Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.07.2019


TT-Autotest

Alpine A110: Die Alpine ist Alpen-affin

Die wiedergeborene Renault-Tochtermarke überzeugt mit einem außergewöhnlich fahrdynamischen und optisch attraktiven Sportcoupé.

Bella Figura am Haldensee: Die Alpine A110 Légende rastet kurz im Außerfern.

© HöschelerBella Figura am Haldensee: Die Alpine A110 Légende rastet kurz im Außerfern.



Von Markus Höscheler

Nesselwängle – Es ist, als ob manche Hersteller ein Geheimprogramm starten gegen die wachsende Vernunft: Ganz offiziell verschreiben sich die Unternehmen dem Alltagsnutzen, effizienteren Verbrennungsmotoren und zunehmend alternativen, umweltgerechten Antrieben. Doch hin und wieder dürfen Fahrzeuge produziert werden, die nicht ganz dem Zeitgeist entsprechen, die sich schlicht um den Fahrspaß kümmern. Nur so lassen sich die Neuauflagen des Z4 und des Supra erklären, nur so auch die Jubiläumsvariante des MX-5. Auch Elektroauto-Verfechter Renault will hier nicht ganz abseits stehen, hat die Bezeichnung Alpine entstaubt und einen kleinen, feinen Sportwagen auf den Markt gebracht. Die Alpine A110 ist, ganz Renault-untypisch, mit einem Heckantrieb versehen, der seine Kraft aus einem hochgezüchteten 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner schöpft. Der kann 252 PS leisten und ein maximales Drehmoment von 320 Newtonmetern ab 2000 Umdrehungen stemmen. Eine Siebenstufenautomatik (Doppelkupplung) ist in die Kraftübertragung eingebunden, in Summe funktioniert das System, man muss es so sagen, hervorragend. Furios geht es auf der Geradeausstrecke voran, negative Antriebseinflüsse aufs Lenkrad gibt es nicht. Der tiefe Schwerpunkt und das leichte Gewicht (weniger als 1,2 Tonnen) sind ideal, um rasch zu beschleunigen und hohe Kurvengeschwindigkeiten zu erzielen. Nur 4,5 Sekunden benötigt die Alpine A110 für den Sprint von null auf 100 km/h, bis zu 250 km/h sind möglich. Erstaunlich ist bei der Kraftentfaltung die Begleitmusik: Der kleine Vierzylinder klingt nach wesentlich mehr. So souverän es die Alpine bei Überholmanövern nach vorne zieht, so wohldosiert agieren situationsgerecht die Bremsen. Das Fahrwerk selbst ist auf der straffen Seite angesiedelt – für ein Sportcoupé den Erwartungen entsprechend.

Passgenaue Sportsitze, ein volldigitales Instrumentarium und ein mittig auf der Mittelkonsole platzierter Touchscreen sprechen im Innenraum die Sinne an, fürs Rangieren empfehlen sich in der „Légende“-Ausführung eine Parkhilfe vorne und eine Rückfahrkamera. Zwar ist das Fahrzeug lediglich 4,18 Meter lang – allzu übersichtlich fällt die gewählte Karosserie jedoch nicht aus. Die Légende-Ausführung ist ab 62.600 Euro verfügbar, die etwas schwächer bestückte Pure-Basis ab 58.700 Euro. Die für Oktober angekündigte Sonderedition A110S hebt sich leistungsmäßig etwas ab: 292 PS, Beschleunigung von null auf 100 km/h in 4,4 Sekunden und ein maximales Tempo von 260 km/h. Auch das kann Spaß machen.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbobenziner

Hubraum: 1798 ccm

Drehmoment: 320 Nm bei 2000 U/min

Leistung: 185 kW/252 PS

L/B/H: 4180/1798/1252 mm

Gewicht: 1178/1365 kg

Kofferraumvolumen: 196 l

Tankinhalt: 45 l

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

0–100 km/h: 4,5 Sekunden

Verbrauch: 7,9 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Hinterradantrieb

Preis: 62.600 Euro

CO2-Emission: 141 g/km