Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.07.2019


Kulturpolitik

Wie viel Kontrolle brauchen die Festspiele Erl?

Land und Rechnungshof blitzen mit der Forderung nach einem Aufsichtsrat für die Festspiele bei Präsident Haselsteiner ab. Ex-Intendant Kuhn ließ dreimal privates Heizöl von den Festspielen bezahlen.

In der Frage der Kontrolle des Betriebs im Erler Festspielhaus (daneben das Passionsspielhaus) herrscht kein Einvernehmen.

© Thomas Böhm / TTIn der Frage der Kontrolle des Betriebs im Erler Festspielhaus (daneben das Passionsspielhaus) herrscht kein Einvernehmen.



Von Markus Schramek

Erl, Innsbruck – Der Ober sticht den Unter. Das muss die Tiroler Landesregierung zur Kenntnis nehmen. Und zwar in der auch politisch brisanten Causa Tiroler Festspiele Erl. Einen Aufsichtsrat zur besseren Kontrolle wird es dort nämlich nicht geben. Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) ist zwar für die Einsetzung dieses Kontrollorgans. Doch Erl-Präsident Hans Peter Haselsteiner legt sein Veto ein. Ober Haselsteiner sticht Unter Palfrader.

Zur Vorgeschichte: Der Musentempel in Erl wurde seit Herbst 2018 vom Landesrechnungshof (LRH) über Monate geprüft. Die Einschau überschnitt sich zeitlich mit dem Rücktritt von Festspielgründer Gustav Kuhn. Künstlerinnen hatten dem vormaligen Alleinherrscher (Intendant, Dirigent, Regisseur) sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Diesbezügliche Ermittlungen laufen immer noch. Für Kuhn gilt die Unschuldsvermutung.

Der LRH kam in seinem Bericht zu folgendem Schluss: Die Festspiele Erl brauchen mehr Kontrolle – eben in Form eines Aufsichtsrats. Dieser soll sicherstellen, dass Zuschüsse aus Steuergeld zweckmäßig verwendet werden.

Der Gesprächsstoff wird Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner und Landesrätin Beate Palfrader so schnell nicht ausgehen.
Der Gesprächsstoff wird Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner und Landesrätin Beate Palfrader so schnell nicht ausgehen.
- APA

Die Festspiele Erl wurden 2017 in eine Stiftung umgewandelt, der damals bestehende Aufsichtsrat wurde im selben Zug aufgelöst.

Stiftungsinhaber ist seither der Industrielle Hans Peter Haselsteiner. Der Stiftungsvorstand, bestehend aus nur drei Personen, wacht als oberste Instanz über die Festspiele. Den Vorstand bilden Haselsteiner selbst, Landesrätin Palfrader für den Fördergeber Land und Sektionschef Jürgen Meindl für den Fördergeber Bund.

Haselsteiner ist mit dieser Konstruktion zufrieden. In einer Stellungnahme, die heute der Landesregierung vorgelegt wird, beharrt er auf dem Ist-Zustand. Der Stiftungsvorstand nehme die Kontrollfunktion in Erl bereits wahr, betont der Festspielpräsident. Einen Aufsichtsrat zusätzlich erachte er daher als „unnotwendige Aufblähung der Bürokratie“. Entscheidungen würden sich erschweren, ohne dass sich deren Qualität nennenswert verbessere.

Die Prüfer des LRH stießen in Erl auf Rechnungen, die mit dem Festspielbetrieb nichts zu tun hatten. So hat Ex-Intendant Gustav Kuhn in Summe 8100 Euro für Heizöl in Rechnung gestellt, das für sein privates Wohnhaus bestimmt war. „Die Festspiele haben für 2015, 2016 und 2017 jeweils 2700 Euro für Kuhns Heizöl bezahlt“, bestätigt Natascha Müllauer. Sie übernahm im Vorjahr die kaufmännische Leitung der Festspiele Erl GmbH.

Rechnungen wie diese seien nach den Worten Müllauers inzwischen nicht mehr möglich. Denn seit Herbst 2018 gelte bei den Festspielen das Prinzip „Doppelzeichnung“ zur internen Kontrolle. Künstlerische und kaufmännische Leitung müssen Zahlungen gemeinsam absegnen.

Ex-Intendant Kuhn habe kein Gehalt aus dem Erl-Budget bezogen, sagt Müllauer: „Er erhielt stattdessen 25.000 Euro pro Jahr als Spesenkonto.“ Dieses Geld habe Kuhn hauptsächlich für Restaurantbesuche mit Künstlern ausgegeben. Kuhns Heizöl sei zuzüglich zum Spesenkonto berappt worden. Müllauer: „Das Heizöl war extra.“

Ums Geld wird es in Erl nach überstandener LRH-Prüfung bald schon wieder gehen. Denn für 2020 ist die Förderung neu zu verhandeln. Landesrätin Palfrader hat durchklingen lassen, dass 1,15 Millionen pro Jahr von Seiten des Landes nicht mehr ausreichen. Der Zuschussbedarf soll dem Vernehmen nach auf bis zu 1,5 Millionen Euro anwachsen.

Im Zuge der Neuverhandlungen wird das Land ein peinliches Versäumnis nachholen. Denn bisher waren die Festspiele nicht verpflichtet, detailliert nachzuweisen, wie die Förderung ausgegeben wird. Das war bei Gründung der Stiftung glatt übersehen worden. Der Bund, er schießt ebenfalls 1,15 Millionen pro Jahr zu, hatte sich diesen Verwendungsnachweis sehr wohl schriftlich geben lassen.