Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.01.2019


Exklusiv

“Kooperation beendet“: Erl stoppt Zahlungen nach Italien

Der Geldfluss zwischen den Tiroler Festspielen und Gustav Kuhns Ausbildungsstätte im Süden war weit stärker als angenommen.

Neue Details in der Aufarbeitung der Causa Festspiele Erl.

© Tiroler Festspiele ErlNeue Details in der Aufarbeitung der Causa Festspiele Erl.



Von Markus Schramek

Erl – Die Causa Festspiele Erl ist immer noch für Überraschungen gut. Eine Anfragebeantwortung von Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) an den Landtagsabgeordneten Markus Sint (Liste Fritz) zeigt nun das Ausmaß der Geldflüsse zwischen Erl und Italien auf.

Es gab nach Darstellung Palfraders zwei Zahlungsströme. 10.000 Euro berappten die Festspiele seit Mai 2014 allmonatlich als „Mitgliedsbeitrag“ an die Accademia di Montegral. Dies ist eine Künstler-Ausbildungsstätte, die Gustav Kuhn, der unter massiven Vorwürfen zurückgetretene Ex-Intendant von Erl, in einem Kloster in Lucca in der Toskana betreibt.

Zusätzlich wurden pro Jahr Beträge zwischen rund 20.000 und 79.000 Euro an eine Agentur in Neapel überwiesen. Palfraders Zahlen umfassen die Jahre 2011/12 bis 2016/17. In diesem Zeitraum flossen aus dem Festspielbudget in Summe 242.737 Euro nach Neapel.

Kuhns Lebensgefährtin ist eine der Geschäftsführerinnen dieser Agentur. Was war deren Leistung? Laut Palfrader fungierte die Agentur „als Veranstalter von Workshops für die Festspiele Erl im Kloster der Accademia di Montegral“. Diese konnte, weil ein gemeinnütziger Verein, keine Kosten weiterverrechnen.

Die TT ließ sich vom Festspielbüro Erl das Konstrukt Lucca/Neapel erklären. Demnach wurde die Agentur gegründet, um Erl Rechnungen stellen zu können – für „zusätzliche Leistungen“, die bei der künstlerischen Arbeit in Lucca anfielen: Übernachtungs- und Betriebskosten, Catering, Reinigung.

Der Geldfluss zwischen Erl und Italien ist inzwischen dauerhaft gestoppt. Sämtliche Zahlungen wurden per 31.12.2018 eingestellt, „die Kooperation beendet“, wie es Palfrader formuliert: kein Mitgliedsbeitrag mehr für die Accademia und keine Überweisungen mehr nach Neapel. Der Stiftungsvorstand Erl, bestehend aus Palfrader, Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner und Jürgen Meindl als Vertreter des Bundes, habe dies angeordnet. Zunächst wurde angenommen, dass aus vertraglichen Gründen Zahlungen noch bis Herbst 2019 zu leisten seien.

LA Sint ist empört über die aufgedeckten Zahlungsflüsse: „Erl wird von Bund und Land mit je 1,15 Millionen Euro Steuergeld pro Jahr gefördert. Also sind auch Steuergelder nach Italien geflossen!“ Es sei ein starkes Stück, dass die Fördergeber diese Praxis über Jahre stillschweigend toleriert hätten, wettert Sint.