Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.10.2018


Exklusiv

Kuhn-Nachfolge: Frankfurter Bernd Loebe neuer Chef der Festspiele Erl?

Der Nachfolger Gustav Kuhns wird nächste Woche bekannt gegeben. Angeblich fiel die Wahl auf den Frankfurter Opernintendanten Bernd Loebe. Zu den Vorwürfen gegen Kuhn finden am 14. November Einvernahmen statt.

© imago/epdBernd Loebe soll Gustav Kuhn in Erl beerben.



Von Markus Schramek

Erl, Frankfurt – Die Zeit Gustav Kuhns in Erl geht zu Ende. Und zwar unabhängig davon, wie die Causa um die sexuellen Übergriffe endet, die Kuhn von mehreren Künstlerinnen zur Last gelegt werden.

Kuhn ist 73, seine Nachfolg­e wurde im Frühjahr ausgeschrieben. Erl-Präsident Hans Peter Haselsteiner wird den neuen Intendanten kommende Woche vorstellen.

Die Hinweise verdichten sich, dass Bernd Loebe neuer Chef der Festspiele Erl wird. Der 65-jährige Deutsche leitet seit 2002 die Oper Frankfurt und steht dort noch bis 2023 unter Vertrag. Loebe soll die Festspiele Erl zusätzlich zu seinem Engagement in Hessen übernehmen. Bestätigt wurde dies noch nicht. Eine Anfrage bei Loebe in Frankfurt blieb unbeantwortet.

In Erl ist der Zeitdruck groß. Die Winterfestspiele müssen umgeplant werden – ohn­e Kuhn. Der Maestro ist als Künstlerischer Leiter (seit 31. Juli) und als Dirigent (seit 21. September) beurlaubt, bis zur Klärung der schweren Vorwürfe gegen ihn. Für die Winterfestspiele wurde fieberhaft nach Dirigenten gesucht. Haselsteiner will auch diese nächste Woche präsentieren. Die Verträge sind aber noch nicht unterschrieben.

Ob Maestro Kuhn, dessen Vertrag erst im Sommer 2020 ausläuft, in Erl je wieder in leitender Funktion in Erscheinung tritt, ist offen. Die völlige Rehabilitierung Kuhns ist Voraussetzung dafür.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in der Sache noch, „mindestens ein Monat“, wie es dort heißt. Auch die Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt ist mit der Causa Kuhn befasst. Sie hat für 14. November Zeugen zur Einvernahme nach Wien geladen, künstlerisches Personal und frühere Mitarbeiter. Ebenfalls vorgeladen sind Erl-Ombudsfrau Christine Baur und Natascha Müllauer, die Kaufmännische Geschäftsführerin der Festspiele Erl.

Müllauer sollte zunächst bei der Befragung der Auskunftspersonen mit dabei sein. Eine schwierige Konstellation, wenn Mitarbeiter in Gegenwart einer Vorgesetzten aussagen sollen. Müllauer ist sich dessen bewusst. Sie werde bei der Anhörung der Zeuginnen und Zeugen nicht anwesend sein, betont Müllauer gegenüber der TT. Dies sei für sie selbstverständlich, „wenn es für eine möglichst unbefangene Aussage der Auskunftspersonen hilfreich ist“. Nach Wien fahre sie nur für ihre eigene Anhörung.

Noch immer kursieren Erl- Programme, in denen Kuhn als Künstlerischer Leiter aufscheint. „Diese Drucksorten stammen aus dem Frühjahr“, betont Festspiel-Sprecherin Angelika Ruge. Sobald die Ersatzdirigenten feststehen, würden neue Programme gedruckt. Aber auch auf der Erl-Webseite scheint Kuhn (Stand gestern) bei Konzerten Anfang Jänner 2019 weiter als Musikalischer Leiter auf.

Seit Kuhns Beurlaubung fungiert Andreas Leisner interimistisch als Künstlerischer Leiter in Erl. Leisner hatte zuletzt Anzeichen geortet, wonach Medien Geld für Aussagen gegen Kuhn geboten hätten. Er nannte dabei das profil – worauf das Magazin mit Klage drohte. Leisner werde seine Aussagen nicht widerrufen, sagt Erl-Sprecherin Ruge. Er könne seine Behauptungen beweisen.