Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.06.2019


Test

Renault: Frischzellenkur für den Kadjar

Der Renault Kadjar versteht sich als stylisher Crossover mit Wohlfühlfaktor. Nach 450.000 Exemplaren kommen da neue Motoren und ein modernisierter Innenraum gerade recht.

Schwungvolles Design, kraftvoller Abschluss am Heck. Am Design des Kadjar war für Renault kaum etwas zu verbessern.

© Reinhard FellnerSchwungvolles Design, kraftvoller Abschluss am Heck. Am Design des Kadjar war für Renault kaum etwas zu verbessern.



Von Reinhard Fellner

Tramin – Das Segment der Kompakt- und Mittelklasse-SUV boomt weiter so stark, dass es bereits der dominierenden Kompaktklasse den Rang abläuft. Heißt für die Hersteller: Wer hier kein passendes Angebot anzubieten hat, ist praktisch raus aus dem Markt. Renault machte vor drei Jahren aus der Not eine Tugend und modellierte auf der technischen Basis des erfolgreichen Allianz-Bruders Nissan Qashqai den Kadjar. Ein Glücksgriff. Konnten die Franzosen von dem auffallend adrett geformten Crossover bislang doch knapp eine halbe Million Exemplare verkaufen. Nun war es für den Europa-Ableger des Qashqai Zeit für eine Modellpflege.

Wie meist, wenn der Grundentwurf eines Autos schlüssig ist, wurde am Blechkleid kaum etwas verändert. Dezente Modernisierungen von Anbauteilen und Scheinwerfern genügten. Dafür zog Renault im Innenraum und bei der Technik ganz andere Register. So präsentiert sich das Großzügige und wohnliche Interieur nun mit einem Sieben-Zoll-Multimediabildschirm, der die Koppelung an Smartphones aller Systeme reibungslos umsetzt. Auch sonst läuft im Kadjar so ziemlich alles leichtgängig und selbsterklärend. Ein herrlich angenehmes Auto, das sich nicht allzusehr in den Vordergrund spielt und die Bedürfnisse des Alltags perfekt abdeckt. So genießt man als Kadjar-Pilot auf fernreisetauglichen Sitzen eine feine Sitzposition und die konstruktionsbedingte Übersicht eines SUV. Assistenzsysteme, wie ein Spurhaltewarner oder Straßenschilderkennung mit Geschwindigkeitserkennung, bringen Übersicht auch im Straßenverkehr. Dort bewegte sich unser Testwagen leichtfüßig und souverän zugleich. Kein Wunder. Rollte er doch mit dem brandneuen 160-PS-Benziner in seiner kräftigsten Version zu uns. Ein herrliches Aggregat, das so auch bei Nissan und Mercedes Dienst tut. Laufruhig, kraftvoll, drehfreudig und sparsam (7,4 Liter Super im Test) zugleich zählt es derzeit zu den besten am Markt. Der gleiche Motor wird übrigens für 1200 Euro weniger auch in einer 140-PS-Version angeboten.

Wer will, kann das Aggregat auch für 2100 Euro Aufpreis mit einer Siebengang-Doppelkupplungsautomatik kombinieren. Sie überzeugte im Test in der Stadt und beim Gleiten, schätzt aber abruptes Gasgeben nicht. Um ein feines Auto handelt es sich beim Kadjar aber so und so. Und zwar schon ab 22.890 Euro.

Großzügige Raumverhältnisse und einfache Bedienung kennzeichnen das Leben im Kadjar. Neu: Der Sieben-Zoll-Berührungsbildschirm.
Großzügige Raumverhältnisse und einfache Bedienung kennzeichnen das Leben im Kadjar. Neu: Der Sieben-Zoll-Berührungsbildschirm.
- Reinhard Fellner

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbobenziner

Hubraum: 1332 ccm

Drehmoment: 240 Nm bei 1750 U/min

Leistung: 117 kW/159 PS

L/B/H: 4489/1836/1613 mm

Gewicht: 1471/1918 kg

Kofferraumvolumen: 472–1478 l

Tankinhalt: 55 l

Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h

0–100 km/h: 9,3 Sekunden

Verbrauch: 7,4 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Frontantrieb

Preis: (TCe 160 EDC BE) 35.590 Euro

CO2-Emission: 135 g/km