Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.06.2019


Kulturpolitik

Heftige Nachwehen des Erl-Berichts

Nach der Rechnungshofprüfung der Festspiele knöpft sich die Opposition Platter und Palfrader vor.

Aus dem Archiv: LH Platter und Landesrätin Palfrader posieren mit Ex-Intendant Kuhn. Die politische Aufarbeitung der Causa Erl dauert an.

© FögerAus dem Archiv: LH Platter und Landesrätin Palfrader posieren mit Ex-Intendant Kuhn. Die politische Aufarbeitung der Causa Erl dauert an.



Innsbruck, Erl – Dankbarkeit erntet der Landesrechnungshof (LRH) mit seinen Prüfberichten selten. Die Causa Festspiele Erl tanzt auch in dieser Hinsicht aus der Reihe. Denn Natascha Müllauer, die kaufmännische Leiterin des Festspielbetriebes, ist froh über die Empfehlungen des LRH. „Ich empfinde die Prüfung als unterstützend. Dadurch sind die zu setzenden Maßnahmen klar und mit den Behörden abgestimmt“, meint Müllauer. Sie hat ihre Agenden in Erl im Vorjahr übernommen, am Höhepunkt der Affäre um Intendant Gustav Kuhn. Dieser trat zurück, nachdem ihm Künstlerinnen sexuelle Übergriffe vorgeworfen hatten. Für Kuhn gilt die Unschuldsvermutung.

Die Aufarbeitung der Ära Kuhn dauert indessen an. Der Prüfbericht des LRH, in der Rohfassung vorliegend, ist dazu ein Beitrag. Wie berichtet, verlangt der LRH in Erl zwei Maßnahmen: die Wiedereinsetzung eines Aufsichtsrats zur Kontrolle sowie den lückenlosen Nachweis darüber, wie die jährliche Förderung des Landes, 1,15 Millionen Euro, verwendet wird.

In letzterem Punkt ist die Optik für die Landesregierung dürftig. Sie hatte es verabsäumt, Erl den Verwendungsnachweis schon 2017, bei der Umwandlung der Festspiele in eine Privatstiftung, vorzuschreiben. Der Bund, er steuert ebenfalls 1,15 Mio. Euro bei, hatte dies schon getan.

Private Rechnungen und Spesen der Geschäftsführung in Erl werden seit Ende 2018 nach dem Vier-Augen-Prinzip zweifach abgesegnet, von der künstlerischen und der kaufmännischen Leitung. Der LRH hatte zuvor Rechnungen gefunden, die keinen klaren Zusammenhang mit den Festspielen erkennen ließen.

Hier hakt Gebi Mair ein, der Klubchef der Grünen (die bekanntlich mit der ÖVP in Tirol regieren). „Wurde die Heizölrechnung für Gustav Kuhns Privathaus tatsächlich von den Festspielen bezahlt, dann sollte sich das Land an Kuhn schadlos halten“, verlangt Mair. Dass die Verwendung der Landesförderung bisher nicht dokumentiert werden musste, kommentiert Mair so: „Da wurde im guten Glauben Geld überwiesen.“ Erl werde „schon im eigenen Interesse die Verwendung aber wohl nachweisen können“.

Schärfere Töne kommen von den Oppositionsparteien im Landtag. „Bei der Förderung gibt es Gleiche und Gleichere“, kritisiert LA Markus Sint (Liste Fritz). Während jeder kleine Verein Förderungen peinlichst genau abzurechnen habe, sei das in Erl nicht der Fall gewesen. „Das ist ein schweres Versäumnis von Kulturlandesrätin Beate Palfrader und LH Günther Platter, der für die Finanzen zuständig ist“, moniert Sint.

SPÖ-Vorsitzender und Klubobmann Georg Dornauer nimmt sich ebenfalls den ÖVP-Regierungschef zur Brust. Die Subventionspraxis der Festspiele sei „Ausdruck eines fürstlichen Gehabes Platters“, wettert Dornauer. Platter selbst nahm nicht gesondert Stellung. Er verwies auf Kollegin Palfrader. Diese begrüßt die vom LRH geforderten Maßnahmen. (mark)