Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.05.2019


Test

Peugeot 508: Topmodel am Laufsteg

Bei Peugeot haben schöne Autos Tradition. Der 508 verdreht als Coupé-Limousine aber trotzdem die Hälse von Passanten. Auch technisch spielt man in der oberen Liga.

Ausnahmeerscheinung: Der 508 erscheint wie ein viertüriges Coupé, bietet aber dennoch vollen Nutzwert.

© Reinhard FellnerAusnahmeerscheinung: Der 508 erscheint wie ein viertüriges Coupé, bietet aber dennoch vollen Nutzwert.



Von Reinhard Fellner

Lans – Peugeot hat spätestens seit der Einführung des zweiten 308 wieder einen richtig guten Lauf. Es scheint, als habe man 2013 mit der damit verbundenen Einführung des revolutionären i-Cockpits einen radikalen Wandel in der Entwicklung künftiger Modelle eingeleitet. Weg vom Einheitsbrei, hin zu gestalterischer Eleganz und technischer Finesse.

Der Modellwechsel in der Löwen-Mittelklasse zeigt die Strategie des PSA-Konzerns besonders gut. So präsentiert sich der neue 508 nicht mehr als gewöhnliche Limousine, sondern als viertüriges Coupé. Im Stil nahm man mit rahmenlosen Scheiben und einer riesigen Hatchback-Heckklappe Augenmaß bei deutschen Premiumvertretern. Im augenscheinlichen Ergebnis übertraf man jedoch die meisten Konkurrenten. So macht die atemberaubende Linie des 508 Straßen zum Laufsteg. Eine markante Front mündet über fließende Linien coupéartig in einem hocheleganten Heck – Chapeau! Das ist Design auf allerhöchstem Niveau. Und dies sehen offenbar auch Passanten ähnlich – schon lange nicht mehr herrschte so reges Interesse an einem der TT-Testwagen. Gestandene Männer verharrten vor dem Wagen oder wollten einfach einmal in den Innenraum schauen.

Gerne! Dort gibt es auch was zu sehen. So hat das i-Cockpit-Konzept in Umsetzung und Qualität mittlerweile einen Höhepunkt erreicht. Erfrischend das kleine Lenkrad, das schnell sportliche Gefühle und eine gewisse Lässigkeit aufkommen lässt. Darüber fällt der Blick auf die digitalen Instrumente, die einen netten Mix aus Detailverliebtheit und Ablesbarkeit bieten. Dazu lassen sich über verchromte Tasten und das Zehn-Zoll-Display sämtliche Fahrzeugfunktionen relativ rätselfrei bedienen. Die Smartphone-Koppelung über Apple CarPlay oder AndroidAuto gelingt perfekt.

Viel überraschender jedoch, dass die Coupé-Linie im Innenraum mit keinerlei Nachteilen verbunden ist. Ganz im Gegenteil. Der neue 508 bietet mehr Platz als der alte. Speziell hinten sitzt man unerwartet bequem, während vorne in der Version „GT-Line“ ausgezeichnete Sitze jede Reise verschönern. Über die große Heckklappe ergeben sich zudem 487 bis 1537 Liter Laderaum.

Nahezu perfekt präsentierte sich im Testwagen auch die Motor-Getriebe-Kombination. Tut uns leid, liebe Premiums, aber das kann keiner mehr besser. So waltet und schaltet die Achtgang-Automatik mit Umsicht, Schnelligkeit und ohne Anfahrschwäche. Der sämige 180-PS-Diesel gibt mitsamt 400 Newtonmetern bis zu 235 km/h den Idealpartner und verlangt nach kleinwagenmäßigen 6,6 Litern für 100 Kilometer. Das Fahrwerk kann man dazu auf die jeweilige Fahrsituation abstimmen. Kurze Stöße schätzt der 508 auch in „Comfort“ nicht, zum Gleiten ist er hingegen geradezu prädestiniert.

Wer häufig auf großer Fahrt ist, wird zudem das lückenlose Angebot von Assistenzsystemen schätzen. Anderen voraus hat der 508 einen (gut funktionierenden) Nachtsicht­assistenten. Ab monatlichen 229 Euro geht’s im Leasing los. 45.050 Euro in bar wären es für unser Topmodel.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Diesel

Hubraum: 1997 ccm

Drehmoment: 400 Nm bei 2000 U/min

Leistung: 130 kW/180 PS

L/B/H: 4750/1847/1404 mm

Gewicht: 1535/2040 kg

Kofferraumvolumen: 487—1537 l

Tankinhalt: 55 l

Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h

0—100 km/h: 8,3 Sekunden

Verbrauch: 6,6 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Frontantrieb

Preis: 45.050 Euro

CO2-Emission: 124 g/km