Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.04.2019


Kulturpolitik

Übernahme der Taxisgalerie: Eingliederung wäre „absolut fatal“

Die angedachte Übernahme der Taxisgalerie durch die Landesmuseen stößt auf Widerstand.

Die von Nina Tabassomi kuratierte Schau „Sex“ zählte mit wöchentlich rund 350 Besuchern zu den erfolgreichsten Taxispalais-Ausstellungen.

© KresserDie von Nina Tabassomi kuratierte Schau „Sex“ zählte mit wöchentlich rund 350 Besuchern zu den erfolgreichsten Taxispalais-Ausstellungen.



Innsbruck – Das vorzeitige Bekanntwerden eines Landesrechnungshofberichts (LRH), der organisatorische und strukturelle Mängel der Tiroler Landesgalerie im Innsbrucker Taxispalais beklagt, habe sie irritiert, sagte Galerieleiterin Nina Tabassomi auf Nachfrage der TT. Kommentieren werde sie den Bericht allerdings erst, wenn er offiziell vorliegt.

Wie berichtet, legt der Landesrechnungshof – wie schon 2006 – die Eingliederung der Kunsthalle in die Tiroler Landesmuseen nahe. Auch Kulturlandesrätin Beate Palfrader hat sich zuletzt dafür ausgesprochen. Seit Mai 2018 soll in der Landeskulturabteilung intensiv über diese Umstrukturierung nachgedacht werden.

Ein „absolut fatales“ Vorhaben, findet Irene Heisz (SPÖ), Vorsitzende des Kulturausschusses im Innsbrucker Gemeinderat. Gegenwartskunst, wie sie in der Taxisgalerie auf hohem internationalen Niveau gepflegt werde, lasse sich nicht einfach als Abteilung in die Landesmuseen eingliedern, so Heisz, die allerdings darauf hinweist, dass die Stadt nur am Rande in das Taxis­palais involviert ist: Das Palais in der Maria-Theresien-­Straße ist seit 1905 im Besitz des Landes, die seit 1964 dort beherbergte Galerie eine Dienststelle der Kulturabteilung der Landesregierung.

Man könne und solle über Synergien auf Ebene der Verwaltung sprechen, führt Heisz in ihrer Stellungnahme aus, programmatisch müsse die Galerie aber eigenständig bleiben. Die inhaltliche Eigen­ständigkeit spiele auch für das internationale Ansehen der Galerie eine zentrale Rolle. Ideal wäre laut Heisz die Umwandlung der Landesgalerie in eine GmbH mit eigenem Aufsichtsrat.

Nina Tabassomi, seit 2017 Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der landeseigenen Galerie, dürfte die angedachte Eingliederung ähnlich kritisch sehen. Der LRH-Bericht verweist auf eine Stellungnahme Tabassomis, in der sie davon ausgeht, dass die Einbettung der Galerie in die Landesmuseen das Profil beide­r Institutionen schwächen und die „gut aufgestellte Tiroler Kunst- und Kulturszen­e gefährden“ dürfte.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch der Vorstand des Freundesvereins der Galerie: „Zentralisierungsbestrebungen haben oft genug nicht das erhoffte Bündeln von Ressourcen gezeigt. Meist führten diese zu starren und vor allem uneffektiv arbeitenden Großapparaturen mit wenig Handlungsspielraum“, heißt es dazu in einer schriftlichen Stellungnahme.

Zudem legt der Vorstand des 233 Mitglieder starken Freundeskreises Wert auf die Feststellung, dass diese die Veranstaltungen der Galerie nicht gratis besuchen, sondern der freie Zugang mittels eines jährlichen Mitgliedsbeitrags erworben wird. Dieser beträgt im Regelsatz 20 Euro, kommt allerdings nicht dem Taxispalais zu, sondern dient laut TT-Informationen vornehmlich der Selbsterhaltung des privaten Vereins. (jole)