Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.07.2019


TT-Autotest

Grandland X: Wenn Feinde zu Freunden werden

Zwischen Franzosen und Deutschen gab es viele Konflikte – aber zwei Entwicklungen stimmen zuversichtlich.

Steht für neue goldene Zeiten: Innerhalb der Groupe PSA schreibt Opel wieder Gewinne, auch dank des Grandland X.

© HöschelerSteht für neue goldene Zeiten: Innerhalb der Groupe PSA schreibt Opel wieder Gewinne, auch dank des Grandland X.



Pfaffenhofen – Die Rivalität zwischen Deutschen und Franzosen war eine Jahrhunderte währende. Gewaltsame Auseinandersetzungen gab es en masse – bis nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg endlich ein tragfähiger europäischer Einigungsprozess eingeleitet wurde, der weitverbreitet für Frieden und Wohlstand bis heute auf dem Kontinent sorgt. Den aktuellen Holprigkeiten auf der EU-Ebene zum Trotz gibt es ein weiteres Beispiel für ein interessantes deutsch-französisches Experiment: die Einverleibung Opels durch die Groupe PSA. Hier haben die Franzosen eindeutig das Sagen, was nicht unbedingt zum Nachteil der Rüsselsheimer sein muss. Zwar gibt es Einsparungen, Modelleinstellungen und Stellenstreichungen – dafür kann Opel endlich wieder Gewinne schreiben, nach jahrelangem Dahindarben.

Noch unter den Fittichen des launischen Mutterkonzerns General Motors gedieh eine Erfolg versprechende Zusammenarbeit zwischen Opel und PSA betreffend einige Baureihen. Ein Projekt bezog und bezieht sich auf den Grandland X, ein kompaktes Sport Utility Vehicle, das dieselbe technische Plattform nutzt wie der Peugeot 3008/5008, der Citroën C5 Aircross und der DS7 Crossback. Gleichwohl darf sich der Opel-Ableger in zahlreichen Facetten anders als die Cousins zeigen. Die Formensprache außen ist genauso Opel-typisch wie die Innenraumanmutung. Auch einige technische Details sind etwas, was wir von Opel erwarten dürfen, von anderen Marken zumindest nicht erwarten müssen. An dieser Stelle führen wir etwa das sehr nützliche und hohe Sicherheit versprechende adaptive Fahrlicht AFL mit LED-Technik an. Alltagstauglich ist außerdem die Flex-Fold-Rücksitzlehne, nutzerfreundlich das Navigationssystem IntelliLink.

Die 360-Grad-Kamera liefert zwar keine gestochen scharfen Bilder, kann aber gemeinsam mit Parksensoren beim Rangieren sehr hilfreich sein. Die Sitzheizung vorne wie hinten, die Zweizonen-Klimaautomatik und die beheizbare Windschutzscheibe stellen Details dar, die wir in der Fahrpraxis zu schätzen wissen. Getoppt wird dies noch durch den erfreulich agierenden Vierzylinder-Turbodiesel, der laufruhig ausreichende 130 PS leistet, harmonisch mit der Achtstufenautomatik zusammenarbeitet und sich beim Verbrauch wohltuend zurückhält (Test: 5,9 l/100 km).

Beim Testwagenpreis von 41.460 Euro gibt es nur etwas, was wir wirklich vermissen: einen Allradantrieb. Genau so etwas will Opel aber in einigen Monaten nachliefern, wenngleich in anderer Motorenkonstellation: als Benzin-Plug-in-Hybrid. (hösch)

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Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 1499 ccm

Drehmoment: 300 Nm bei 1750 U/min

Leistung: 96 kW/130 PS

L/B/H: 4477/1856/1609 mm

Gewicht: 1455/2000 kg

Kofferraumvolumen: 514–1652 l

Tankinhalt: 53 l

Höchstgeschwindigkeit: 192 km/h

0–100 km/h: 10,9 Sekunden

Verbrauch: 5,9 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Vorderradantrieb

Preis: 41.460 Euro

CO2-Emission: 109 g/km