Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.02.2018


Landtagswahl 2018

Tiroler Kulturschaffende fordern Antworten von Parteien

Die Kulturschaffenden fordern mit der Kampagne #kulturkann Antworten von den wahlwerbenden Parteien.

© BöhmHier soll gesungen und gespielt werden: das neue Haus der Musik.



Innsbruck – Der Wahlkampf ist in vollem Schwung. Trotzdem wird nach wie vor wenig über Kultur gesprochen im Vorfeld der Tiroler Landtagswahlen. Aus Ermangelung klarer Antworten erhebt nun die Tiroler Kulturszene rund um die „battlegroup for art“ ihre Stimme und startete mit dem gestrigen Tag die Kampagne #kulturkann, welche den Wert von Kultur in Tirol thematisiert.

Die Aktion setzt nicht nur die Vielfalt des Tiroler Kulturbereichs wortwörtlich in Szene, sondern wählt einen direkten Weg hin zu den wahlwerbenden Parteien. Und verlangt Antworten. Mithilfe eines Fragenkataloges, der an die Kultursprecher der jeweiligen Parteien ausgesandt worden war. Die Fragen sind klar formuliert und setzen an der Basis an: Wie wird Kultur definiert? Was für eine Rolle spielt der Bund bei der Förderung von Kultur? Wie geht man mit den Fördermitteln um? Wer entscheidet darüber, was gefördert wird? Wie will man die Vielfalt der Kulturszene erhalten?

Und die Antworten der Kultursprecher trudelten ein (ausgenommen jene der NEOS Tirol): ÖVP, SPÖ, Grüne, FPÖ, Liste Fritz, Family – Die Tiroler Familienpartei und impuls-tirol lieferten Beiträge ab – wenn auch mit wenig überraschenden Antworten.

Die Reaktionen von Kulturlandesrätin Beate Palfrader (VP) und Co. bleiben bereits in der ersten Frage zur Definition von Kultur ähnlich vage wie die vorliegenden Wahlprogramme und liefern in erster Linie viele leere Worthülsen. Konkret wird man erst bei der Frage nach Vergabe von Förderungen: Markus Abwerzger (FPÖ Tirol) greift nach dem bereits im Regierungsprogramm oft kritisierten Gießkannenprinzip, ÖVP und Grüne klammern sich an das Stichwort der Transparenz. Die Forderung einer Aufstockung des Budgets kommt nur von der SPÖ Tirol.

Zu bestimmten Projekten abseits der Großbaustellen Haus der Musik und Sammlungs- und Forschungszentrum der Landesmuseen äußerte man sich kaum. Fraglich bleibt ebenso, ob die Kampagne nur thematisiert (die Antworten der Kultursprecher sowie die Parteiprogramme sind auf www.kulturkann.at einsehbar) oder ob es im Vorfeld der Wahlen auch ein Aufeinandertreffen, einen Dialog zwischen Politik und Kultur geben wird.

Ein Anfang ist mit #kulturkann jedenfalls schon mal gemacht. Kultur erfährt dadurch mehr Sichtbarkeit. Dass die Kampagne mit ihrer Intention ins Schwarze trifft, zeigt sich in der regen Teilnahme der Kulturvereine als Unterstützer, über 50 stellen sich hinter die Aktion der „battlegroup of art“. Als zweiten Baustein stellt #kulturkann nämlich Statements aus der Tiroler Kulturszene vor: Martin Sexl (Universität Innsbruck), Nina Tabassomi (Taxispalais Kunsthalle Tirol), Ingeborg Erhart (Tiroler Künstlerschaft) und noch viele mehr beschreiben auf ihre Art und Weise, was Kultur leistet: Kultur könne unter anderem Augen öffnen, lustvoll zur Selbstreflexion führen und sogar die Welt ändern. Kultur kann aber auch konkret werden und klare Fragen stellen. Da würde man sich nur noch konkrete Antworten von der Politik erhoffen. (bunt)