Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 26.09.2015


Exklusiv

Museum der Völker gerettet

LH Günther Platter und der Schwazer BM Hans Lintner haben sich geeinigt: Land und Stadt Schwaz sichern die Zukunft des Museums der Völker für die nächsten zehn Jahre.

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© thomas boehm



Von Edith Schlocker

Schwaz – Das Schwazer Museum der Völker ist gerettet, sein Bestand für die nächsten zehn Jahre scheint jedenfalls gesichert zu sein. Dieser für die kulturinteressierte Öffentlichkeit erfreuliche Befund ist das Ergebnis eines auf allerhöchster Ebene ausgehandelten Deals zwischen LH Günther Platter und Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf mit dem Schwazer BM Hans Lintner und seinem Stellvertreter Martin Wex. Initiiert von Lintner, aufgerüttelt durch die Drohung von Museumsgründer und -leiter Gert Chesi, das Haus zuzusperren, wenn nicht baldigst in Sachen Finanzierung etwas passiert.

Dass Chesi damit droht, „sein“ Museum wegen der parallel zu explodierenden Miet- und Betriebskosten permanent schrumpfenden Dotierung zuzusperren, war zwar nichts Neues. Machte der manische Sammler und Ausstellungsmacher doch immer wieder irgendwie weiter. Als Chesi Ende August anlässlich der Eröffnung einer kleinen Ausstellung zum 20. Geburtstag des Museums aber erklärte, dass dessen Überlebenschancen über das heurige Jahr hinaus nicht mehr als 50 Prozent betragen, wusste jeder, dass er es diesmal bitterernst meint.

Habe er es doch „endgültig satt“, jährlich der Hauptsponsor des einzigen ethnologischen Museums Westösterreichs zu sein. Eine Drohung, die offensichtlich an den richtigen Stellen offene Ohren gefunden hat. In erster Linie die von BM Hans Lintner, der sich immer als Mitstreiter von Chesi verstanden, alles ihm Mögliche getan hat, dass dieses Haus mit internationalem Renommee in Schwaz erhalten bleibt.

Was, wie es nun ausschaut, auch der Fall ist. Übernimmt die Stadt Schwaz doch die Mietkosten für die in Landesbesitz befindliche Hülle des Museums in der Höhe von 25.000 Euro jährlich. Etwa gleich hoch sind auch die Betriebskosten, die das Land tragen wird. Das Haus der Völker leistet dafür monatlich einen Pauschalbeitrag von 1000 Euro. Diese Entscheidung gilt rückwirkend für das gesamte heurige Jahr. Laut der Regelung bekommt das Museum insgesamt 80.000 Euro jährlich und dies für zehn Jahre indexreguliert. Getragen zur Hälfte vom Land und von der Stadt Schwaz. Die Subventionen von Bundesseite in der Höhe von 30.000 Euro jährlich sind bereits 2009 versiegt, um seither nur noch sporadisch für einzelne Projekte Richtung Schwaz zu fließen. Was sich allerdings auch in Zukunft nicht ändern wird.

Gert Chesi, derzeit in Sachen Ausstellungsvorbereitung filmend in Vietnam unterwegs, ist mit dem Ergebnis des zwischen Stadt Schwaz und Land Tirol ausgehandelten Deals sehr zufrieden. Wenn alles, wie versprochen, gehalten werde, sei die Zukunft des Museums der Völker jedenfalls mittelfristig gesichert. „Dann sind wir tatsächlich in der Lage, das Haus inklusive aller Sonderausstellungen und Veranstaltungen weiterzuführen“, so Chesi per E-Mail.

Auf einem guten Weg ist auch seine Idee, im Museum der Völker sozusagen als parallele Schiene zur rein kulturellen ein „Institut für Integration und kulturelle Zusammenarbeit“ einzurichten. Als „Achse des Guten“, mit dem Ziel, durch unterschiedlichste, von Seiten der Wirtschaft, Wissenschaft oder Kultur eingebrachte Aktivitäten Verständnis für das Andere, das Fremde, uns Unbekannte zu wecken. Ein Anliegen, das in Zeiten wie unseren aktueller denn je ist und in das der international erfahrene Chesi die Erfahrungen eines ganzen Lebens einbringen kann und will.

Der entsprechende Projektantrag ist gestellt, liegt bei der dem Außenministerium angegliederten Austrian Development Agency in Wien. Ob die Schwazer zum Zug kommen, entscheidet sich bis Ende des Jahres. Bereits im Laufen ist ein vom Land Tirol mit 10.000 Euro gefördertes Testprojekt. Dabei geht es um die Entwicklung einer Methode durch Archäologen der Innsbrucker Uni, um die echten, in Venedig für Afrika produzierten Millefiori-Glasperlen von deren Fälschungen zu unterscheiden, ohne die kleinen gläsernen Kostbarkeiten zu zerstören.