Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.07.2018


Innsbruck-Land

Der Garten, in dem Wörter sprießen

Zum zweiten Mal haben Helmut und Maria Wiederin ihren „Lesegarten“ in Axams für Schulklassen geöffnet – eine kleine kreative Wunderwelt.

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© Wiederin



Von Michael Domanig

Axams – Theresa liegt konzentriert im Gras und feilt an einer spannenden Geschichte über ein gruseliges Baumhaus. Ein paar Meter entfernt diskutieren Simon und Leo eifrig über die Handlung für ein Kasperltheaterstück. Und wieder nur wenige Schritte weiter geben mehrere Kinder gerade eine spontane – und sehr lustige – Theatervorführung mit Handpuppen. Keine Frage: Dieser Garten am Axamer Moosweg ist ein Hort der Kreativität. Und genau als solcher ist er auch gedacht.

Unter dem Motto „Gartenlesen – Lesegarten“ haben Maria und Helmut Wiederin ihr kleines Paradies heuer zum zweiten Mal für Schulen geöffnet. Fünf Volksschulklassen aus Axams und Birgitz folgten der Einladung – und erlebten den etwas anderen Garten als idealen Raum für den spielerischen Umgang mit Sprache, für das Malen und Zeichnen, Spielen und Musizieren.

„Gartenlesen heißt nicht nur im Garten lesen, sondern auch den Garten lesen“, erklärt Wiederin die Grundidee. Es gebe dort vieles zu erleben – zu sehen, zu hören, zu riechen, zu erschmecken und zu ertasten. Gerade das haptische und taktile Erleben komme heute oft zu kurz. Es gehe also um die Sensibilisierung der Kinder, sagt Wiederin, der das Thema Bildung selbst aus allen Blickwinkeln kennen gelernt hat: Er arbeitete als Volksschullehrer, leitete das Institut für Sozialpädagogik in Stams, war über 20 Jahre in der Lehrerausbildung tätig und wirkte im Unterrichtsministerium an der Erstellung von Lehrplänen mit.

Und so ließen sich die Kinder im und vom „Lesegarten“ zu vielen Kurzgeschichten, Gedichten und Zeichnungen inspirieren, die dann vor Ort aufgehängt und ausgestellt wurden (etwa an einer eigenen „Wörterwand“).

Für das freie Spiel der Ideen ist der Garten der Wiederins denkbar gut geeignet, steckt er doch voller Überraschungen: Neben der üppig wuchernden Natur – ein Gegenentwurf zu streng getrimmten Gärten – findet man dort Spielgeräte, ein Baumhaus, eine Bibliothek mit Büchern (und der TT), selbst gebaute Musikinstrumente sowie Skulpturen hinter jeder Ecke. „In diesem Garten darf alles wachsen“, fasst Wiederin zusammen.




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