Letztes Update am Mo, 07.05.2018 16:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Echo-Eklat

Antisemitismusbeauftragter fordert Preis für Campino

Für seine Rede bei der Echo-Verleihung sollte Tote-Hosen-Sänger Campino ausgezeichnet werden, fordert der Antisemitismusbeauftragte der deutschen Regierung.

Tote-Hosen-Sänger Campino bei der Echo-Gala 2018.

© AFPTote-Hosen-Sänger Campino bei der Echo-Gala 2018.



Berlin – Für seine Kritik bei der Echo-Gala an den Rappern Farid Bang und Kollegah hat Tote-Hosen-Sänger Campino nach den Worten des deutschen Antisemitismusbeauftragen einen Preis verdient. Mit seinen Worten gegen die als judenfeindlich kritisierten Texte der Rapper habe Campino „vielleicht sogar langfristig unsere Gesellschaft verändert“, sagte Felix Klein, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag).

Dem Antisemitismus seien „im Pop, in der Kunst, in der Gesellschaft neue Grenzen gesetzt“ worden. „Campino sollte für sein Engagement auf der Echo-Verleihung unbedingt gewürdigt werden, am besten mit dem Bundesverdienstkreuz“, sagte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung.

Bundespräsidialamt will Auszeichnung prüfen

Das Bundespräsidialamt zeigte sich offen für eine Auszeichnung. „Campino (Andreas Frege) ist bisher noch nicht mit dem Verdienstorden ausgezeichnet worden; auch einen entsprechenden Vorschlag hat es in der Vergangenheit noch nicht gegeben“, teilte dazu eine Sprecherin mit. „Die Ordenskanzlei des Bundespräsidialamtes ist dankbar für die Anregung des Antisemitismusbeauftragten und wird sie zusammen mit der örtlich zuständigen Staatskanzlei prüfen.“ Auch das Engagement gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus könne mit dem Verdienstorden ausgezeichnet werden.

Der 55 Jahre alte Punk-Rocker hatte bei der Feier des Bundesverbands Musikindustrie Mitte April angeprangert, dass mit Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“ in dem Album „Jung, brutal, Gutaussehend 3“ eine Grenze überschritten worden sei.

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Klein nannte die Echo-Gala „ein gemeinschaftliches Versagen“. Dass im Vorfeld der Verleihung kaum einer empört gewesen sei, habe etwas mit einer Verrohung der Gesellschaft zu tun. Es sei um Kommerz gegangen. „Aber wenn die Gefühle von Holocaust-Überlebenden verletzt werden, muss Schluss sein mit dem Geschäftemachen.“

„Grundlegende Reflexe der Gesellschaft funktionieren“

Klein hat sein Amt als Antisemitismusbeauftragter offiziell zum 1. Mai angetreten. Ende April hatte er das öffentliche Echo auf die Auszeichnung für die Rapper gewürdigt: „Der Fall der beiden Rapper und die darauf folgenden Reaktionen haben gezeigt, dass die grundlegenden Reflexe unserer Gesellschaft funktionieren.“

Der seit 1992 vergebene Musikpreis Echo wurde im Zuge der anschließenden Antisemitismusdebatte abgeschafft. Die Bertelsmann Music Group (BMG) trennte sich von Farid Bang und Kollegah.

Die beiden Rapper hatten trotz viel Kritik einen Echo bekommen. Etliche Musiker gaben ihre eigenen Preise aus Protest zurück.

Inzwischen haben Farid Bang und Kollegah eine Einladung des Internationalen Auschwitz-Komitees zum Besuch der KZ-Gedenkstätte angenommen. „Es soll eine Ehrerbietung gegenüber den Opfern und den Überlebenden sein“, hatte der geschäftsführende Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, gesagt. (APA/dpa)