Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.06.2019


Test

Mercedes Sprinter: Bleibt dezent auf Distanz

Mercedes macht den neuen Sprinter fit über den Transportauftrag hinaus.

Wieselflink und präzise kann der neue Mercedes Sprinter spuren. Eine Schar von Helferlein unterstützt dabei.

© WerkWieselflink und präzise kann der neue Mercedes Sprinter spuren. Eine Schar von Helferlein unterstützt dabei.



Stuttgart – Ein Kasten­wagen soll in erster Linie Lasten tragen. Dass das auf komfortable Art à la Pkw gehen kann, hat Mercedes im Vorjahr mit der neuen, der dritten Generation des Sprinter demonstriert. Dazu gehören nicht alleine Top-Ergonomie und Konnektivität auf aktuellstem Stand, siehe MBUX-Multimediasystem, ebenso Sicherheit. Für die sorgt eine Schar an elektronischen Assistenten. Deren Zusammenstellung basiert auf Resultaten der 2015 eigens installierten Unfallforschungsabteilung mit Schwerpunkt auf Vans und Transportern. An Bord sind oder könne­n sein: Abstandsregelhelfer, aktiver Spurhalte- und ebenso aktiver Bremsassistent, 360-Grad-Kamera – alles je nachdem radar-, ultraschall- oder kamera­basierte Systeme, die erstmals für den Sprinter verfügbar sind. Dazu kommt Unterstützung fürs Parken: eine Rückfahrkamera samt Hilfslinien, Anhänger-Zoom und 180-Grad-Ansicht, ein Flankenschutz kann dabei sein, Totwinkelaufpasser sowieso, samt Querverkehrswarner, auch Ausstiegsalarm und Anhängerstabilisierung.

Wie die Helfer Kalamitäten verhindern oder zumindest vermindern können, ließ die Nutzfahrzeugabteilung der Stuttgarter in Untertürkheim, quasi im Herzen der Sterne, auf dem hauseigenen Testparcours – der „Einfahrstrecke“ – ausprobieren. Erste und wohl kniffligste Übung: Rangieren. Auf engstem Raum. Im Retourgang. Zwischen eng gesetzten Verkehrskegeln und scharf ums Eck. Proband war eine der größten verfügbare Versionen des Sternen-Transporters, der Kastenwagen „Large“ mit sieben Metern Länge, Hochdach und 15,4 Metern Wende­kreis. Es wäre zwar vermessen zu behaupten, dass das touché-freie Erreichen des Ziels – bei zugeklebten Rückspiegeln (!) – für in diesen Fahrzeugdimensionen Ungeübte ein Kinderspiel wäre, doch ist es im Verein mit den genannten elektronischen Assistenten keine unlösbare Aufgabe (mehr).

Einfacher ist es schon, auf dem langgezogenen Rundkurs kräftig zu beschleunigen, durch die Steilwandkurven zu segeln und dem Abstandsregeltempomat auf die Distanzfähigkeit zu fühlen. Ankern war beim Testen des Bremsassistenten verboten. Atem anhalten nicht, es ist keine einfache Übung, das Verzögern der Elektronik zu überlassen. Ähnliches gilt für den Spurhalteassistenten, der lenkt unerbittlich und streng zurück, wenn er es für richtig hält. Praktisch ist das nicht nur in simulierten Baustellenabschnitten schon. Außer an den urbanen hat Mercedes auch an den ländlichen Dschungel gedacht: Allradantrieb. Der ist zuschaltbar, geht mit Federweg-Verlängerung und Luftfederung einher. Er kann auch das Bergan- und Bergab-Fahren elektronisch regulieren. Es war zwar gerade kein Offroad-Terrain zur Hand, doch jede Meng­e Fahrbahnunebenheiten sowie Rampen simulierende Steigungen sowie Gefälle, die der Sprinter stoisch passiert. Im Sinne der Sicht-Sicherheit hat Mercedes für den großen Kasten ein Feature für die Scheibenwischer parat: integrierte Wasch­düsen. Mehr als nützlich nicht alleine im gewerblichen Einsatz. Der große Stuttgarter ist bekanntlic­h beliebte Basis für Reise- und Camping­mobile. (bkh)