Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Exklusiv

Landesmuseum: Die Qual der Wahl zwischen fünf Kandidaten

Wer Museumsdirektor Wolfgang Meighörner als Direktor der Tiroler Landesmuseen beerben wird, entscheidet sich am kommenden Montag.

© Foto TT / Rudy De MoorFünf KandidatInnen sind im Rennen als zukünftige Hausherrin bzw. neuer Hausherr im altehrwürdigen Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Der kommende Montag ist der Lostag bezüglich der näheren Zukunft der Tiroler Landesmuseen. Denn dann findet das Hearing jener fünf Kandidaten statt, die vor einer Jury, der u. a. die Noch-Direktorin des Wiener Kunsthistorischen Museums, Sabine Haag, sowie je ein vom Land Tirol und dem Verein Tiroler Landesmuseum – den Gesellschaftern der Museums GmbH – entsandter Vertreter angehören, darzulegen haben, wie sie sich die landesmuseale Zukunft vorstellen.

Die fünf sind von jenen 19 übrig geblieben, die sich um die Nachfolge von Wolfgang Meighörner als Museumsdirektor beworben haben. Die Namen der Kandidaten werden streng geheim gehalten, in der Gerüchteküche brodelt es allerdings. Scheinbarer Wunschkandidat von Land wie Museumsverein soll Peter Assmann sein, langjähriger Leiter der Oberösterreichischen Landesmuseen und seit 2015 Direktor des Museums Palazzo Ducale in Mantua. Der promovierte Kunsthistoriker ist 55 Jahre alt und gebürtiger Zammer. Unter Assmanns Leitung wurde der Palazzo Ducale mit 363.000 Besuchern zum elftmeist besuchten Museum Italiens.

Das Landesmuseum könnte mit Verena Konrad weiblich werden.
- APA/HERBERT NEUBAUER
Würde das Museum gern sanieren: Ex-Kunsthalle-Wien-Chef Gerald Matt.
- APA/HERBERT NEUBAUER
Für viele der neue Direktor der Tiroler Landesmuseen: Peter Assmann.
- APA/RUBRA

Heißer Konkurrent des soliden, aber als etwas langweilig geltenden Museumsmanns Assmann ist Gerald Matt, der ehemalige Leiter der Kunsthalle Wien. Der 60-jährige studierte Jurist wurde 2012 nach Vorwürfen u. a. wegen Veruntreuung, illegaler Vermittlung von Staatsbürgerschaften und Förderungsmissbrauch – die sich nach einem Ermittlungsverfahren als komplett haltlos herausstellten – suspendiert. Nach Jahren, in denen er mit großem Erfolg die Wiener Kunsthalle aufgebaut und mit international beachteten Ausstellungen bespielt hatte. Der nun in Wien als Kulturmanager umtriebige Matt, dem ein Ruf als Visionär wie als Egomane vorauseilt, bestätigt indirekt seine Bewerbung um den Posten des Direktors der Tiroler Landesmuseen. Was ihn interessiere, sei entweder ein international renommiertes Haus oder ein Sanierungsfall, so Matt. Und Letzteres ist das Ferdinandeum nicht nur seiner Meinung nach auf jeden Fall.

Ebenfalls als Kandidatin gehandelt wird Verena Konrad, seit 2013 Leiterin des Vorarlberger Architekturinstituts in Dornbirn, die auch Österreich-Kommissärin der heurigen Architekturbiennale von Venedig war. Die 39-jährige Oberösterreicherin hat nach ihrem Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Theologie in Innsbruck Ausstellungen in der Taxisgalerie und – in der Ära von Gerald Matt – in der Kunsthalle Wien kuratiert sowie zwei Jahre lang die Innsbrucker Premierentage organisiert. Konrad gilt als begnadete Teamspielerin mit eiserner Disziplin. Einen Bericht der Vorarlberger Nachrichten, der sie als Favoritin auf die Meighörner-Nachfolge bezeichnete, hat Konrad gestern via Facebook dementiert. Sie habe sich nicht für den Posten beworben, schreibt sie.

Als mögliche Direktorin der Landesmuseen ins Spiel gebracht wird auch Lisa Trockner, seit 2006 Geschäftsführerin des Südtiroler Künstlerbunds und besonders am Zeitgenössischen interessierte Kuratorin.

Der Vertrag des Militärhistorikers Wolfgang Meighörner, der ursprünglich auf Wunsch von Kulturlandesrätin Beate Palfrader bis 2023 hätte verlängert werden sollen, endet 2019. Grund: Seine Aussagen über den zukünftigen Kurs der Landesmuseen in einem TT-Interview, die sowohl der Landesrätin als auch Barbara Psenner, der Obfrau des Museumsvereins, nicht „geschmeckt“ haben. Gerüchten zufolge aber vielleicht auch nur der Anlass, den vielfach Ungeliebten loszuwerden.


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