Letztes Update am Do, 11.07.2019 07:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Festspiele Erl

Causa Erl: Gleichbehandlungskommission bestätigt Vorwürfe gegen Kuhn

Die Gleichbehandlungskommission belastet Gustav Kuhn, den Ex-Intendanten der Festspiele Erl: „Unerwünschte Aussagen und Berührungen“ gegenüber Künstlerinnen. Kuhn erkennt dies nicht an.

Der ehemalige künstlerische Leiter der Tiroler Festspiele Erl, Gustav Kuhn.

© TT/Rudy De MoorDer ehemalige künstlerische Leiter der Tiroler Festspiele Erl, Gustav Kuhn.



Erl, Wien – Es ist Lesestoff, der Gustav Kuhn, den gewesenen künstlerischen Leiter der Festspiele Erl, schwer belastet. Denn die Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt kommt in ihrem Bericht zu einem unmissverständlichen Schluss: Kuhn habe Künstlerinnen sexuell belästigt.

Wörtlich heißt es in diesem brisanten Papier: „Die von Professor Kuhn getätigten Aussagen und Berührungen stellen eine der sexuellen Sphäre zugehörige Verhaltensweise dar, die die subjektiven Grenzen der betroffenen Frauen überschritten hat und unerwünscht war.“

Die Gleichbehandlungskommission war im Vorjahr, am Höhepunkt der Affäre Kuhn, vom Vorstand der Festspiele Erl mit der Causa befasst worden. Mehrere vormals in Erl tätige Künstlerinnen, die Kuhn per öffentlichem Brief sexuelle Übergriffe vorgeworfen hatten, machten vor der Kommission ihre Aussage, ebenso Kuhn selbst.

Rechtliche Konsequenzen ergeben sich für den Erler Ex-Intendanten vorerst nicht. Der Bericht der Gleichbehandlungskommission hat lediglich den Charakter eines Gutachtens. Dieses könnte in einem allfälligen Zivilprozess gegen Kuhn als Beweis vorgelegt werden. Doch ein solches Verfahren, bei dem es um Schadenersatzzahlungen gehen könnte, streben die Künstlerinnen nicht an.

„Wir wollten beweisen, dass die Vorwürfe gegen Kuhn der Wahrheit entsprechen“, sagt die Wiener Anwältin Petra Smutny. Sie hat die Künstlerinnen beim Gang vor die Kommission unterstützt, „unter starkem Gegenwind“, wie Smutny sagt. Es habe massive Versuche gegeben, die Glaubwürdigkeit ihrer Mandantinnen in Zweifel zu ziehen. „Die Gleichbehandlungskommission bestätigt nun unsere Vorwürfe gegen Kuhn“, ist die Anwältin zufrieden.

Scharf fällt die Reaktion von Kuhns Anwalt Michael Krüger aus. „Das Erkenntnis der Gleichbehandlungskommission wird von uns nicht anerkannt“, zeigt sich Krüger empört. Grund: „Das Verfahren wurde nicht nach rechtsstaatlichen Grundsätzen geführt.“ Entlastungszeugen, die Kuhn aufbieten wollte, seien von der Kommission nicht angehört worden. Vor dieser gilt die Beweislastumkehr. Kuhn musste also nachweisen, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht stimmen.

Auf die zahlreichen in Innsbruck in der Causa Erl anhängigen Gerichtsverfahren habe der Befund der Kommission jedenfalls keine Auswirkung, sagt Anwalt Krüger.

Natascha Müllauer, die kaufmännische Leiterin der Festspiele Erl, zeigt sich erleichtert über die vorliegende Entscheidung. „Die Kommission bestätigt, dass es richtig war, Kuhn im Vorjahr als Intendant und Dirigent abzuberufen“, betont Müllauer.

Die im Festspielhaus ergriffenen Maßnahmen (Einsetzen einer vertraulichen Ombudsstelle, Festlegen von internen Verhaltensregeln) seien positiv bewertet worden. Müllauer: „Wir wollen jetzt in die Zukunft schauen und hoffen, dass der Fall Kuhn abgeschlossen ist.“

Ist er noch nicht. Denn auch die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat Ermittlungen gegen Kuhn durchgeführt. Das Ergebnis liegt schon länger vor. Wegen der Tragweite der Causa musste aber dem Justizministerium Bericht erstattet werden. Auf die Rückmeldung aus Wien wird immer noch gewartet.

Für Kuhn gilt die Unschuldsvermutung. (mark)