Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.08.2019


Test

Corolla Touring Sports: Mit gutem Gewissen sportlich

Mit einem dynamisch ausgelegten Hybridantrieb kommt der neue Corolla Touring Sports rascher auf Touren, ohne beim Verbrauch über die Stränge zu schlagen.

Gegenüber dem Vorgängermodell Auris hat der Corolla in puncto Style, Innenraummaterialien und sportlichem Fahrverhalten einen Fortschritt gemacht.

© HöschelerGegenüber dem Vorgängermodell Auris hat der Corolla in puncto Style, Innenraummaterialien und sportlichem Fahrverhalten einen Fortschritt gemacht.



Von Markus Höscheler

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Kirchdorf – Große Schwächen darf sich im Kompaktwagensegment kein Volumenhersteller mehr leisten, zu umfassend ist hier das Angebot, zu intensiv der Wettbewerb. Toyota hatte im vorigen Jahrzehnt einen schweren Irrtum begangen, als das Management der Überzeugung gewesen war, anstelle des bekannten Namens Corolla den Auris voranzuschicken. Der zweite Irrtum hatte darin bestanden, beim Außendesign kein Wagnis einzugehen – und der dritte Irrweg wurde bei der Innenraumqualität beschritten: Die Japaner hatten einfacheren Materialien den Vorzug gegeben.

Bei der Kundschaft kam dies nicht gut an, die zwei Generationen des Auris waren nicht die erwarteten Bestseller. Nun ist der Corolla namentlich zurückgekehrt, mit ihm eine neue technische Plattform (jene des aktuellen Prius), ein frisches Design und eine Aufwertung im Innenraum. Besonders im Bereich des Armaturenbretts und bei der oberen Türverkleidung ist der Qualitätssprung festzustellen. Das Instrumentarium liefert eine gut ablesbare Mischung aus digitalem und analogem Instrumentarium, der mittig platzierte Touchscreen ist mit einigen praktischen Direktwahltasten versehen. Etwas einfacher gehalten sind die Materialien im Fußraum.

Noch mehr Ambitionen durften die Corolla-Entwickler bei der Hybridkonfiguration zeigen: Es gibt nicht nur den akzeptablen und aus dem Prius bekannten Benzin-Elektro-Mix mit 122 PS Systemleistung, sondern auch die bewusst sportlicher gehaltene Variante mit 180 PS. Genau diese Kombination aus einem Zweiliter-Benzinmotor und E-Aggregat fand sich im Testwagen wieder, der als Kombi (Touring Sports) zur Verfügung stand. Um das Leistungsplus gegenüber der Basis zu unterstreichen, gibt es für den Schalthebel eine eigene Sportstellung, außerdem glänzt das Lenkrad mit Wipptasten für die Gänge.

Gänge? Nun ja, auf eines wollte Toyota beim bewährten Hybridantrieb weiterhin nicht verzichten: auf das stufenlose CVT-Getriebe. Die sechs angebotenen Gänge sind somit virtuell angelegt, mit ihnen lassen sich die Drehzahlen des Motors beeinflussen, um etwa ein Optimum bei Berg- und Talfahrten herauszuholen. Das ist in der Tat ein Fortschritt, wenngleich bei starker Gaspedalbeanspruchung auch dieser Toyota-Hybrid eine fahrleistungsentkoppelte Akustik an den Tag bringt. Von einem Heulkonzert früherer Hybridgenerationen ist das Gebotene jedoch erfreulicherweise weit entfernt.

Dynamisch jedenfalls geht es mit dem Corolla Touring Sports voran, in 8,1 Sekunden beschleunigt er von null auf 100 km/h. Souverän sind somit Überholmanöver auf der Landstraße zu absolvieren. Das schlechte Gewissen kann getrost pausieren, denn mit einem Testverbrauch von 5,9 Litern – Benzin wohlgemerkt – je 100 Kilometer darf sich der 4,65 Meter lange Kombi sehen lassen, Spielraum nach unten ist zudem gegeben. Nicht weniger bekömmlich ist das Platzangebot: Vorne wie hinten sitzen normal große Erwachsene mit ausreichend Kopf-, Schulter- und Beinfreiheit, das Ladeabteil fasst wenigstens 581 Liter.

Mit der genügend komfortablen Fahrwerksabstimmung sind folglich die wichtigsten Voraussetzungen für lange Dienstreisen und familiäre Reisetouren geschaffen. Was noch fehlt: die passende finanzielle Grundlage – mit gehobener, aber nicht übertriebener Style-Ausstattung kostet der Corolla Touring Sports mit starkem Hybridantrieb wenigstens 35.090 Euro.




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