Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.10.2017


Exklusiv

Olympia 2026: „Belohnung für Willfährigkeit“

Dass sich Landestheater-Intendant Johannes Reitmeier für den Olympia-Werbefeldzug hergibt, sorgt für Empörung. Ebenso die Behauptung, „das kulturelle Tirol“ unterstütze die Bewerbung.

© Michael KristenLandestheater-Intendant Johannes Reitmeier deklarierten sich am Dienstag als Olympia-Befürworter.



Von Ivona Jelcic

Innsbruck – „Dieses Schauspiel widert mich an, riecht nach Bestechung und Belohnung für Willfährigkeit, klingt nach ‚Milch und Honig‘ für die Kultur und nach ‚Brot und Spiele‘ für das Volk“: Treibhaus-Chef Norbert Pleifer ist zornig, und zwar ziemlich. Wie berichtet, ist der Olympia-Werbefeldzug des Landes am Dienstag auch in der Kultur angekommen – oder jedenfalls bei der Behauptung „das kulturelle Tirol unterstützt die Bewerbung“. Dass LH Günther Platter und LR Beate Palfrader dafür den Landestheater-Intendanten Johannes Reitmeier, den Schlagerbarden Gerry Friedle alias DJ Ötzi und den (per Videobotschaft zugeschalteten) Schauspieler Gregor Bloéb als „Kronzeugen“ aufgerufen haben, ist für Pleifer, der seinerseits tatkräftig das „Nolympia“-Lager unterstützt, „eine Lachnummer sondergleichen – wenn da nicht der Kulturszene 40 Millionen als Köder versprochen worden wären“. Der Lacher bliebe einem da „im Halse stecken“. Palfrader hatte im Rahmen des dienstäglichen Pressegesprächs angekündigt, dass im Fall von Olympischen Spielen in Tirol 2026 40 Millionen Euro für das Kulturprogramm vorgesehen seien. In der im Juni präsentierten Machbarkeitsstudie zu Olympia 2026 heißt es im Übrigen wörtlich: „Für den Bereich der Zeremonien und kulturellen Veranstaltungen sind für Innsbruck/Tirol 2026 insgesamt 40 Mio. Euro (2026) eingeplant. Dies ist etwa 50 % weniger als bei den letzten Editionen der Winterspiele. Dies liegt zum einen daran, dass die Eröffnungs- und Schlussfeiern kleiner dimensioniert sind, der olympische Fackellauf innerhalb Österreichs weniger aufwändig ist und die Maßnahmen des kulturellen Programms am vorhandenen Budget ausgerichtet sind. Sollten mehr Einnahmen generiert werden, so kann in diesem Bereich über zusätzliche Maßnahmen nachgedacht werden.“

Schlagerbarde Gerry Friedle.
- Michael Kristen

Dass sich der Theaterintendant vor den Olympia-Karren spannen ließ, empört Pleifer besonders: „‚Wes Brot ich ess, des Lied ich sing’ ist der Minnesang, der im Auftrag der Landesregierung 2026 im Landestheater uraufgeführt wird – nach einem Libretto des Intendanten, der sich als profunder Kenner des Lobliedes geoutet hat“, ätzt Pleifer. Und gratuliert Reitmeier „zu seiner neuen Aufgabe als Sprecher der freien Szene und der Tiroler Kulturinitiativen“. Dieser hatte die Spiele als Chance auch für die „freie Kunst“ bezeichnet, sich „auch kritisch mit den Spielen auseinanderzusetzen“. Pleifer: „Doch bis dahin wird brav gekuscht.“

Kritik an der olympischen „Kultur“-Botschaft kam gestern auch von der Innsbrucker SPÖ-Gemeinderätin Angela Eberl: „Es erschreckt mich, dass, wenn schon viel Geld in die Hand genommen wird, es wieder nur um die Dominanzkultur geht – Volksmusik, Tracht und Oper. Da fühle ich mich als Tirolerin nicht vertreten.“