Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.09.2017


Kulturpolitik

Monolith mit luftigem Innenleben

Nach zweijähriger Bauzeit wurde das vom Wiener Architekturbüro Franz&Sue gestaltete neue Sammlungs- und Forschungszentrum (SFZ) der Tiroler Landesmuseen gestern offiziell in Betrieb genommen.

© Andreas BuchbergerAnthrazitfarbender Tresor: Das neue Sammlungs- und Forschungszentrum der Tiroler Landesmuseen. Zum mit unbehandelten Lärchenholz verkleideten Atrium hin sind die Arbeits- und Büroräume ausgerichtet.



Von Ivona Jelcic

Hall – So wie der flache, quaderförmige Baukörper aus dem Hang herauswächst, erinnert er tatsächlich an eine ausgeaperte „Schatzkiste“. Als solche wurde das neue Sammlungs- und Forschungszentrum (SFZ) der Tiroler Landesmuseen in Hall am gestrigen Freitag samt Salutschüssen, Musikkappelle und hoher Politik auch offiziell in Betrieb genommen. Das Wiener Architektenbüro Franz&Sue hatte sich mit seinem Entwurf bei einem EU-weiten, offenen Wettbewerb durchgesetzt, nach zweijähriger Bauzeit ist das 24-Millionen-Euro-Gebäude nun fertig gestellt und (zum größten Teil) bezogen.

Die Herausforderungen waren nicht gering: Das SFZ muss nicht nur die optimalen klimatischen und räumlichen Bedingungen für Millionen von Sammlungsobjekten (plus die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen) bieten, ist nicht allein Depot, sondern überdies auch Arbeitsplatz: Büros, Restaurierungs- und Tischlereiwerkstätten, Forschungslabors haben in dem Bau mit seinen 14.000 Quadratmetern Grundfläche ebenfalls Platz gefunden. Die Architekten fanden für die komplexen Nutzungsanforderungen kluge Lösungen: Nur ein Drittel des in den Hang eingeschnittenen Gebäudes, dessen Fassade mit anthrazitfarbenen, glasfaserverstärkten Betonplatten verkleidet ist, ragt aus dem Erdreich. So fügt sich der hermetische Monolith mit seinen spärlichen Öffnungen nach außen hin elegant in die Landschaft ein.

Hinter dem leuchtend rot gestalteten Eingangsbereich liegt ein nach dem Zwiebelprinzip angelegtes Raumkonzept: Im äußeren, fensterlosen Ring liegen die Depotflächen, während sich die Arbeitsräume inwendig mit großzügigen Fensterbändern zum Atrium hin orientieren, das als Grün­oase und Lichthof gleichermaßen dient und dem die Lärchenholzfassade ein angenehmes Klima verleiht.

Sachlich-kühl wiederum wirkt es im Inneren nicht nur der für ein Depot notwendigen geringeren Temperaturen wegen, sondern auch ob der mit Sichtbeton gestalteten Erschließungsgänge, die mit einem einheitlichen roten Leitsystem ausgestattet sind.