Letztes Update am Di, 27.02.2018 14:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tiroler Festspiele Erl

Land reagiert auf Festspiel-Vorwürfe, Künstler schreien auf

Immer mehr verärgerte Künstler wenden sich an die Initiative “Art but Fair“ und nun auch an das Land Tirol. Dieses verspricht “volle Aufklärung“ und ruft den Stiftungsvorstand zusammen.

© Thomas Böhm / TTDas Festspielhaus in Erl.



Erl, Innsbruck — Nach den Vorwürfen von Lohn- und Sozialdumping bei den Tiroler Festspielen in Erl (die TT hat berichtet) verspricht das Land Tirol "volle Aufklärung". Nachdem nun erstmals nicht-anonymisierte Anschuldigungen an das Land herangetragen wurden, veranlasst Kulturlandesrätin Beate Palfrader die sofortige Einberufung einer Sitzung des Stiftungsvorstandes, "um weitere Maßnahmen im Interesse einer raschen und vollständigen Aufklärung aller Sachverhalte zu beschließen", hieß es am Dienstag in einer Aussendung.

Außerdem verlange man Einsicht in alle Arbeitsverträge der Künstlerinnen. Anonyme Anzeigen in diesem Zusammenhang seien von den zuständigen Kontrollbehörden (Tiroler Gebietskrankenkasse, Finanzamt Kufstein/ Schwaz und Finanzpolizei) bereits entkräftet worden.

Seitens der Festspiele Erl habe man zugesichert, alle gewünschten Auskünfte zu geben und "im Falle eines nachweislichen Fehlverhaltens entsprechend zu reagieren", so das Land in dem Schreiben.

Festspielleiter Gustav Kuhn, gegen den sich ein Teil der Beschwerden persönlich richtet, verteidigt seine Arbeitsweise und vermutet hinter den Anschuldigungen „eine gewisse Frustration jener, die bei den Festspielen nicht mehr mitwirken dürfen" (die TT hat berichtet).

Klage steht im Raum, weitere Initiative gegründet

Während „Art but fair" eine Anzeige der Festspiele vorbereitet, wurde eine weitere Initiative für betroffene Künstler ins Leben gerufen: „WeTogether - Music in dignity" richtet sich an "Opfer sexuell übergriffiger, anzüglicher oder unangemessener Verhaltensweisen, sexueller Übergriffe, von nicht einverständlichem sexuellen Verkehr (Vergewaltigung) sowie zielgerichteter Angriffe, Provokationen, Belästigungen und Nötigungen zum Zweck der Verunsicherung oder Schädigung der seelischen beziehungsweise geistigen Gesundheit ("Psychoterror") im österreichischen Musikbetrieb", schreibt Initiative-Sprecherin Claudia Rosenberger in einer Aussendung. Ab Mai wolle man verstärkt in der Öffentlichkeit auftreten, um Bewusstsein für die "oft ausbeuterischen Zustände im Musikbetrieb" zu schaffen. (TT.com)