Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.08.2019


Test

Skoda Scala: Ganz oben auf der Kompakt-Scala

Bitte eine Nummer größer: Auch das neue Škoda-Kompaktmodell Scala sprengt in Größe und Raumangebot den Rahmen des Segments. Das Credo der Tschechen: mehr Raum, modernste Technik, weiter fair im Preis.

Mit dem geräumigen Scala ist Škoda auch formal ein großer Wurf gelungen. Der Kompakte überzeugt aus jeder Perspektive.

© Reinhard FellnerMit dem geräumigen Scala ist Škoda auch formal ein großer Wurf gelungen. Der Kompakte überzeugt aus jeder Perspektive.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Škoda ist im Volkswagen-Konzern zu einer starken Marke herangewachsen. Billig war vorgestern. Neben dem Fokus auf ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis stechen bei den Tschechen gutes, kühles Design, maximale Raumökonomie, modernste Technik und clevere Detaillösungen hervor. Strategie von Škoda: das Segment in Größe und Raum nach oben verlassen, im Preis jedoch mittendrin bleiben.

Seit dem ersten Octavia kommt das vor allem bei rational denkenden Käufern überaus gut an. Dass man einen Škoda aber auch wegen seiner Anmutung kaufen kann, beweist nach Kodiaq und Superb II nun auch der neue Scala. Um zehn Zentimeter länger (4,36 Meter) als ein Golf sprengt das Kombifahrzeug die Dimensionen der Kompaktklasse. Gerade wegen seiner gestreckten Erscheinung ist Škoda beim Scala ein optischer Kunstgriff gelungen. Stämmig steht er da. Klare Linien verleihen Eleganz und Zeitlosigkeit. Das Heck mit seiner wunderschönen Glasheckklappe verzaubert und erinnert an den letzten Lancia Delta. Innen konnten die Tschechen das Karosseriemaß voll umsetzen und bieten ein Raumangebot fast auf Mittelklasseniveau. Auch 467 bis 1410 Liter Kofferraumvolumen bietet sonst kein kompakter Fünftürer.

Weiter vorn heißt den Fahrer die moderne Welt des Volkswagenkonzerns willkommen. Exzellente Sitze – wie immer – reihen sich an perfekte Ergonomie. Im TT-Testwagen in Style-Ausstattung war der perfekt positionierte Berührungsbildschirm immerhin schon 9,2 Zoll groß. Wer möchte, kann die Fahrerwelt auch noch um ein virtuelles Cockpit (10,25 Zoll, 500 Euro) erweitern. Auch sonst kann man den Scala übrigens relativ günstig in die höchste technische Liga aufrüsten – elektrische Heckklappe, Assistenzsysteme, Lederausstattung, adaptive Dämpfer – alles zum Škoda-Tarif zu haben.

Dass es auch zu viel des Modernen sein kann, zeigt sich an der Lüftungseinheit. Diese beherbergt Temperatur und Umluft, die Lüftungsintensität muss aber übers Menü am Bildschirm eingestellt werden.

Ansonsten bleibt auch der Scala als waschechter Škoda ein Fahrzeug mitten im Leben: die Materialien stylisch gestaltet, aber nicht von einer Kostbarkeit, die sie schon wieder empfindlich macht. Ein ganz auf Sicherheit ausgelegtes Fahrwerk von ausgewogener Straffheit, aber frei von sportlicher Ambition in Einlenkverhalten oder Dämpfung. Im Testwagen war das alles mit dem 150-PS-Benziner samt Siebengang-DSG-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert. Der neue Konzernmotor ist eine Wucht in Temperament, Sparsamkeit und Laufkultur, leidet aber unter dem nicht ganz optimal abgestimmten DSG-Getriebe.

Deshalb der Tipp des Testers: Sparen sie sich das Geld (Style ab 26.480 Euro) und wählen sie getrost den lebhaften Dreizylinder mit 115 PS. Dazu das knackig zu schaltende Sechsganggetriebe und dies alles in Ambition-Ausstattung mit zwei, drei Extras. Fertig ist der perfekte Scala für etwas über 20.000 Euro. Sparfüchse warten noch auf die Erdgasvariante oder den 95-PS-Benziner – „Simply Clever“. Fünf Sterne im Crash-Test haben alle, für 279 Euro dazu auch noch fünf Jahre Garantie.




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