Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.07.2018


Exklusiv

Kabarettist Koschuh in Going wieder ausgeladen

© Thomas Boehm / TTIn Going nun doch nicht zu sehen: Markus Koschuh mit seinem Programm „Hochsaison – Der Letzte macht das Licht aus“.Foto: Böhm



Von Markus Schramek

Going, Innsbruck — Ein Bequemer ist Kabarettist Markus Koschuh nicht. Er eckt an und hält dem Land den Spiegel vor. Darin sind Auswüchse von Tirols Gesellschaft, Politik und Tourismus zu erblicken.

Der Kulturausschuss der Gemeinde Going am Wilden Kaiser wollte Koschuh mit seinem Programm „Hochsaison — Der Letzte macht das Licht aus" nach Going holen. Termin und Saal waren für den 4. Oktober gebucht. Das geschah im Mai. Doch jetzt erfolgte telefonisch die Absage. Man will Koschuh doch nicht auf Gemeindekosten (das Gastspiel würde 1800 Euro kosten) auftreten lassen.

Der Kabarettist reagiert empört. Er ortet hinter der Ausladung massive Interventionen des Tourismusverbandes (TVB) und von Seilbahnern beim Bürgermeister. Sogar einen Anruf aus der Landesregierung habe es in Going gegeben, mit dem Hinweis, den Auftritt abzublasen. „Das ist politische Zensur in Reinkultur", ist Koschuh sauer.

Eine Darstellung, die TVB-Regionsobmann Hans Adelsberger weit von sich weist. „Ich habe Koschuh sicher nicht ausgeladen." Er sei lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass es im Tourismus Dinge gibt, die man kritisieren kann. „Wir haben auch den Felix Mitterer ausgehalten", sagt Adelsberger. Er habe in Sachen Koschuh lediglich einen Anruf des Bürgermeisters erhalten. Dieser fragte an, ob er, Adelsberger, wisse, was Koschuh eigentlich für ein Programm biete. „Ich kannte Koschuh aber nicht", gesteht Adelsberger.

Bürgermeister Alexander Hochfilzer redet auch gar nicht lange um den heißen Brei herum. „Ich habe Koschuh auch nicht gekannt", sagt der Ortschef. Nach dem Studium von YouTube-Videos mit Szenenausschnitten sei man zur Erkenntnis gelangt, „dass wir dafür kein öffentliches Geld ausgeben wollen". Eine Weisung vom Land habe es nicht gegeben. Die Gemeinde lege aber großen Wert auf gutes Einvernehmen mit den Seilbahnern, dem Tourismus und der Landesregierung. „Beim Land werden sie keine Freude haben, wenn bei uns jemand auftritt, der scharf gegen die Regierung schießt", sagt Hochfilzer als Begründung für die Absage. „Nächstes Mal müssen wir uns eben vorher besser informieren, bevor wir einen Künstler engagieren."

Koschuh ist fassungslos: „Kabarett muss in Tirol möglich sein. Wenn jemand ein Ausweichlokal in Going weiß, bitte melden."