: 450 Nm bei 2000 U/min

Leistung: 147 kW/200 PS/L

B/H: 4882/1894/1828 mm

Gewicht: 2119/2585 kg

Kofferraumvolumen: 533—1044 l

Tankinhalt: 81 l

Höchstgeschwindigkeit: 177 km/h

0—100 km/h: 9,6 s

Verbrauch: 9,8 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 77.715 Euro

CO2-Emission: 202 g/km