Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.06.2019


Tirol

Festspiele Erl: Rechnungshof pocht auf Kontrolle

Festspiel-Prüfung liegt vor: Comeback für Aufsichtsrat, Mahnung zur Transparenz beim Umgang mit Landesgeld.

Der Rechnungshof ist im Festspielhaus Erl vorstellig geworden.

© Peter KitzbichlerDer Rechnungshof ist im Festspielhaus Erl vorstellig geworden.



Innsbruck, Erl – Der Landesrechnungshof (LRH) hat sein prüfendes Auge auf die Tiroler Festspiele Erl geworfen. Der Rohbericht liegt vor. Brisant wie die Causa nach dem Rücktritt von Langzeitintendant Gustav Kuhn nun einmal ist, machen die Inhalte des Berichts schon die Runde.

Der LRH hat sich angesehen, wie jene 1,15 Millionen Euro verwendet wurden, die das Land Tirol jährlich zum Fünf-Millionen-Budget in Erl zuschießt (1,15 Millionen bezahlt der Bund, den Rest Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner). Vertrauen ist das eine, Kontrolle aber ist viel besser: So könnte man die Empfehlungen des LRH zusammenfassen. Denn zum einen pochen die Prüfer auf eine zusätzliche Kontrollinstanz in Erl. Ein Aufsichtsrat mit fachlich versierten Beamten soll die Arbeit der Festspiel GesmbH begleiten.

Bisher fungierte der Stiftungsvorstand – bestehend aus Stiftung-Erl-Inhaber Haselsteiner, Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) für das Land Tirol und Jürgen Meindl für den Bund – als einziges Kontrollorgan. Einen Aufsichtsrat hatte es bis 2017 gegeben. Mit Umwandlung der Festspiele in eine Stiftung wurde dieser aber abgeschafft.

Die zweite Empfehlung des LRH dürfte noch für politische Debatten sorgen. Denn die Prüfer regen mit Nachdruck an, dass die Festspiele verpflichtet werden, einen „Verwendungsnachweis“ vorzulegen. Übersetzt heißt das, dass dargelegt werden muss, wofür die Landesförderung konkret ausgegeben wurde.

Pikantes Detail dazu: Der Bund hatte sich den Verwendungsnachweis für seine Förderung bei der Stiftungsgründung ausbedungen (im „Sideletter“ zur Stiftungsurkunde). Das Land hatte das peinlicherweise verabsäumt.

Landesrätin Palfrader bestätigt auf Anfrage die beiden zentralen Forderungen des LRH. Sie stehe diesen positiv gegenüber und orte im Rohbericht auch bereits Erledigtes, umgesetzt als Folge der Causa Kuhn. So müssten private Rechnungen und Spesen der Geschäftsführung seit Oktober 2018 zweifach genehmigt und unterzeichnet werden, vom Intendanten und von der kaufmännischen Leitung. Der LRH hatte Rechnungen beanstandet, bei denen ein Zusammenhang mit den Festspielen nicht unmittelbar ersichtlich war.

Laut Palfrader reichen 1,15 Millionen Euro Zuschuss aus dem Landesetat für Erl ab dem Budget 2020 nicht mehr aus. Einer der Gründe: Gustav Kuhn habe kein Gehalt direkt aus dem Erl-Budget bezogen, der neue Intendant Bernd Loebe natürlich aber schon.

Der LRH sieht indes einnahmenseitig in Erl noch Potenzial. 16 Prozent der Tickets sind Freikarten, in früheren Jahren sind es sogar bis zu 29 Prozent gewesen. (mark)