Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.10.2017


Olympia 2026

Olympia: Proteste aus Kulturbereich



Innsbruck – Dreißig Tiroler Kulturinitiativen haben gestern Donnerstag in einem gemeinsamen Schreiben ihre Haltung zu einer Olympia-Bewerbung öffentlich gemacht und gegen eine Vereinnahmung für die Pro-Olympia-Kampagne protestiert. Sie reagierten damit auf eine Pressekonferenz vom Dienstag, bei der LH Günther Platter und Kulturlandesrätin Beate Palfrader unter dem Titel „Das kulturelle Tirol unterstützt die Bewerbung“ aufgetreten waren – flankiert von Schlagersänger DJ Ötzi und Landestheater-Intendant Johannes Reitmeier als Olympia-Befürworter.

„Wir können im vorliegenden Bewerbungskonzept für die Olympischen Winterspiele – in dem Kultur nicht vorkommt – keinen Zusammenhang mit einer nachhaltigen und positiven Kulturentwicklung in Tirol erkennen“, heißt es in der unter anderem von der Tiroler Künstlerschaft, dem Freien Theater Innsbruck, der Galerie St. Barbara, Kulturverein Grammophon, aut. Architektur und Tirol, p.m.k., Musik Kultur St. Johann, TKI – Tiroler Kultur­initiativen, FREIRAD, Treibhaus und weiteren Einrichtungen, Initiativen und Einzelpersonen unterzeichneten Stellungnahme. „Die Fokussierung auf ein derartiges Großprojekt“ würde „finanzielle Ressourcen auf Jahre“ binden, es brauche aber vielmehr „die Förderung und kontinuierliche Weiterentwicklung der bestehenden Kulturszenen, die das Leben in Tirol das ganze Jahr hindurch prägen. Tirol braucht zukunftsfähige kulturelle Strategien auf vielen Ebenen, die mit keinem Wort im vorliegenden Konzept vorkommen.“

Die Unterzeichner „verwehren sich“ gegen die „pauschal formulierte Instrumentalisierung des ‚kulturellen Tirols‘ für die Olympia-Bewerbung“ und halten fest: „DAS kulturelle Tirol gibt es nicht.“

Es gehe nicht um ein Ausspielen „Sport gegen Kunst“, wird in dem Schreiben betont. Aber: „Genauso intensiv und freigiebig wie im Bereich Sport muss man sich in Tirol auch in der Kultur finanziell engagieren. Das ist derzeit leider bei Weitem nicht der Fall.“ (jel)