Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.12.2017


Kulturpolitik

„Niemand soll sich allein fühlen“

Österreichische Filmbranche installiert Vertrauensstelle für Missbrauchsopfer.

© APARegisseur Ruzowitzky hat die Vertrauensstelle angeregt.Foto: APA/Punz



Wien – In der #Metoo-Diskussion um Missbrauch und sexuelle Diskriminierung wird nun auch die österreichische Filmbranche aktiv. Auf seine Anregung hin hat die Akademie des Österreichischen Films eine eigene Vertrauensstelle für Betroffene eingerichtet, wie Präsident Stefan Ruzowitzky gestern bei einem Pressetermin bekannt gab.

„Bei uns gibt es berufsbedingt Nacktheit und körperliche Nähe – und das ist ein guter Nährboden für Missverständnisse respektive Missbrauch“, umriss der Regisseur die Motivation für den Schritt. Die Schauspieler Karl Markovics und Ursula Strauss, Co-Präsidentin der Akademie, sowie Vorstandsmitglied Birgit Hutter stehen bei der Ombudsstelle als direkte Ansprechpartner zur Verfügung. Gegenüber der TT sagt Ruzowitzky, dass es ihm vor allem darum gehe, nicht nur „zu theoretisieren“, sondern praktisch Hilfe zu leisten. Und zwar auch jenen, „die im Machtgefüge ganz unten stehen“. Ruzowitzky: „Eine prominente Hauptdarstellerin kann sich eher wehren als eine ,namenlose‘ Visagistin.“ Staatsanwaltschaft und Polizei wolle man damit aber nicht ersetzen, vielmehr gehe es zunächst um eine brancheninterne Mediation. „Aber in Extremfällen werden wir natürlich auch das Angebot machen, die Opfer bei strafrechtlichen Schritten zu unterstützen.“

„Niemand soll sich alleine fühlen“, ergänzt Marlene Ropac, die Geschäftsführerin der Filmakademie. Einen konkreten Anlassfall gibt es zwar nicht, trotzdem gelte es, die „hierarchischen Abhängigkeiten“ in der Filmbranche im Auge zu behalten und sorgfältig darauf zu achten, dass „intime Situationen“ nicht ausgenutzt werden.

Abseits der #MeToo-Debatte widmete sich die Österreichische Filmakademie gestern auch dem Film – und gab die Nominierungen für den Österreichischen Filmpreis bekannt, der am 31. Jänner 2018 in Grafenegg verliehen wird. Mit 14 Gewinnchancen geht dabei Barbara Alberts Historienporträt „Licht“ als Favorit ins Rennen. Mit neun Nominierungen kann sich auch Adrian Goigingers autobiografisches Werk „Die beste aller Welten“ gute Chancen ausrechnen, siebenmal nominiert ist Stefan Ruzowitzkys Actionfilm „Die Hölle“. Der kommerziell erfolgreichste heimische Film des Jahres, Josef Haders Regie-Debüt „Wilde Maus“, muss mit zwei Nominierungen vorliebnehmen. (APA, fach)