Letztes Update am Mi, 14.11.2018 07:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tiroler Landesmuseen

Neuer Landesmuseenchef Assmann: „Ein Wechsel in aller Wertschätzung“

Peter Assmann wurde erwartungsgemäß zum neuen Chef der Landesmuseen bestellt. Ein Gespräch über die künftige Ausrichtung des Ferdinandeums und die Zusammenarbeit mit dem scheidenden Direktor Meighörner.

Der neue Museumsdirektor Peter Assmann will aus dem Ferdinandeum einen attraktiven Ort der Begegnung machen.

© APADer neue Museumsdirektor Peter Assmann will aus dem Ferdinandeum einen attraktiven Ort der Begegnung machen.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Favorit zu sein birgt die Gefahr des Favoritensterbens, vor allem, wenn es um die Vergabe von Spitzenjobs geht. Doch in diesem Fall setzte sich der logische Kandidat tatsächlich durch: Peter Assmann wurde gestern zum neuen Chef der Tiroler Landesmuseen erkoren. Im Hearing der fünf bestgereihten Bewerber überzeugte der 55-Jährige die Expertenjury.

Der aus Zams gebürtige Kunstgeschichte-Doktor Assmann leitet noch bis Ende Oktober 2019 das Museum Palazzo Ducale in Mantua. Mit 1. November 2019 tritt er offiziell den Dienst in Innsbruck an. Er beerbt den amtierenden Direktor Wolfgang Meighörner, dessen Vertrag Ende 2019 ausläuft. Meighörner hatte sich mit kritischen Kommentaren in Richtung der beiden mächtigen Museumsverantwortlichen – Kulturlandesrätin Beate Palfrader für das Land Tirol sowie Museumsobfrau Barbara Psenner – ins Abseits befördert.

Auf Werkvertragsbasis wird Assmann schon mit Jänner 2019 in die wesentlichen Entscheidungen für die fünf Landesmuseen (Ferdinandeum, Tirol Panorama, Volkskunstmuseum, Hofkirche, Zeughaus) eingebunden.

„Die Neuaufstellung des Landesmuseums Ferdinandeum, das 2023 den 200. Jahrestag seiner Gründung feiert, ist eine der Hauptaufgaben“, gibt Landesrätin Palfrader dem Neuen die Richtung vor. Sie und Psenner würdigen Assmann als „anerkannten Museumsexperten und Kulturmanager mit einem hervorragenden Netzwerk im In- und Ausland“.

Zu seinen Plänen für die als verstaubt geltende Tiroler Museumswelt hat die TT den designierten Direktor im folgenden Interview befragt.

Gratulation zur Bestellung! War es leicht für Sie, Ihre jetzige Wirkungsstätte in Mantua aufzugeben?

Peter Assmann: Nein, ich gehe nicht leichten Herzens weg aus Mantua. Es war ein Nachdenkprozess über Monate, ob ich mich für Innsbruck bewerben soll. Als Tiroler schließt sich für mich jetzt aber der Kreis: Ich kehre zurück in die Heimat. Die Landesmuseen neu zu organisieren, ist kein Job, sondern eine schöne Herausforderung.

Die Neuaufstellung des Ferdinandeums wurde Ihnen zur Bestellung mit ins Pflichtenheft gegeben. Was darf man sich unter diesem oft strapazierten Schlagwort vorstellen?

Assmann: Ich möchte das Landesmuseum Ferdinandeum als „Haus der Kunst“ positionieren. Die Vermittlung von Kunst, ohne elitäres Denken, ist mein zentrales Anliegen. Dazu muss das Ferdinandeum ein attraktiver Ort der Begegnung werden, ein Treffpunkt, ein Veranstaltungshaus, gemütlich und einladend, dazu zählt auch ein ansprechendes Museums-Café. Für jeden Einheimischen oder Gast soll es wie selbstverständlich sein, im Museum vorbeizuschauen.

Ob Sie damit Erfolg haben, wird auch an den Besucherzahlen gemessen. Planen Sie Ausstellungen mit großer Zugkraft, um die Frequenz zu erhöhen, wie etwa die Albertina in Wien?

Assmann: Eine Mini-Albertina werden wir aus dem Ferdinandeum nicht machen. Dazu fehlt uns die Substanz. Für eine Monet-Ausstellung wie in der Albertina bräuchten wir zahlungskräftige Sponsoren. Vielleicht wissen Sie welche? Aber Scherz beiseite: Mit dem Ferdinandeum möchte ich etwas Eigenständiges machen. Natürlich sind große Künstlernamen bei Ausstellungen hilfreich. Das behalte ich schon auch im Auge.

Sie werden bis Ende 2019 parallel mit dem bis dahin noch amtierenden Museumsdirektor Wolfgang Meighörner arbeiten. Kennen Sie ihn?

Assmann: Ich kenne Meighörner aus meiner Zeit als Direktor der Oberösterreichischen Landesmuseen (2000 bis 2013, Anm.) sehr gut. Er hat damals im Museumsbund immer sehr eifrig mitgearbeitet. Wir werden einen Wechsel in aller Wertschätzung zustande bringen. Meine Bewerbung hat nichts mit Meighörners Abgang zu tun. Ich bin kein „Kollegenmörder“.

Die wesentlichen Weichenstellungen werden aber schon Sie vornehmen, bevor Sie mit 1. November 2019 offiziell das Chefbüro im Landesmuseum beziehen?

Assmann: Alle Entscheidungen, die mit der Zukunft der Landesmuseen zu tun haben, werden in Abstimmung mit mir erfolgen, sonst werden diese Entscheidungen nicht viel Zukunft in sich tragen.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Assmann: Ich wurde als „langweiliger Museumsmann“ bezeichnet. Das bin ich sicher nicht. Das werden Sie noch sehen. Ich bin weder ein Zampano noch Everybody’s Darling, sondern ein Teamspieler, jedenfalls das Gegenteil von einem Offizier. Letztlich treffe aber ich die Entscheidungen. Wie man zu diesen Entscheidungen kommt, ist ein gemeinsamer Prozess. Es gilt, all jene Kräfte, denen an den Museen des Landes gelegen ist, einzubinden.

Ihr gestern unterzeichneter Vertrag hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Wie hoch ist Ihre Gage?

Assmann: Mein Gehalt liegt im Bereich von jenem des Herrn Meighörner. Es stimmt, der Vertrag wurde für fünf Jahre abgeschlossen, mit einer Option auf Verlängerung um fünf weitere Jahre. Mein Wunsch ist es, in zehn Jahren in Tirol in Pension zu gehen. Dann bin ich 65.