Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.06.2019


Test

Stilsicher unter Strom

Mit dem e-tron traut sich Audi kraftvoll ins Elektromobilitätszeitalter: Das 2,6-Tonnen-SUV beherrscht den raschen Antritt, verwöhnt mit überlegtem Interieur und übt sich im schnellen Laden.

Eine nahezu klassische SUV-Silhouette verbirgt innovative Technik: e-tron.

© HöschelerEine nahezu klassische SUV-Silhouette verbirgt innovative Technik: e-tron.



Von Markus Höscheler

Sellrain – Der Anfang ist geschafft: Audi hat sich jahrelang Kritik anhören müssen, kein reines Elektroauto anbieten zu können. Seit einigen Monaten ist das anders, und es geht nun, nach den Plänen der Ingolstädter, Schlag auf Schlag: Bis zum Jahr 2025 will das Management die Firma so weit bringen, das jedes zweite verkaufte Audi-Modell elektrifiziert sein wird. Den Grundstein dafür legt der so genannte e-tron.

Hierbei handelt es sich der Form nach um ein Oberklasse-Sport-Utility-Vehicle, das mit einer Länge von 4,9 Metern sich zwischen dem Q5 (Midsize) und dem Q7 einreiht. Wegen seiner coupé-ähnlichen Dachlinie kann er nicht ganz mit dem Raumangebot des Fünf-Meter-Flaggschiffs mithalten, brutto sind es dennoch mehr als 1,7 Kubikmeter, die im e-tron zur Nutzung zur Verfügung stehen.

Herzstück des Modells ist ein Elektromotoren-Duo, verbunden mit einem Lithium-Ionen-Akku – mit beeindruckenden Leistungsdaten. Die Aggregate leisten, zumindest für kurze Zeit, 408 PS und stemmen ein maximales Drehmoment von 664 Newtonmetern. Die Kraft wird über beide Achsen abgeleitet, somit wird ein Sprint von null auf 100 km/h in weniger als sechs Sekunden ermöglicht. Im TT-Test verzichteten wir zwar auf den Einsatz einer Stoppuhr, gefühlt ging es aber von der Kreuzung weg immer wieder zügig vom Fleck weg – wenngleich eine traditionsreiche, sportwagengerechte Komponente fehlte: die Akustik. Von den E-Aggregaten ist nämlich nicht einmal bei einer hohen Leistungsbeanspruchung etwas Nennenswertes zu hören. Stattdessen schlägt sich übermäßiger Kraftbedarf beim Reichweitenangebot verlustreich nieder: Wer den e-tron laufend tritt und bei Berg- und Talfahrten wenig pfleglich behandelt, wird die 95 Kilowattstunden schneller verbrauchen, als ihm lieb ist. Bei unseren Fahrten konnten wir dennoch mit rund 350 Kilometern je Ladung (das Auffüllen erfolgt an geeigneten Stromtankstellen verhältnismäßig rasch) rechnen – auch dank fleißiger Rekuperation beim Abwärtsfahren. Dort machte sich im Übrigen eine weitere Eigenschaft des Stromers bemerkbar: sein Gewicht. Immerhin haben wir es hier netto mit einem 2,6-Tonner zu tun, was sich beim Bremsen durchaus bemerkbar macht.

Recht synthetisch, auch im Sportmodus, arbeitet die Lenkung, das Fahrwerk hingegen arbeitet willig mit bei zügigen Richtungswechseln, traktionsfördernd agiert der technikbedingte Allradantrieb. Dafür sind wenigstens 82.000 Euro fällig – mit einigen namhaften Extras, etwa den empfehlenswerten Matrix-LED-Scheinwerfern, lässt sich rasch ein innovatives Investment in sechsstelliger Höhe daraus machen.




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