Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.03.2018


Tiroler Festspiele Erl

Vorwürfe gegen Gustav Kuhn: “Bisher kein Anfangsverdacht“

Die Staatsanwaltschaft prüft noch Vorwürfe gegen Gustav Kuhn. Palfrader bei Haselsteiner.

© Andreas Rottensteiner / TT



Erl – Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat in der Causa Tiroler Festspiele Erl bisher keinen Grund für ein Ermittlungsverfahren gefunden. „Aus den online erhobenen Vorwürfen gegen den künstlerischen Leiter Gustav Kuhn und aus jenem Mail, das uns das Land Tirol übermittelt hat, ergibt sich kein Anfangsverdacht“, sagt Hansjörg Mayr, der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Noch bis nächste Woche dauert nach den Worten Mayrs die Prüfung jener Anzeige, die der Künstlerverein „Art but fair“ gegen Kuhn erstattet hat.

Wie berichtet, sieht sich Festspielgründer Kuhn mit einer Reihe von anonymen Anschuldigungen konfrontiert. Diese reichen von Dumpinglöhnen für das künstlerisch-musikalische Personal in Erl über despotisches Auftreten bis hin zu sexuellem Fehlverhalten gegenüber Künstlerinnen. Kuhn hat sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen. Er hat seinerseits Klage gegen den Betreiber einer Tiroler Online-Plattform eingebracht, auf der die Vorwürfe erhoben worden waren.

Der Fall Erl hat aber auch die Tiroler Landesregierung auf den Plan gerufen. Aus öffentlichen Mitteln werden die Festspiele im Tiroler Grenzort mit jährlich 1,15 Millionen Euro unterstützt.

Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) hat für gestern Abend in Wien den Vorstand der Stiftung Festspiele Erl zu einer außertourlichen Sitzung einberufen. Dieses Gremium umfasst neben Palfrader Sektionschef Jürgen Meindl vom Kulturministerium sowie den Industriellen und Stiftung-Erl-Inhaber Hans Peter Haselsteiner. Dieser hatte Festspielchef Kuhn mit scharfen Worten verteidigt und von einer „Verleumdungskampagne“ gesprochen.

Palfrader steckte ihre Zielrichtung vor der Sitzung ab. „Ich möchte eine unabhängige Kommission in Erl einsetzen, an die sich Künstlerinnen und Künstler wenden können“, so die Politikerin zur TT. Im Zusammenwirken mit der Staatsanwaltschaft sollen etwaige Vorwürfe dann geprüft werden. Die Landesrätin will die künstlerische Leitung in Erl noch heuer, spätestens aber 2019 neu ausschreiben. Der Vertrag des 72-jährigen Kuhn läuft aus. (mark)