Letztes Update am Do, 19.07.2018 10:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Isabelle Brandauer: „Kaiser Max Leben einhauchen“

Isabelle Brandauer koordiniert den Veranstaltungsreigen zum Kaiser-Maximilian-Jahr 2019. Sie erläutert die Zielsetzung und warum das Programm nicht zu übersehen sein wird.

Isabelle Brandauer ist seit Juli 2017 mit der Planung des Maximilian-Jahres beschäftigt.

© BrandlhuberIsabelle Brandauer ist seit Juli 2017 mit der Planung des Maximilian-Jahres beschäftigt.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Vor Isabelle Brandauer liegt eine Termin- übersicht in Tabellenform: 75 Programmpunkte mit Schwerpunkt 2019. Allesamt sind sie Kaiser Maximilian I. gewidmet. Land Tirol und Stadt Innsbruck feiern den 500. Todestag des Habsburger Herrschers nächstes Jahr ziemlich ausgiebig. 5,1 Millionen Euro beträgt das Budget für einen Veranstaltungsreigen unter dem Motto „Maximilian I. – Tiroler im Herzen, Europäer im Geiste“. Brandauer, 38, koordiniert das Kaiser-Max-Jahr. Die studierte Historikerin hat im Umgang mit Großprojekten Erfahrung. Von 2007 bis 2011 begleitete sie die nicht unumstrittene Übersiedlung des Riesenrundgemäldes von der Rotunde am Inn ins Tirol Panorama am Standort Berg­isel. Im TT-Gespräch schildert die St. Johannerin den Stand der Vorarbeiten für das Maximilian-Jahr.

Frau Brandauer, haben Sie sofort „Hier!“ gerufen, als eine Koordinatorin für das Maximilian-Jahr gesucht wurde?

Isabelle Brandauer: Ich habe nur kurz überlegt. Denn die Person Maximilians fasziniert mich. Er war der erste Herrscher, der sich als Europäer bezeichnet hat. Das ist gerade aus heutiger Sicht, mit den Debatten über die EU, sehr aktuell. Maximilian hat Tirol geprägt wie kein Zweiter. Er hat Kunst und Wissenschaft gefördert und in Innsbruck, seiner Residenzstadt, viele Spuren hinterlassen wie das Goldene Dachl, das Zeughaus, die Hofkirche und die Hofburg. Er war allerdings kein Friedens-Kaiser: Unter seiner Regentschaft wurden zahlreiche Kriege ausgetragen. Und er hat einen großen Schuldenberg hinterlassen.

Die Veranstaltungen beginnen schon Ende 2018. Dann folgen Konzerte, Ausstellungen, Theater, Musik, Feste. Das Programm ist breit angelegt – pointiert könnte man es auch ein Sammelsurium nennen. Was ist die eigentliche Zielsetzung?

Brandauer: Im nächsten Jahr soll niemand an Maximilian vorbeikommen. Das ist unser Ziel. Wir wollen seiner Person neues Leben einhauchen. Das Programm ist bewusst niederschwellig, jeder soll dabei sein können. Natürlich erwarten wir uns auch, dass die Aufmerksamkeit für Tirol und Innsbruck erhöht wird. Übersehen werden kann das Maximilian-Jahr aber ohnehin nicht. Dafür sorgt schon das Projekt „Kunst im öffentlichen Raum“. Wir haben 50 Einreichungen von Kunstwerken mit Bezug zu Maximilian. Derzeit trifft die Jury die Endauswahl und legt die Aufstellungsorte fest.

Was sind die Programm-Highlights aus Ihrer Sicht?

Brandauer: Die Multimediashow ab November 2018 ist sicher ein Highlight. Hier werden Stationen aus Maximilians Leben in 3D-Technik an die Wände des Innenhofs der Innsbrucker Hofburg projiziert. Es gibt aber so viele interessante Angebote, etwa „Die 7 Leben des Maximilian“. Im Juni 2019 wird an sieben Orten im ganzen Land, von Lienz bis Altfinstermünz, Musiktheater geboten. Laien und Profis arbeiten zusammen. Musikkapellen und Chöre sind genauso beteiligt wie Profimusiker vom Schlage der Gruppe Franui. Die Maximilian-Ausstellung in der Hofburg startet im Mai. Auf Schloss Tirol bei Meran in Südtirol folgt ab Juli 2019 eine weitere Maximilian-Schau. Und Felix Mitterer arbeitet an einem speziellen Stück, das nächsten August in Schwaz uraufgeführt wird.

Wie wollen Sie jüngeres Publikum für den „Tiroler Kaiser“ begeistern?

Brandauer: Es wird ein Musiktheater speziell für Kinder geben, „Der Junge in der weißen Rüstung“, lautet der Titel. Graffiti-Künstler HNRX wird, passenderweise, in der Maximilianstraße in Innsbruck eine großflächige Wand gestalten. Das Familienfest im Zeughaus im Mai ist Maximilian gewidmet. Und im Sommer kommen Jugendliche aus anderen europäischen Ländern nach Innsbruck, um über die Entwicklung der Demokratie zu diskutieren, mit Maximilian als Ausgangspunkt. Das sind nur einige Beispiele.

Was wird von den vielen Veranstaltungen bleiben?

Brandauer: Wir legen großen Wert darauf, dass nicht einfach viel Geld ausgegeben wird, sondern dass bleibende Werte geschaffen werden. Die eigens verfassten Theater- und Musikstücke, wissenschaftliche Forschung und Grabungen oder die Gestaltung des Wanderwegs zur Kaiser-Max-Grotte in Zirl: Das alles bleibt erhalten. In Summe ist ein Drittel des Programms als nachhaltig zu bezeichnen.

Auf der Internetseite zum Maximilian-Jahr ist von vielen der von Ihnen genannten Veranstaltungen noch nichts zu sehen. Warum ist das so?

Brandauer: Es kann noch Änderungen und Ergänzungen geben, das ist der Grund. Wir sind überrascht, wie viele Menschen einen Beitrag zum Maximilian-Jahr leisten wollen, auch Schulen haben sich gemeldet. Wir werden nach dem Sommer eine groß angelegte Info-Initiative mit den Programminhalten starten. Noch ist es dafür zu früh. Aber wie gesagt: Das Maximilian-Jahr wird in Tirol nicht zu übersehen sein.