Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.10.2019


Test

Ausfahren mit wirklich Abgefahrenem

Stilvoll und klassenlos unterwegs: Beim raren Aston Martin DBS Superleggera verbindet sich Supersportwagen-Feeling mit Langstreckenkomfort.

Mischung aus Gran Turismo und Supersportwagen: der Aston Martin DBS Superleggera.

© HöschelerMischung aus Gran Turismo und Supersportwagen: der Aston Martin DBS Superleggera.



Von Markus Höscheler

Innsbruck – Die Form bezaubert die Gemüter, die Antriebsart entzweit sie immer mehr: Der Aston Martin DBS Superleggera bezirzt mit seiner coupéartigen Bauform nahezu sämtliche Beobachter, mit seinem V12-Benzinmotor trifft er unterschiedliche Nerven. Die eine Seite lässt sich betören von der Schall- und Leistungsentfaltung, die andere Seite empfindet Bauart, Volumen und Zylinderanzahl als Ausdruck einer ewiggestrigen Sichtweise. Wäre das Triebwerk mit 5,2 Litern Hubraum in einem Sport Utility Vehicle eingebaut, wüchse das Ausmaß der Gegnerschaft.

Dem Gran Turismo von Aston Martin, eben besagtem DBS Superleggera, wird der längs eingebaute Zwölfender mit zwei Turboladern eher nachgesehen, zumal der 4,71 Meter lange 2+2-Sitzer allein mit seinem höchste Exklusivität sichernden Preis nur kleine, ziemlich klimaverträgliche Stückzahlen erreicht.

Die Rarität aus Großbritannien ist ausdrucksstark gezeichnet, macht mit einem üppigen Kühlergrill, einer langgezogenen, gebogenen und mehrfach gefalteten Motorhaube auf sich aufmerksam. Knapp ausgefüllte Radhäuser, ausgeprägte Schultern und eine kaum vorhandene Bodenfreiheit prägen jene dynamische Note, die der DBS Superleggera auf der Straße auch und vor allem dank des von den Briten selbst konstruierten Ottomotors umzusetzen versteht.

Die Technik

Motor: Zwölfzylinder-Turbobenziner

Hubraum: 5204 ccm

Drehmoment: 900 Nm bei 1800 U/min

Leistung: 533 kW/725 PS

L/B/H: 4712/1968/1280 mm

Gewicht: 1845/2265 kg

Kofferraumvolumen: 280 l

Tankinhalt: 80 l

Höchstgeschwindigkeit: 340 km/h

0–100 km/h: 3,4 Sekunden

Verbrauch: 11,1 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Hinterradantrieb

Preis: 352.074 Euro

CO2-Emission: 295 g/km

Die Längsbeschleunigung ist brachial (wenngleich das Gaspedal ebenso gut dosiert arbeitet wie das mit Keramik-Karbon-Bremsen wirkende Verzögerungspedal), nur 3,4 Sekunden benötigt der flache Sportwagen für den Sprint von null auf 100 km/h. Bis zu 340 km/h wären möglich, auf deutschen Autobahnen waren wir angesichts des regen Verkehrs froh genug, wenigstens ab und an mehr als 200 km/h auf dem volldigitalen Instrumentarium angezeigt zu bekommen.

Die besondere Würze des DBS Superleggera ist aber seine außergewöhnlich direkt übersetzte Lenkung. Mit dem Verhältnis von 13,1:1 provoziert sie die Rivalen von Porsche, Lamborghini, McLaren und Ferrari geradezu, den Fahrer verwöhnt sie dagegen mit präzise erfolgenden Richtungswechseln. Ein weiterer Pluspunkt des Modells ist die verwendete ZF-Achtgangautomatik, die auf Wunsch über mehrere Stufen sportlicher eingestellt oder gar manuell über recht große Schaltwippen überstimmt werden kann. Auch die Dämpferabstimmung darf situationsabhängig manipuliert werden – erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich der DBS Superleggera auf der Langstrecke als ausreichend komfortabel bewährt hat. Jene Alltagserfahrung hat im Übrigen maßgeblich dazu beigetragen, dass wir mit dem Testverbrauch (siehe Technikkasten) die Normverbrauchsangabe unterbieten konnten.

Viel bieten muss jedoch der Interessent, der einen DBS Superleggera als Coupé (seit Kurzem auch als Volante verfügbar) beziehen möchte. Mehr als 350.000 Euro sind für den luxuriös ausgestatteten, supersportlichen Gran Turismo auszulegen.




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