Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.07.2019


Bezirk Schwaz

Fragezeichen hinter Zukunft der Kunst- und Kulturtage in Jenbach

Nach Diskussion im Jenbacher Gemeinderat über Auftragsvergaben und Kosten für die Veranstaltungsreihe wehrt sich die Kulturreferentin.

Zwei Wochenenden umfassten die Jenbacher Kunst- und Kulturtage. Geboten wurden über 40 Einzelveranstaltungen. Auch die Schulen waren involviert. Einer der Höhepunkte war das Konzert von Waterloo (Bild).

© DählingZwei Wochenenden umfassten die Jenbacher Kunst- und Kulturtage. Geboten wurden über 40 Einzelveranstaltungen. Auch die Schulen waren involviert. Einer der Höhepunkte war das Konzert von Waterloo (Bild).



Von Walter Zwicknagl

und Angela Dähling

Jenbach – „Es ist das Recht eines jeden Gemeinderates oder jeder Gemeinderätin, sich über die Kostenüberschreitung bei den Kunst- und Kulturtagen Gedanken zu machen“, sagt Bürgermeister Dietmar Wallner zum Schreiben von Gemeinderätin Barbara Wildauer nach der GR-Sitzung vergangene Woche. Eines stellt er vorweg klar: Organisatorin Gabi Schatz habe den Kostenrahmen von 20.000 Euro exakt eingehalten – ja sogar unterschritten – und eine sehr ansprechende Arbeit abgeliefert. Dass es mittlerweile Buchungen in der Höhe von mehr als 31.000 Euro gebe, sei eine andere Sache. Und Gabi Schatz bekräftigt auch in einem Telefonat, dass die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten in der Marktgemeinde „äußerst positiv“ gewesen sei.

„Wenn Gemeinderätin Wild­auer schreibt, dass es die letzten Kunst- und Kulturtage in Jenbach waren, so kann ich das insofern bestätigen, dass es die letzten mit ihr als Projektleiterin waren. Mit Gabi Schatz würden wir jederzeit und gerne zusammenarbeiten“, setzt Wallner nach. Was ihn ärgert: Ohne jeglichen Beschluss sei bereits die Veröffentlichung des offenbar nächsten Termins für Kunst- und Kulturtage in sozialen Medien veranlasst worden. In dieser Sache gebe es von allen GR-Fraktionen Kritik. Dass Wildauer die Aufträge für die Öffentlichkeitsarbeit selbstständig vergeben habe – und dies ohne Beschlüsse und Absprachen –, sei zu hinterfragen. „Ich stelle eindeutig klar: Alleingänge von Gemeinderäten darf es nicht geben“, sagt der Bürgermeister. Es brauche Angebote und in weiterer Folge Beschlüsse. Übrigens sei im Gemeinderat die Budgetüberschreitung lediglich angesprochen worden und werde vom Überprüfungsausschuss noch zu prüfen sein.

Kulturausschussobfrau Barbara Wildauer (fraktionslos) will die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. „Der Bürgermeister war immer informiert, alles erfolgte in Abstimmung mit ihm und allen Gremien“, sagt sie und verweist auch auf die Protokolle der Kulturausschusssitzungen. „Es gibt auch kein Finanzloch“, behauptet sie. Zu den budgetierten 20.000 Euro kämen nämlich noch Sponsorgelder und Förderungen.

So sei etwa der Posten „Öffentlichkeitsarbeit“ mit 5300 Euro veranschlagt worden und dafür u. a. neben Sponsorgeld von 2500 Euro auch 2000 Euro Fördergeld vom Regionalmanagement lukriert worden. Was die laut Wallner angeblich fehlenden Beschlüsse anbetrifft, sieht sie den Gemeindechef in der Pflicht: „Wenn dazu Beschlüsse gewünscht worden wären, hätte der Bürgermeister sie auf die Tagesordnung setzen müssen. Es wusste alles und verabsäumte es, dies formal zu regeln“, so ihre Ansicht. Sie habe keine Aufträge ohne vorherige Absprache mit dem Bürgermeister erteilt und werde hier „übelst angeschüttet“, obwohl noch keine Abrechnung vorliege.

Dass in der Gemeinde inzwischen Rechnungen in Gesamthöhe von 31.000 Euro eingelangt sein sollen, erklärt sie mit den Worten: „Die Budgetkontrolle von uns ist vorliegend. Was der Bürgermeister alles zu den Kulturtagen rechnet, weiß ich nicht.“